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StartseiteForschung aktuellBitterschokolade enthält ähnlich viel Vitamin D2 wie Fisch26.09.2018

ErnährungswissenschaftlerinBitterschokolade enthält ähnlich viel Vitamin D2 wie Fisch

Normalerweise würden nur tierische Produkte oder Pilze als Vitamin-D-Quelle gelten, sagte Ernährungswissenschaftlerin Gabriele Stangl im Dlf. Doch nun habe man auch in Kakaoprodukten Vitamin D2 gefunden. Vermehrter Schokoladenverzehr, vor allem im Winter, sei deshalb aber nicht zu empfehlen.

Gabriele Stangl im Gespräch mit Arndt Reuning

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Ungeschälte Kakaobohnen (picture-alliance/ dpa - Frank Rumpenhorst)
Kakaobohnen werden vermutlich bei der Trocknung kontaminiert (picture-alliance/ dpa - Frank Rumpenhorst)
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Arndt Reuning: Vitamin D gehört zu den Nährstoffen, die unser Körper selbst erzeugen kann. Aber nur mit Hilfe des Sonnenlichts. Gerade in den dunklen Wintermonaten ist es wichtig für die Gesundheit, genug Vitamin D über die Nahrung aufzunehmen. Die Substanz steckt in fettem Fisch, in Eiern, in Milchprodukten und auch in Pilzen.

Forschende am Max Rubner-Institut in Karlsruhe und an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben nun eine Quelle für Vitamin D2 entdeckt, die bisher wohl übersehen worden war: Schokolade. Wie es zur Entdeckung kam, hat mir vor der Sendung Gabriele Stangl verraten, Professorin an der MLU in Halle.

Gabriele Stangl: Es war eigentlich ein Zufall, dass wir entdeckt haben, dass im Kakao, in der Kakaobohne Vitamin D2 vorkommt. Normalerweise sieht man sich nur tierische Produkte an oder Pilze, wenn es um eine Vitamin-D-Quelle geht. Umso überraschender war es für uns, dass wir in Kakaoprodukten auch das Vitamin D2 finden.

Kontamination während der Trocknung der Kakaobohnen

Reuning: Pflanzen können das Vitamin D2 offenbar gar nicht herstellen. Wie kommt es denn, dass nun doch in einem pflanzlichen Produkt, eben in der Kakaobohne, erhebliche Mengen des Vitamin D gefunden wurden?

Stangl: Ja, wir vermuten, dass es eine Kontamination ist. Wenn man sich die Gewinnung und die Prozessierung von Kakao anschaut, dann werden nach der Fermentation der Kakaobohnen diese getrocknet. Und diese Trocknung findet draußen am Sonnenlicht statt. Und wenn dort diese Kakaobohnen liegen, dann – so vermuten wir – kommen dort auch Pilze hinzu, und Pilze enthalten die Vorstufe von Vitamin D2. Unter der Einwirkung des Sonnenlichts, so unsere Vermutung, kommt es jetzt zur Umwandlung von dieser Vorstufe von Ergosterol zu Vitamin D2. Und deswegen finden wir natürlich auch dieses Vitamin D2 am Ende in der Schokolade oder in der Trinkschokolade oder in sonstigen Kakaoprodukten.

Hoher Vitamin-D-Gehalt in Bitterschokolade

Reuning: Welche Produkte schneiden denn da am besten ab, was den Gehalt an Vitamin D2 angeht?

Stangl: Das sind die Produkte, in denen der Kakaoanteil am höchsten ist, also in der dunklen Schokolade mit hohem Kakaoanteil, also in der Bitterschokolade. Dort finden wir annähernd so viel pro 100 Gramm wie zum Beispiel in Eiern oder im Fisch.

Reuning: Gerade im Winter sind wir darauf angewiesen, dass wir Vitamin D über die Nahrung zu uns nehmen. Sie haben ermittelt, eine Tafel Vollmilchschokolade enthält ungefähr zwei Mikrogramm Vitamin D, also zwei Tausendstel Milligramm. Das scheint gar nicht so viel zu sein, entspricht aber ungefähr einem Zehntel des gesamten Tagesbedarfs eines Erwachsenen. Also ich sag mal, mit täglich fünf Tafeln Schokolade sollten wir im Winter doch eigentlich gut über die Runden kommen.

Stangl: Das ist eine nette Idee und wird sicherlich jetzt einige Schokoladenliebhaber freuen, aber das ist natürlich nicht unsere Empfehlung. Sinn und Zweck dieser Untersuchung ist es, die Datenbanken, die ja die Nährstoffgehalte von Lebensmitteln beinhalten, die Grundlage sind, um errechnen zu können, wie hoch die Nährstoffaufnahmen in einer Bevölkerung sind, um diese Datenbanken zu ergänzen. Wir empfehlen jetzt nicht, täglich in den Wintermonaten fünf Tafeln Schokolade aufzunehmen, das würde ich auch keinem empfehlen, denn dabei kommt nichts Gutes raus, das würde uns dick machen.

"Ziel ist, den Nährstoffbedarf genauer zu ermitteln"

Reuning: Aber das heißt, Ihre Messungen an Kakaopulver, an Schokolade, die können dabei helfen, dass zum Beispiel nationale Verzehrstudien einfach genauer werden.

Stangl: Exakt, ganz genau, und das war am Ende auch das Ziel. Also Ziel ist nicht die Empfehlung, möglichst viel Schokolade zu verzehren, sondern Ziel ist, die Datenbanken in Zukunft genauer und den Nährstoffbedarf genauer ermitteln zu können.

Vitaminreichen Kakao in andere Lebensmittel einbringen

Reuning: Das vitaminreiche Kakaopulver muss ja nicht unbedingt zu fetter und zuckerhaltiger Schokolade verarbeitet werden. Sehen Sie denn die Möglichkeit, andere Lebensmittel mit Kakao anzureichern, um die Versorgung mit Vitamin D im Winter zu unterstützen?

Stangl: Ja, das ist natürlich schon eine Überlegung, zumal im Kakao jetzt nicht nur das Vitamin D steckt, sondern auch, ich sag mal, potenziell gesundheitlich interessante sekundäre Pflanzenstoffe, Polyphenole. Und es geht jetzt auch darum herauszufinden, für welche Lebensmittelmatrix sich der Kakao eignet. Es gibt ja bereits auf dem Markt schon Nudeln, die Kakao enthalten, und es wird sehr spannend sein, in welche Lebensmittel wir diesen Kakao einbringen können.

Reuning: Sagt Gabriele Stangl, Professorin an der MLU in Halle.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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