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StartseiteCorsoEssen und Musik, fettig und lecker05.11.2012

Essen und Musik, fettig und lecker

Neues Kochbuch über das amerikanische Soulfood erschienen

In der amerikanischen Küche sind Schweinerippchen, rote Bohnen und Maisbrot zuhause. Als "Soulfood" ist dieses Essen teil der kulinarischen Kulturgeschichte: Der Münchner Autor, DJ und Koch Sven Christ veröffentlicht dazu eine Musik-CD und in ein Kochbuch.

Von Andi Hörmann

Tipps rund um das US-amerikanische Soulfood (Stock.XCHNG / Ryan Lindh)
Tipps rund um das US-amerikanische Soulfood (Stock.XCHNG / Ryan Lindh)

Sven Christ: "Rice & Beans - das esse ich wahnsinnig gerne. Rote Bohnen mit Reis gekocht und noch ein bisschen Paprika, Zwiebeln. Und dazu ein schönes, kleines gegrilltes Hühnchen - da fällt dir im Sommer gar nichts mehr dazu ein. Das ist das Beste, was du machen kannst."

Reis, Bohnen, Hühnchen - mit Liebe zubereitet, von Herzen serviert. Sven Christ, 1968 geboren und in der Graffiti- und Hip-Hop-Szene groß geworden, ist in München freiberuflicher Koch. Sein Faible: US-amerikanisches Soulfood.

"Soulfood ist ein Begriff, der aus der Bürgerrechtsbewegung in Amerika kommt. Das ist das Essen, das die afroamerikanischen Sklaven - oder Nachkommen von Sklaven - hatten. Die waren bitter-arm, konnten sich einfach nichts leisten und deswegen haben sie das gegessen, was sie gekriegt haben."

Viele der Soulfood-Zutaten sind Schlachtabfälle: Gekochte Innereien - sogenannte Chitterlins, oder die marinierten, knusprig gegrillten Spare-Ribs - die Bauchrippchen vom Schwein. In der Küche werden sie mit Fett und Zucker schmackhaft aufgepeppt. Einfache, nahrhafte Gerichte für schwere körperliche Arbeit: Grits - die Maisgrütze, Cornbread - das Maisbrot. Soulfood ist so kalorienschwer wie Fast Food und so nachhaltig wie Slow Food.

"Man schmeißt auch nicht die Rinde von der Wassermelone weg, sondern legt sie sauer ein. Das schmeckt wie Senfgurken. Also, meine Kochkollegen, die auf einem hohen Niveau kochen, haben die eingelegten Wassermelonen probiert und gesagt: So etwas haben sie noch nie gegessen, das ist der Wahnsinn."

Auf dem Münchner Musik-Label Trikont hat Sven Christ ein Kochbuch über diese üppige nordamerikanische Sklaven- und Einwanderer-Küche veröffentlicht: "Soulfood - Food & Music, Fat & Yummy". Essen und Musik, fettig und lecker. 156 Seiten mit 68 Rezepten. Dem Buch ist eine CD mit 18 Tracks beigelegt. Blues, Funk und Jazz aus den letzten 40 Jahren. Die musikalischen Zutaten: Soul und Food - vom Rock 'n' Roll eines Bo Diddley bis zum Hip Hop von RZA.

"RZA ist ja der Mastermind von Wu-Tang Clan. Und Wu-Tang Clan hat immer nur auf allen Platten rumgeposed: Wir sind die größten, wir sind die besten, wir verdienen Geld. Und so weiter. Und das ist ein ganz schöner Song, einfach mal über die Jugend. Hey, früher hatten wir nichts. Wir haben jeden Tag "Grits" gegessen, also Weizengrütze."

Ein Teller knusprig glacierter Spare-Ribs mit Bohnen und Maisbrot ziert das Coverbild der "Soulfood"-Rezeptesammlung. Der Bildhintergrund: eine weiß-blaue Tischdecke. Soul Food und die bayerische Küche sind sich für Sven Christ nämlich gar nicht so unähnlich.

"Ich bin ja auch in einer bayerischen Großfamilie groß geworden. Und als ich ein kleiner Junge war, da war das einfach so, dass wir am Sonntag manchmal zu zwölft am Tisch saßen. Der Opa saß ganz oben. Im Grunde wie in so eine Eddie-Murphy-Film. Da gab es dann auch so ganz alte Rezepte. Bayerische Maitaschen zum Beispiel, mit Äpfel und Zwetschgen. Das ist alles sehr parallel. Das ist süß-sauer, ist aber eine Hauptspeise. Ja, im Grunde das gleiche."

Infos:
Sven Christ: "Soulfood. Food & Music. Fat & Yummy", Box-Set: Kochbuch 156 Seiten mit 68 Rezepten & CD mit 18 Tracks und Booklet, Trikont

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