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Ertragssteigerung bei Pappeln

Energietechnik. - Holz ist im Kommen – immer mehr Menschen heizen mit Holz, und überall entstehen Holzkraftwerke, die umweltfreundlich Strom und Wärme erzeugen. Die Preise für die besonders beliebten Pellets haben auch schon entsprechend angezogen. Deshalb planen Experten, sog. Energiehölzer anzubauen. Auf dem "Europäischem Biomassekongress" in Berlin wurde der jüngste Stand dargestellt.

Von Frank Grotelüschen | 10.05.2007

    "Pappeln und Weiden wachsen ziemlich schnell. Besonders die Pappel gedeiht in unseren Breiten ganz prächtig. Das macht sie für uns so interessant."

    Für Gail Taylor, Biologin an der Universität Southampton, ist sie die Kandidatin für den perfekten Energiebaum – die Pappel. Man pflanzt sie ein als bleistiftgroßen Setzling. Drei, vier Jahre später ist die Pappel hoch wie ein Haus. Dann kann man sie schlagen und in Holzkraftwerken oder Biokraftstoff-Fabriken zu Energie machen. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht bislang weniger rosig aus. Taylor:

    "”Heute erreicht man selten mehr als zwölf oder zwölf Tonnen an jährlichen Hektarerträgen. Der Grund: Weizen oder Raps wurden über Jahrzehnte von den Züchtern optimiert – die Pappel hingegen nicht. Es gibt also noch jede Menge Spielraum, ihre Eigenschaften zu verbessern.""

    Im Labor, bei optimaler Bewässerung und bestem Boden, haben die Experten schon Erträge von 35 Tonnen pro Jahr und Hektar geschafft. Das wollen sie nun auf den rauen Alltag in der Baumplantage übertragen. Dort müssen die Pflanzen schon mal mit wenig Wasser und wenig Nährstoffen auskommen. Also suchen Gail Taylor und ihre Kollegen nach Pappel-Varianten, die auch unter suboptimalen Umständen in den Himmel wachsen. Taylor:

    "”Wir können es mit konventioneller Züchtung versuchen: Man kreuzt verschiedene Varianten miteinander und schaut nach, welche Nachkommen die besten Eigenschaften haben. Aber: Das braucht Zeit. Deshalb nehmen wir die Biotechnologie zur Hilfe. Entweder können wir Gene von einer Pflanzensorte zur anderen übertragen. Oder wir suchen nach Markern, die uns verraten, welche genetischen Varianten besonders viel versprechend sind.""

    Mit anderen Worten: Die Forscher basteln an einer Art Gentest für Bäume. Damit wollen sie Exemplare mit bestimmten Eigenschaften herausfischen – Eigenschaften, die für schnelles Wachstum besonders wichtig sind. Taylor:

    "”Ein Beispiel: Die Pappel-Varianten, die besonders schnell wachsen, haben überdurchschnittlich große Blätter. Von anderen Pflanzen wissen wir, welche Gene die Blattgröße festlegen. Mit diesem Wissen können wir die verschiedenen genetischen Varianten der Pappel durchforsten und gezielt nach den Genen für die Blattgröße suchen, um die Bäume künftig zu verbessern.""

    Innerhalb von fünf bis zehn Jahren will Taylor die Hektarerträge verdoppeln – von heute zehn auf 20 Tonnen pro Jahr. Ihr Landsmann Richard Lord von der Universität Teesside hingegen möchte nicht neue Pflanzen nutzbar machen, sondern neue Anbauflächen. Lord:

    "”Allein in Nordost-England gibt es 20.000 Hektar an Industriebrache. Das ist Land, das man nicht nutzen kann, weil die Böden mit Umweltgiften belastet sind. Auf diesen Flächen wollen wir Energiepflanzen anbauen, aus denen man in Kraftwerken Strom und Wärme gewinnen kann.""

    BioReGen, so heißt das EU-Projekt, startete vor drei Jahren. Auf einer Industriebrache nahe des englischen Middlesbrough pflanzten Lord und seine Leute Weiden, Chinaschilf und Rutenhirse – und erlebten eine böse Überraschung: Kaninchen fielen über die Setzlinge her und vernaschten den Großteil der Ernte. Dann zäunten die Forscher das Testfeld mit Maschendraht ein – und hatten Erfolg. Lord:

    "”Die Pflanzen gedeihen tatsächlich auf dem kontaminierten Boden. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens ziehen die Pflanzen giftige Schwermetalle aus dem Boden und reinigen ihn. Zweitens können wir die Pflanzen in Heizkraftwerken verbrennen und erneuerbare, umweltfreundliche Energie gewinnen.""

    Um zu sehen, ob ihre Ergebnisse allgemeingültig sind, bepflanzen die Forscher nun auch andere Industriebrachen – Gelände, die unterschiedlich stark belastet sind. Das abschließende Ergebnis erwarten sie für 2010.