
Im Gegenzug sollen die Unternehmen mehr finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie verbindlich in klimafreundliche Verfahren investieren. Vorgesehen ist auch, dass es in bestimmten Bereichen mehr kostenlose Zertifikate gibt. Änderungen am Emissionshandel waren insbesondere von der Industrie gefordert worden.
Wie funktioniert der europäische Emissionshandel?
Der Emissionshandel ETS ist das wichtigste Instrument der EU zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen. Seit 2005 müssen Industriebetriebe und Kraftwerke für jede Tonne CO2, die sie ausstoßen, ein Zertifikat vorweisen. Dies soll einen finanziellen Anreiz schaffen, Treibhausgase einzusparen und in sauberere Technologien zu investieren. Unternehmen müssen jedes Jahr genügend CO2-Zertifikate vorweisen, um ihre Emissionen abzudecken. Die EU begrenzt die Menge der jährlich auf den Markt gebrachten Zertifikate, um sicherzustellen, dass die Kohlendioxid-Emissionen in Europa schrittweise sinken.
Die Zertifikate, auch Verschmutzungsrechte genannt, werden an Energiebörsen gehandelt. Unternehmen, die weniger CO2 ausstoßen, können dort überschüssige Zertifikate verkaufen, während große Emittenten bei Bedarf zusätzliche kaufen müssen. Der CO2-Preis schwankt und liegt derzeit bei rund 80 Euro pro Tonne. Wer weniger emittiert, profitiert von dem System, und wer viel ausstößt, zahlt mehr.
Besonders energieintensive Industrien, bei denen der internationale Wettbewerb besonders groß ist, erhalten einen Teil ihrer Zertifikate kostenlos. Das gilt etwa für die Stahl- und Chemieindustrie. Diese kostenlosen Zertifikate wurden bislang immer weiter reduziert.
EU-Kommission will Emissionshandel verlängern
Der europäische Emissionshandel war bisher darauf ausgelegt, das EU-Klimaziel für 2040 zu erreichen. Die Zahl der Zertifikate sollte demnach bis Ende 2039 auf Null sinken. Da viele Industrie-Bereiche bis dahin jedoch noch keine Nullemissionen erreicht haben werden, soll der Emissionshandel nun auch in den 2040er-Jahren weitergehen. Es könnte bis 2046 oder 2048 dauern, bis die betroffenen Industrien ihre CO2-Emissionen vollständig ausgleichen, sagte eine EU-Sprecherin in Brüssel.
Bei den kostenlosen Zertifikaten will die EU-Kommission die Frist bis 2037 verlängern, damit den betroffenen Firmen im internationalen Wettbewerb keine Nachteile durch die Kosten entstehen. Eigentlich sollten 2034 die letzten kostenlosen Zertifikate ausgegeben werden. In Zukunft soll die Vergabe aber an Investitionen in die Abkehr von Öl und Gas geknüpft werden.
ETS-Kritiker: Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gefährdet
Europäische Länder, in denen fossile Brennstoffe bei der Stromgewinnung nach wie vor eine große Rolle spielen, hatten zuletzt zunehmend Vorbehalte an der grünen Agenda Europas geäußert. Kritiker wie Italien und Polen argumentieren, dass diese die globale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie untergrabe und fordern Lockerungen. Der deutsche Industrieverband BDI sieht Europa wegen der hohen Energiepreise auf dem Weltmarkt benachteiligt und befürchtet ohne "Kurskorrekturen" die Gefahr von Werksschließungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland.
ETS-Befürworter: Investitionen in grüne Technologien auch weiter unterstützen
Andere, wie etwa der schwedische Stahlhersteller SSAB, wünschen sich auch weiter einen hohen ETS-Preis, weil sie stark in CO2-reduzierende Technologien investiert haben. Diese Investitionen in eine klimafreundliche Produktion würden sich nur dann rechnen, wenn die großen Verursacher von Treibhausgasen höhere Preise zahlen müssten, argumentieren sie.
Die Grünen kritisierten die Vorschläge der Kommission als Rückschlag für den Klimaschutz. Die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Badum, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, den Emissionshandel jetzt aufzuweichen, bestrafe die Vorreiter und belohne die Sitzenbleiber.
Über die Vorschläge der Kommission wird nun im Rat der 27 EU-Länder und im Europaparlament verhandelt. Zu den Streitpunkte dürfte auch gehören, was mit den milliardenschweren Einnahmen aus dem Emissionshandel passiert. Die Kommission will, dass mindestens die Hälfte des Geldes zweckgebunden in Investitionen in der Industrie fließt und nicht mehr in den allgemeinen Haushalt der Mitgliedstaaten.
Diese Nachricht wurde am 18.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
