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StartseiteSport am Wochenende"Es ist an der Zeit, dass die Winterspiele nach Asien zurückkommen”28.02.2010

"Es ist an der Zeit, dass die Winterspiele nach Asien zurückkommen”

Die südkoreanische Bewerbung um Winterspiele 2018

Pyeongchang ist der Hauptkonkurrent der Münchener Olympia-Bewerbung. Zweimal hat die Stadt knapp gegen Vancouver und Sotschi verloren. Seither wurden Milliarden in die Region investiert. Die Bewerbungskosten sind gesichert, weil die Großkonzerne wie Samsung bezahlen.

Von Jens Weinreich

Samsung-Herrscher Lee Kun Hee will die Olympischen Spiele 2018 nach Pyeongchang holen. (AP)
Samsung-Herrscher Lee Kun Hee will die Olympischen Spiele 2018 nach Pyeongchang holen. (AP)
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Für Deutschland galt es in Vancouver nicht nur, sportlich erfolgreich abzuschneiden. Diese Winterspiele sollten auch der internationale Start für die Olympiabewerbung Münchens sein. Mit allen IOC-Mitgliedern haben die Bewerber gesprochen und keinen Termin verpasst, um ihre Offerte an die Zielpersonen zu bringen. München hat zwei Konkurrenten: einen kleinen, den niemand Ernst nimmt, Annecy in Frankreich. Und einen großen, mit dem man sich ein hartes Gefecht liefern wird bis zur IOC-Entscheidung im kommenden Jahr: Pyeongchang in Südkorea.

Die Koreaner residierten im Hyatt-Hotel in Vancouver. Wie der IOC-Sponsor Samsung. In der Samsung-Lounge wurden die Mitglieder der so genannten olympischen Familie mit der neuesten Technik versorgt, traditionell gibt es zu jedem Großereignis Telefone. Pyeongchang hatte an einigen Abenden größere Runden geladen. Stets tanzten juvenile Akrobaten auf der Bühne. Pyeongchang hatte die schönsten Hostessen. Stets durften die Gäste, darunter etliche Dutzend IOC-Mitglieder, an riesigen Bildschirmen spielen und Erinnerungsfotos an ihre Privatadressen mailen. Die Botschaft lautete: Pyeongchang ist jung und modern.

Glaubt man dem sportpolitischen Flurfunk, dann hat Pyeongchang in Vancouver weniger Eindruck hinterlassen als München mit seiner generalstabsmäßig vorgetragenen Small-Talk-Attacke. Es heißt, die Koreaner müssten sich erst noch finden. Sie sind ein bisschen in die Defensive geraten, auch wegen der Diskussion um ihr IOC-Mitglied Lee Kun Hee, den langjährigen Boss des Samsung-Konzerns. Der Milliardär, der schon mehrfach wegen Korruption und anderer Delikte verurteilt wurde, ist erst vor zwei Monaten vom Staatspräsidenten begnadigt wurden. In Vancouver hat auch das IOC ihn rehabilitiert. Er ist dennoch kaum aufgetaucht, aber das ist nichts Neues. Lee lässt andere die Arbeit machen.

Park Yong Sung ist Südkoreas NOK-Präsident. Er spielt derzeit in der Öffentlichkeit die aktivste Rolle unter allen Sportfunktionären. Park sagt, es gebe viele Gründe, die für Olympische Winterspiele in Korea sprechen:

""Die letzten Winterspiele wurde 1998 in Asien ausgetragen. In Nagano. Seither haben die Spiele immer in Amerika und Europa stattgefunden. Ein anderer Grund ist: In Europa ist der Wintersportmarkt gesättigt. Asien garantiert Wachstum, in unserem Teil der Welt wächst der Markt rasant. Und schließlich reden doch alle immer über die Universalität der Spiele, also: Es ist an der Zeit, dass die Winterspiele nach Asien zurückkommen.”"

Für NOK-Chef Park sind auch die Medaillen von Vancouver ein Pluspunkt für die Bewerbung. Vor diesen Spielen hatte Südkorea im Winter 31 Medaillen gewonnen - davon 29 im Short Track und 2 im Eisschnelllaufen. Vancouver brachte eine Rekordausbeute von 14 Medaillen. Korea hat nun auch Eisschnelllauf-Olympiasieger - und natürlich die Eiskunstläuferin Kim Yu-Na, eine bezaubernde Nationalheldin. 19 Jahre jung ist Kim, und wie alle anderen Medaillengewinner wurde sie am Sonnabend präsentiert, als im Pan Pacific Hotel, gleich neben dem Hauptpressezentrum ein Abend des koreanischen Wintersports gefeiert wurde. Der Abend hatte natürlich nur ein Thema: die Olympiabewerbung.

Pyeongchang hat zweimal knapp gegen Vancouver und Sotschi verloren. Seither wurden Milliarden in die Region investiert. Die Bewerbungskosten sind, anders als in Deutschland, gesichert, weil die Großkonzerne wie Samsung bezahlen.

Park lässt sich wenig beeindrucken von der allgemeinen Stimmung, wonach München in Vancouver aufgeholt und sich besser präsentiert habe. Politisch korrekt sagt er im Sprachgebrauch der Branche:

""Das Rennen hat gerade begonnen. Wir konzentrieren uns ab 14. Juni auf die IOC-Mitglieder, wenn das Exekutivkomitee aus den Bewerbern Kandidaten macht. Es gibt nur einen Termin, auf den wir hinarbeiten: den 6. Juli 2011, die IOC-Session in Durban, Südafrika.”"

Für den internationalen Wettbewerb hat Pyeongchang den Engländer Mike Lee als PR-Berater verpflichtet. Lee hat zuletzt erfolgreich für die Bewerbungen Londons und Rios gearbeitet - allerdings auch mit Salzburg verloren. Mike Lee und Jon Tibbs, der in München unter Vertrag steht, duellieren sich ständig.

Auch Park Yong Sung hat übrigens seine Korruptionsgeschichte. Er war einst als Chef des Doosan-Konzerns verurteilt - und ist natürlich auch wieder begnadigt worden. Das läuft immer so in Korea: Die Manager werden im "nationalen Interesse” von der Politik frei gesprochen, mitunter von Leuten, die sie gekauft haben. Seine Ämter als Präsident des Welt-Judoverbands und im IOC ist Park inzwischen aber los. Park sagt: ´Wir schauen nur nach vorn, nicht zurück`. Er kann sich ganz auf die Bewerbung Pyeongchangs konzentrieren.

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