Klimaschutz
Etwa 80.000 bei Demos für Erneuerbare Energien in Hamburg, Köln, Berlin und München

Zehntausende Menschen haben nach Angaben der Veranstalter an mehreren Demonstrationen für eine schnellere Energiewende teilgenommen. Das Bündnis von Umweltverbänden, das zu den Demonstrationen aufgerufen hatte, wertete die Proteste als "riesigen Erfolg". 

    Teilnehmer und Teilnehmerinnen stehen in München am Siegestor. Sie halten Plakate - zum Beispiel mit der Aufschrift "Sonne und Wind müssen nicht durch die Straße von Hormus".
    Zahlreiche Menschen haben sich in München am Siegestor zur Demonstration unter dem Motto Fossile Energien bedrohen unsere Sicherheit" versammelt. (Felix Hörhager / dpa)
    In Köln seien 30.000 Menschen auf die Straße gegangen, in Berlin 24.000, in Hamburg 15.000 und in München 12.000. Die Polizei nannte teilweise niedrigere Zahlen - für Berlin beispielsweise 9.000 Teilnehmer.
    Die Demonstrationen seien ein "klares Signal" an Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU), erklärte das Bündnis. Sie müsse ihren Kurs in der Energiepolitik ändern. Reiche wird vorgeworfen, durch ihre Gesetzespläne den Ökostrom-Ausbau abwürgen zu wollen. 
    Angesichts rasant steigender Energiepreise infolge des Iran-Kriegs und der zunehmend gravierenden Folgen der Klimakrise entscheide die Unabhängigkeit von fossilen Energien immer stärker über Sicherheit und Stabilität, wie das Bündnis betonte. Entsprechend sei der Protest über die Klima- und Umweltbewegung hinausgegangen. Initiatoren der Demonstrationen waren unter anderem Greenpeace, WWF, Fridays for Future, Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch und das Netzwerk Campact. 

    Bund Naturschutz: Energiewende nicht abwürgen 

    In München warfen die Demonstranten auf zahlreichen Transparenten und die Redner Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) vor, den Erfolg der Energiewende zu gefährden und fossile Energien zu bevorteilen.
    Der BN-Landesvorsitzende Geilhufe bezeichnete Reiches Netzpaket in München als "Teil eines konzertierten Generalangriffes auf Natur, Umwelt und Klima". Die Bundesregierung dürfe den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie nicht abwürgen. 

    Netzengpässe verursachen Milliardenkosten

    2025 waren die Kosten des sogenannten Engpassmanagements laut Bundesnetzagentur um vier Prozent auf knapp 3,1 Milliarden Euro gestiegen. Ursache sind Leitungsengpässe, da an sonnigen oder sehr windigen Tagen häufig mehr Ökostrom produziert als genutzt werden kann. Stattdessen werden dann in Süddeutschland häufig Gas- oder Kohlekraftwerke angeschaltet, die besonders teuren Strom produzieren. Gleichzeitig erhalten Betreiber von Ökostrom-Anlagen finanzielle Entschädigung für "abgeregelten" Strom. 
    Ministerin Reiche will in Netzgebieten mit besonders hohem Anteil nicht genutzten Ökostroms künftig für neue Wind- oder Photovoltaikparks keine Entschädigung mehr zahlen. 

    Grüne kritisierte Gesetzentwürfe von Ministerin Reiche

    Der stellvertretende Grünen-Vorsitzende Giegold sagte im Deutschlandfunk, Reiches Politik führe zu einer Blockade bei den Erneuerbaren. Bundeswirtschaftsministerin Reiche habe mehrere Gesetzentwürfe erarbeiten lassen, die dem Ausbau der erneuerbaren Energien entgegenwirkten. Dies führe zu einer Blockade und widerspreche dem Koalitionsvertrag. Giegold warnte vor einer weiteren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

    Greenpeace wirft Regierung "Zickzackkurs" vor

    Ähnlich äußerte sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Der geschäftsführende Vorstand Kaiser sprach von einem Zickzackkurs der Bundesregierung ohne jeglichen Kompass. Zudem kritisierte er die geplanten Steuersenkungen auf fossilen Sprit. BUND-Geschäftsführerin Graichen warf Wirtschaftsministerin Reiche vor, sie setze die Wunschliste der Gaslobby um. Um zukunftsfähig zu bleiben, müsse man die Ära der fossilen Brennstoffe hinter sich lassen und auf nachhaltige Alternativen setzen.
    Diese Nachricht wurde am 18.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.