Samstag, 28. Januar 2023

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Erneuter Pilotenstreik
Verhärtete Fronten bei der Lufthansa

Die Gräben könnten kaum tiefer sein: Die Gewerkschaft warnt davor, Piloten auch in höherem Alter noch zu drängen, im Cockpit zu sitzen. Die Arbeitgeber warnen davor, das Überleben der ganzen Lufthansa im harten internationalen Wettbewerb mit zu hohen Personalkosten zu gefährden. Nun wird erstmal wieder gestreikt.

Von Ludger Fittkau | 01.12.2014

    Eine Anzeigetafel auf dem Frankfurter Flughafen am 21. Oktober. Streikbedingt fielen zwei Drittel aller Lufthansa-Flüge aus.
    Eine Anzeigetafel auf dem Frankfurter Flughafen am 21. Oktober. Streikbedingt fielen zwei Drittel aller Lufthansa-Flüge aus. (AFP / DANIEL ROLAND)
    Im Terminal 1 des Flughafens Frankfurt am Main wird es heute Mittag ab zwölf Uhr so sein wie so oft in diesem Jahr: Es wird relativ leer sein. Nur ein paar Schalter werden geöffnet sein, weil die Lufthansa einen Sonderflugplan anbietet, mit dem wenigsten ein Teil der Passagiere aus Rhein-Main zu ihrem Ziel gelangen können. Hektik wird es auch diesmal nicht geben im Terminal 1.
    Die Passagiere sind es schon gewöhnt, sich rechtzeitig im Internet zu informieren, bevor sie überhaupt den Weg zum größten deutschen Flughafen antreten.
    Anderthalb Tage lang soll der Streik der Pilotenvereinigung Cockpit diesmal dauern. Bestreikt werden zunächst Flüge der Kurz- und Mittelstrecke, ab Dienstagfrüh wird der Ausstand auch auf Langstrecken und Lufthansa Cargo ausgeweitet. Dienstag um Mitternacht soll der Streik dann enden, Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings sollen diesmal nicht betroffen sein.
    Billig-Strategie bei der Lufthansa
    Markus Wahl, Vorstandsmitglied der Pilotengewerkschaft Cockpit, begründet den Streik für den Erhalt der Übergangsversorgung der Piloten ab 55 auch mit der Sicherheit der Passagiere. Die Tendenz gehe zwar seit längerem dahin, das Lufthansa- Piloten weiterfliegen, obwohl sie die bisherige Altersgrenze von 55 erreicht hätten, so der Piloten-Gewerkschafter:
    "Auf der anderen Seite wollen wir für die Kollegen, die sagen: Es war belastend – und auf jeden wirkt das ja anders – es war belastend und ich möchte diese Verantwortung nicht mehr tragen, für die zu sagen: Okay, es muss vielleicht nicht 61 sein, sondern auch zwei oder drei Jahre früher – ich möchte in diese Übergangsversorgung wechseln.
    Was wir nämlich explizit nicht wollen, ist der Kollege, der im Cockpit sitzt und sagt: Eigentlich kann ich das nicht mehr, das ist mir alles viel zu viel, aber ich muss – ganz einfach, weil ich meine Rechnung bezahlen muss."
    Doch Rechnungen bezahlen – die muss eben auch Lufthansa-Konzern-Chef Carsten Spohr. Rechnungen für Personalkosten, die aus seiner Sicht im Vergleich zu vielen Konkurrenz-Airlines bei der Lufthansa viel zu hoch sind. Spohr wählt längst eine Billig-Strategie für den Konzern – die alten Tarifverträge sollen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings und einer geplanten eigenen Linie für die Langstrecke nicht gelten. Carsten Spohr will damit das Überleben der Lufthansa im harten internationalen Wettbewerb sichern.
    Tiefe Gräben
    Lufthansa-Management und Pilotengewerkschaft – die Gräben zwischen beiden Akteuren im Konzern könnten nicht tiefer sein. Schon vor Monaten äußerte der Lufthansa-Chef in einem Interview im Hessischen Rundfunk Zweifel, ob der festgefahrene Konflikt mit der Pilotenvereinigung Cockpit – ähnlich wie der Streit zwischen Bahn-Management und Lokführern - überhaupt noch ohne Eingreifen der Politik zu lösen ist:
    "Ich glaube, das wird sich ohne Politik nicht ändern lassen. Weil der Arbeitgeber, das sehen sie bei uns, letztendlich keine Möglichkeiten hat. Er kann nachgeben und seine Wettbewerbsfähigkeit noch weiter verschlechtern. Das wäre kurzfristiger Frieden, aber langfristig ausscheiden als dem Markt oder Schrumpfen des Unternehmens oder er muss es durchstehen."
    Durchstehen solange, bis womöglich doch die Politik eingreift und Streiks im Luftverkehr und bei der Bahn erschwert? Immerhin- es gibt eine gute Nachricht für Lufthansa-Kunden: Weihnachten soll nicht gestreikt werden. Wie auch bei der Bahn.