Das geschichtliche Erbe des Kongo liegt in einem Haus mit abblätterndem Putz in der Hauptstadt Kinshasa – zumindest das, was in Bücher passt. Ein zerdelltes Blechschild vor der Tür gibt den Hinweis: Hier handelt es sich um das Historische Archiv des Landes. Alte Urkunden, Dokumente und Briefe sind zusammengepfercht in wackeligen Regalen.
Wer vorsichtig in den vergilbten Seiten blättert, schlägt die dunklen Kapitel der Vergangenheit auf. Damals zogen die europäischen Mächte in Afrika willkürlich Grenzen, sagt der Leiter des Archivs, Professor Antoine Lumenganeso.
"Afrika wurde aufgeteilt. Die Afrikaner wurden dabei nicht gefragt, das haben die Kolonialherren unter sich ausgemacht. Und da liegt die Wurzel unseres Elends."
Als "Scramble vor Africa" – Wettlauf um Afrika – ging die Zerstückelung des Kontinents in die Geschichtsbücher ein. Der belgische König Leopold II. sicherte sich den Kongo als private Kolonie.
"Er hat den Kongo ausgebeutet. Hierher gekommen ist er nie. Er mochte die Kongolesen nicht, er mochte nur den Reichtum unseres Landes."
Die Bodenschätze des Kongo waren schon damals Fluch statt Segen. Leopold kannte beim Ausplündern keine Gnade. Seine Gier galt Gold, Diamanten und Kupfer genauso wie dem wertvollen Kautschuk.
"Wenn die Menschen nicht schnell genug Kautschuk gesammelt haben, wurden sie bestraft. Ihnen wurden die Hände abgehakt – auch Kindern. Darum sprach man vom roten Kautschuk."
Berichte von der brutalen Ausbeutung drangen schließlich auch bis Europa – und führten zu Protesten. 1908 wurde Leopold gezwungen, die Kolonie an den belgischen Staat abzutreten. Doch für die Bevölkerung im Kongo änderte sich dadurch kaum etwas – wie auch nach der Unabhängigkeit nicht. Bis heute toben im Osten des Landes Bürgerkriege um die Bodenschätze. An Stelle der Kolonialherren plündern jetzt Rebellengruppen die Minen. Fast vier Millionen Menschen bezahlten den Reichtum ihres Landes allein in den vergangenen Jahren mit dem Leben.
"Der Krieg im Osten findet vor allem in der Region um Goma, Kivu und so weiter statt. Es ist ein fürchterlicher Krieg. Aber jetzt, dank unseres Präsidenten Joseph Kabila, kehrt nach und nach die Sicherheit zurück."
Kabila hat sich Unterstützung geholt. Überall im Kongo sind Chinesen zu sehen. Was die Regierung nicht aus eigener Kraft schafft, sollen sie jetzt übernehmen: Das Land aufbauen.
Zunächst mal zimmern die Chinesen allerdings ihre eigenen Unterkünfte. Die Gesellschaft CGCD ist eine von vielen, die sich zur Zeit in Kinshasa niederlässt. Für die angereisten Ingenieure werden einfache Häuser errichtet – Klein-China in Afrika. Sogar einen extra eingeflogenen Koch gibt es, der mit den passenden Gewürzen vertraute Gerichte zaubert. Unternehmenssprecherin Nina Pan Wu sagt: Wer Gutes tun will, braucht auch etwas im Magen.
"Die chinesische Regierung will dem armen Kongo helfen, sich zu entwickeln. Unsere Gesellschaft ist staatlich. Also sind wir hier, um den Kongolesen zu einem besseren Leben zu verhelfen."
Eine neue Form der Entwicklungshilfe – oder sind die Chinesen die heutigen Kolonialherren, die den Kongo ausbeuten, wie viele sagen? Der Deal zwischen den beiden Regierungen ist einfach: Rohstoffe gegen Infrastruktur. Bisher gibt es im Kongo, ein Land das immerhin so groß ist wie ganz Westeuropa, kaum Straßen. Gerade im Osten kann es ewig dauern, von einem Dorf ins nächste zu kommen. Jetzt sollen chinesische Unternehmen insgesamt 3500 Kilometer Straßen, noch mal so lange Bahnstrecken, dazu Krankenhäuser, Universitäten und Schulen bauen. Im Gegenzug gehen Kupfer und Kobalt im Wert von mehreren Milliarden Dollar aus den kongolesischen Minen nach China.
Nina Pan Wu sieht darin ein Geschäft, von dem beide Seiten profitieren – die Kongolesen vielleicht noch mehr als die Chinesen:
"Eine Grundvoraussetzung, damit sich ein Ort zum besseren entwickelt, sind die Straßen, nicht wahr? Also geben wir unser Bestes, um Straßen zu bauen. Sie sind wie Brücken, die Menschen zusammenbringen."
Auch Ingenieur Hu Haixing wird ganz philosophisch, wenn er seinen Einsatz beschreibt. Er sieht sich als eine Art Lehrer für die kongolesischen Arbeiter – der sie nicht nur beim Aufbau der Infrastruktur, sondern auch beim Aufbau von Wissen unterstützt.
"Wir bringen ihnen bei, wie sie arbeiten müssen. Wir setzen Leute aus der Region ein und geben ihnen so vielleicht den Anstoß, später Straßenbau zu studieren. Der chinesischen Regierung ist es wichtig, den Menschen hier zu helfen. Wir stellen ja schließlich auch viele ein. Sie haben so ein Einkommen, um ihre Familien zu ernähren."
Einer der ersten kongolesischen Arbeiter bei CGCD ist Rene Kalumbo. Ein Studium wird er wohl kaum an seinen Job dranhängen – das hat er schon hinter sich.
"Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert. Hier an der Universität in Kinshasa."
Gute Ausbildung – guter Job: Diese Gleichung funktioniert im Kongo noch lange nicht. Die Weltbank errechnete für das zentralafrikanische Land zuletzt ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 150 Dollar im Jahr. Der Kongo steht damit im Vergleich mit anderen Ländern des Kontinents am schlechtesten da. Die Chinesen werden wohl auch nicht dazu beitragen, den Wert wesentlich anzuheben.
"Wir arbeiten jeden Tag von acht Uhr morgens bis Viertel vor acht abends. Es ist eine harte Arbeit. Sie müsste besser bezahlt werden."
Umgerechnet drei Dollar bekommt er am Tag. Die Aussage der Unternehmenssprecherin trifft damit auf ihn jedenfalls nicht zu.
Sie sagt:
" Wenn du reich werden willst, musst du als Erstes eine Straße bauen."
Wer vorsichtig in den vergilbten Seiten blättert, schlägt die dunklen Kapitel der Vergangenheit auf. Damals zogen die europäischen Mächte in Afrika willkürlich Grenzen, sagt der Leiter des Archivs, Professor Antoine Lumenganeso.
"Afrika wurde aufgeteilt. Die Afrikaner wurden dabei nicht gefragt, das haben die Kolonialherren unter sich ausgemacht. Und da liegt die Wurzel unseres Elends."
Als "Scramble vor Africa" – Wettlauf um Afrika – ging die Zerstückelung des Kontinents in die Geschichtsbücher ein. Der belgische König Leopold II. sicherte sich den Kongo als private Kolonie.
"Er hat den Kongo ausgebeutet. Hierher gekommen ist er nie. Er mochte die Kongolesen nicht, er mochte nur den Reichtum unseres Landes."
Die Bodenschätze des Kongo waren schon damals Fluch statt Segen. Leopold kannte beim Ausplündern keine Gnade. Seine Gier galt Gold, Diamanten und Kupfer genauso wie dem wertvollen Kautschuk.
"Wenn die Menschen nicht schnell genug Kautschuk gesammelt haben, wurden sie bestraft. Ihnen wurden die Hände abgehakt – auch Kindern. Darum sprach man vom roten Kautschuk."
Berichte von der brutalen Ausbeutung drangen schließlich auch bis Europa – und führten zu Protesten. 1908 wurde Leopold gezwungen, die Kolonie an den belgischen Staat abzutreten. Doch für die Bevölkerung im Kongo änderte sich dadurch kaum etwas – wie auch nach der Unabhängigkeit nicht. Bis heute toben im Osten des Landes Bürgerkriege um die Bodenschätze. An Stelle der Kolonialherren plündern jetzt Rebellengruppen die Minen. Fast vier Millionen Menschen bezahlten den Reichtum ihres Landes allein in den vergangenen Jahren mit dem Leben.
"Der Krieg im Osten findet vor allem in der Region um Goma, Kivu und so weiter statt. Es ist ein fürchterlicher Krieg. Aber jetzt, dank unseres Präsidenten Joseph Kabila, kehrt nach und nach die Sicherheit zurück."
Kabila hat sich Unterstützung geholt. Überall im Kongo sind Chinesen zu sehen. Was die Regierung nicht aus eigener Kraft schafft, sollen sie jetzt übernehmen: Das Land aufbauen.
Zunächst mal zimmern die Chinesen allerdings ihre eigenen Unterkünfte. Die Gesellschaft CGCD ist eine von vielen, die sich zur Zeit in Kinshasa niederlässt. Für die angereisten Ingenieure werden einfache Häuser errichtet – Klein-China in Afrika. Sogar einen extra eingeflogenen Koch gibt es, der mit den passenden Gewürzen vertraute Gerichte zaubert. Unternehmenssprecherin Nina Pan Wu sagt: Wer Gutes tun will, braucht auch etwas im Magen.
"Die chinesische Regierung will dem armen Kongo helfen, sich zu entwickeln. Unsere Gesellschaft ist staatlich. Also sind wir hier, um den Kongolesen zu einem besseren Leben zu verhelfen."
Eine neue Form der Entwicklungshilfe – oder sind die Chinesen die heutigen Kolonialherren, die den Kongo ausbeuten, wie viele sagen? Der Deal zwischen den beiden Regierungen ist einfach: Rohstoffe gegen Infrastruktur. Bisher gibt es im Kongo, ein Land das immerhin so groß ist wie ganz Westeuropa, kaum Straßen. Gerade im Osten kann es ewig dauern, von einem Dorf ins nächste zu kommen. Jetzt sollen chinesische Unternehmen insgesamt 3500 Kilometer Straßen, noch mal so lange Bahnstrecken, dazu Krankenhäuser, Universitäten und Schulen bauen. Im Gegenzug gehen Kupfer und Kobalt im Wert von mehreren Milliarden Dollar aus den kongolesischen Minen nach China.
Nina Pan Wu sieht darin ein Geschäft, von dem beide Seiten profitieren – die Kongolesen vielleicht noch mehr als die Chinesen:
"Eine Grundvoraussetzung, damit sich ein Ort zum besseren entwickelt, sind die Straßen, nicht wahr? Also geben wir unser Bestes, um Straßen zu bauen. Sie sind wie Brücken, die Menschen zusammenbringen."
Auch Ingenieur Hu Haixing wird ganz philosophisch, wenn er seinen Einsatz beschreibt. Er sieht sich als eine Art Lehrer für die kongolesischen Arbeiter – der sie nicht nur beim Aufbau der Infrastruktur, sondern auch beim Aufbau von Wissen unterstützt.
"Wir bringen ihnen bei, wie sie arbeiten müssen. Wir setzen Leute aus der Region ein und geben ihnen so vielleicht den Anstoß, später Straßenbau zu studieren. Der chinesischen Regierung ist es wichtig, den Menschen hier zu helfen. Wir stellen ja schließlich auch viele ein. Sie haben so ein Einkommen, um ihre Familien zu ernähren."
Einer der ersten kongolesischen Arbeiter bei CGCD ist Rene Kalumbo. Ein Studium wird er wohl kaum an seinen Job dranhängen – das hat er schon hinter sich.
"Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert. Hier an der Universität in Kinshasa."
Gute Ausbildung – guter Job: Diese Gleichung funktioniert im Kongo noch lange nicht. Die Weltbank errechnete für das zentralafrikanische Land zuletzt ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 150 Dollar im Jahr. Der Kongo steht damit im Vergleich mit anderen Ländern des Kontinents am schlechtesten da. Die Chinesen werden wohl auch nicht dazu beitragen, den Wert wesentlich anzuheben.
"Wir arbeiten jeden Tag von acht Uhr morgens bis Viertel vor acht abends. Es ist eine harte Arbeit. Sie müsste besser bezahlt werden."
Umgerechnet drei Dollar bekommt er am Tag. Die Aussage der Unternehmenssprecherin trifft damit auf ihn jedenfalls nicht zu.
Sie sagt:
" Wenn du reich werden willst, musst du als Erstes eine Straße bauen."