Der 27-jährige Antos Cialesnikau wohnt seit acht Jahren in Warschau. Wenn der schmächtige Mann in einem Café einen Tee bestellt und von sich erzählt, merkt man ihm kaum einen Akzent an. Antos scheint völlig integriert in die polnische Gesellschaft, und trotzdem kreisen seine Gedanken unaufhörlich um sein Heimatland Weißrussland.
"Ich drehe vor allem Dokumentarfilme über die jüngere weißrussische Geschichte. Ich möchte die Menschen zum Nachdenken anregen darüber, was ihre nationale Identität ausmacht. Denn die ist uns in den Jahren der Sowjetunion fast ganz verloren gegangen."
Antos lebt in Polen, weil er im Wahlkampf um das Präsidentenamt 2001 auf der falschen Seite stand - bei den Gegnern von Alexandr Lukaschenko. Wenn er damals in Weißrussland geblieben wäre, hätte ihn das Regime wahrscheinlich verhaften lassen.
Polen gewährte Antos politisches Asyl. Das Land unterstützt die Opposition in Weißrussland schon seit langem. So strahlt der öffentlich-rechtliche Rundfunk Radio- und Fernsehprogramme auf Weißrussisch aus - im Nachbarland eine der wenigen unabhängigen Informationsquellen.
Aber von der derzeitigen polnischen Regierung, die seit etwas über einem Jahr im Amt ist, ist Antos enttäuscht. Denn sie hat den Dialog mit Minsk wieder aufgenommen.
"Dabei sind die Zugeständnisse, die das Regime zuletzt gemacht hat, klein und rein symbolisch. An den staatliche Kiosken kann man jetzt ein paar oppositionelle Zeitungen kaufen. Aber der Repressions-Apparat läuft trotzdem auf Hochtouren. Wer gegen Lukaschenko ist, wird verfolgt, wenngleich subtiler als früher. So werden junge Oppositionelle zum Militär eingezogen, wo die Vorgesetzten sie verprügeln. Die meisten Politiker im Westen verstehen überhaupt nicht, wie groß der Druck auf jeden einzelnen Weißrussen ist."
Die Frage ist, ob das die polnische Regierung so genau wissen will. Denn - Demokratie hin oder her - Weißrussland könnte ein wichtiger Partner sein. Ein Beispiel: Beide Länder setzen sich für eine weitere Gaspipeline ein, die russisches Gas durch ihr Gebiet nach Westen befördern könnte. Sie würde das in Polen verhasste Projekt einer Leitung durch die Ostsee überflüssig machen.
Und der Zeitpunkt ist günstig, um mit Lukaschenko zu reden. Der autoritäre Herrscher ist zugänglich, denn er braucht Geld. Die globale Wirtschaftskrise hat auch sein Land hart getroffen, die Inflation ist auf Rekordniveau gestiegen. Lukaschenko will deshalb in das neue Partnerschaftsprogramm aufgenommen werden, das die EU verschiedenen Ländern in Osteuropa anbietet.
Der Politologe Marek Rohr-Garsztecki findet es richtig, dass die polnische Regierung hier einhakt.
"Wir müssen die Spannungen mit allen Nachbarn so gering wie möglich halten. Alles andere wäre eine große Dummheit. Zigtausende Weißrussen arbeiten in Ostpolen - die sind auf einigermaßen gute Beziehungen zwischen den Ländern angewiesen. Das gilt auch für die weißrussische Minderheit in Polen, die emotional stark mit dem Nachbarland verbunden ist."
Auch unter den weißrussischen Emigranten in Polen gibt es viele, die das so sehen.
Zu ihnen gehört Vital Lozmanau, der auch nach der Präsidentenwahl 2001 aus seiner Heimat floh. Er hält die frühere Blockadepolitik gegenüber Lukaschenko für gescheitert.
"Nach der Politik der Peitsche versuchen es Polen und die EU jetzt mit dem Zuckerbrot. Lukaschenko bekommt die Gelegenheit, mit der EU Geschäfte zu machen und seine schwächelnde Wirtschaft zu stützen. Auf der anderen Seite können Unternehmen aus der EU leichter in Weißrussland investieren. Das kann zu mehr demokratischen Freiheiten führen, muss aber nicht - wie das Beispiel China zeigt."
In einem Punkt stimmt Vital aber seinem Freund Antos, dem Dokumentarfilmer, zu: Wenn die EU schon die Beziehungen zu Weißrussland verbessert, dann müssen das alle Weißrussen spüren. Ein erster Schritt wäre Visa-Erleichterungen zu schaffen. Antos musste sich zuletzt mit seinen Eltern in der Ukraine treffen, weil ihnen die Einreise in den Schengen-Raum verweigert wurde.
"Ich drehe vor allem Dokumentarfilme über die jüngere weißrussische Geschichte. Ich möchte die Menschen zum Nachdenken anregen darüber, was ihre nationale Identität ausmacht. Denn die ist uns in den Jahren der Sowjetunion fast ganz verloren gegangen."
Antos lebt in Polen, weil er im Wahlkampf um das Präsidentenamt 2001 auf der falschen Seite stand - bei den Gegnern von Alexandr Lukaschenko. Wenn er damals in Weißrussland geblieben wäre, hätte ihn das Regime wahrscheinlich verhaften lassen.
Polen gewährte Antos politisches Asyl. Das Land unterstützt die Opposition in Weißrussland schon seit langem. So strahlt der öffentlich-rechtliche Rundfunk Radio- und Fernsehprogramme auf Weißrussisch aus - im Nachbarland eine der wenigen unabhängigen Informationsquellen.
Aber von der derzeitigen polnischen Regierung, die seit etwas über einem Jahr im Amt ist, ist Antos enttäuscht. Denn sie hat den Dialog mit Minsk wieder aufgenommen.
"Dabei sind die Zugeständnisse, die das Regime zuletzt gemacht hat, klein und rein symbolisch. An den staatliche Kiosken kann man jetzt ein paar oppositionelle Zeitungen kaufen. Aber der Repressions-Apparat läuft trotzdem auf Hochtouren. Wer gegen Lukaschenko ist, wird verfolgt, wenngleich subtiler als früher. So werden junge Oppositionelle zum Militär eingezogen, wo die Vorgesetzten sie verprügeln. Die meisten Politiker im Westen verstehen überhaupt nicht, wie groß der Druck auf jeden einzelnen Weißrussen ist."
Die Frage ist, ob das die polnische Regierung so genau wissen will. Denn - Demokratie hin oder her - Weißrussland könnte ein wichtiger Partner sein. Ein Beispiel: Beide Länder setzen sich für eine weitere Gaspipeline ein, die russisches Gas durch ihr Gebiet nach Westen befördern könnte. Sie würde das in Polen verhasste Projekt einer Leitung durch die Ostsee überflüssig machen.
Und der Zeitpunkt ist günstig, um mit Lukaschenko zu reden. Der autoritäre Herrscher ist zugänglich, denn er braucht Geld. Die globale Wirtschaftskrise hat auch sein Land hart getroffen, die Inflation ist auf Rekordniveau gestiegen. Lukaschenko will deshalb in das neue Partnerschaftsprogramm aufgenommen werden, das die EU verschiedenen Ländern in Osteuropa anbietet.
Der Politologe Marek Rohr-Garsztecki findet es richtig, dass die polnische Regierung hier einhakt.
"Wir müssen die Spannungen mit allen Nachbarn so gering wie möglich halten. Alles andere wäre eine große Dummheit. Zigtausende Weißrussen arbeiten in Ostpolen - die sind auf einigermaßen gute Beziehungen zwischen den Ländern angewiesen. Das gilt auch für die weißrussische Minderheit in Polen, die emotional stark mit dem Nachbarland verbunden ist."
Auch unter den weißrussischen Emigranten in Polen gibt es viele, die das so sehen.
Zu ihnen gehört Vital Lozmanau, der auch nach der Präsidentenwahl 2001 aus seiner Heimat floh. Er hält die frühere Blockadepolitik gegenüber Lukaschenko für gescheitert.
"Nach der Politik der Peitsche versuchen es Polen und die EU jetzt mit dem Zuckerbrot. Lukaschenko bekommt die Gelegenheit, mit der EU Geschäfte zu machen und seine schwächelnde Wirtschaft zu stützen. Auf der anderen Seite können Unternehmen aus der EU leichter in Weißrussland investieren. Das kann zu mehr demokratischen Freiheiten führen, muss aber nicht - wie das Beispiel China zeigt."
In einem Punkt stimmt Vital aber seinem Freund Antos, dem Dokumentarfilmer, zu: Wenn die EU schon die Beziehungen zu Weißrussland verbessert, dann müssen das alle Weißrussen spüren. Ein erster Schritt wäre Visa-Erleichterungen zu schaffen. Antos musste sich zuletzt mit seinen Eltern in der Ukraine treffen, weil ihnen die Einreise in den Schengen-Raum verweigert wurde.