Trinity College Dublin
Erstmals genetischer Nachweis für Einschleppung der Pocken aus Europa nach Amerika

Ein internationales Forscherteam hat erstmals den genetischen Beleg erbracht, dass die Pocken einst aus Europa auf den amerikanischen Kontinent gebracht wurden.

    Die Pocken sind als ovale Zellen mit kleinen hellblauen "Härchen" dargestellt.
    Querschnitt eines Pockenerregers mit Zellmembran, Nukleokapsid, Zellwand und Glykoproteinen in einer 3d-Illustration (dpa / Zoonar / Christoph Burgstedt)
    Die Forscher aus Irland, Chile und Japan vom Trinity College Dublin analysierten nach eigenen Angaben Pockengenome aus der Kolonialzeit, die in Amerika gewonnen wurden. Untersucht wurden zwei mumifizierte Leichen indigener Menschen, die zwischen dem späten 15. und frühen 17. Jahrhundert im Norden Chiles bestattet worden waren.

    Katastrophaler Bevölkerungsrückgang bei Indigenen

    Die durch das Variola-Virus verursachte Pockenkrankheit hatte eine wesentliche Rolle beim damaligen katastrophalen Bevölkerungsrückgang gespielt, den die indigenen Völker in Nord-, Mittel- und Südamerika nach der Ankunft der Europäer erlebten. Das Virus trat laut Studie in Wellen auf und verursachte in Amerika schätzungsweise drei bis vier Millionen Todesfälle - möglicherweise sogar mehr.

    Ausgestorbene europäische Linie des Pockenvirus

    Bislang gab es dem Team zufolge keine direkten genetischen Belege, die die Ausbrüche in Amerika während der Kolonialzeit mit den in der Alten Welt zirkulierenden Stämmen in Verbindung brachten. Die Studie, die in der Fachzeitschrift ”Science” veröffentlicht wurde, zeigt nun aber, dass die Viren zu einer inzwischen ausgestorbenen Linie des Pockenvirus gehörten. Diese liegt evolutionär zwischen mittelalterlichen europäischen Stämmen und denen, die in späteren Jahrhunderten zirkulierten.
    Diese Nachricht wurde am 02.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.