
Kiener sagte der Zeitung "Die Welt", Einsamkeit, Bildungsungerechtigkeit oder Probleme in der Demokratie seien oft soziale Fragen, keine technischen. Durch Technik würden jedoch die tatsächlichen Ursachen verdeckt. Wer etwa Einsamkeit im Alter nur mit Pflegerobotern bekämpfen will, übersehe den Bedarf an echter Fürsorge. Es gehe darum, "ob wir nicht unter dem Radar technische Lösungen für nichttechnische Ursachen anwenden".
Warnung vor Vermenschlichung
Zugleich warnt der Ethiker vor einem falschen Blick auf KI. Digitale Assistenten oder Haushaltsroboter seien "technische Artefakte ohne eigenen rechtlichen oder moralischen Status". Eine Vermenschlichung sei riskant: Man müsse sich daher hüten, diesen Technologien eine Art Menschlichkeit oder Personalität zuzuschreiben, die einfach nicht bestehe.
Die schnelle Entwicklung der Robotik könne Wirtschaft und Gesellschaft stark verändern. Entscheidend sei daher der richtige Umgang mit der Technik. "Am Ende ist die Frage nicht, ob wir Roboter nutzen, sondern wie", so Kiener.
Maximilian Kiener leitet das Institut für Ethik in der Technologie an der Technischen Universität Hamburg. Er forscht zur Ethik künstlicher Intelligenz. 2022 erhielt er den Award of Excellence der Universität Oxford; zudem berät er Politik und Industrie, etwa den Deutschen Bundestag, die Europäische Kommission und das britische House of Lords.
Diese Nachricht wurde am 31.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
