
Brunner sagte im Interview der Woche des Deutschlandfunks, jetzt müssten Mitgliedstaaten gemeinsam mit der Kommission alles daransetzen, dass es auch funktioniere. Die EU habe in der Flüchtlingskrise vor zehn Jahren viel Verantwortung im Bereich Migration übernommen. Damals habe es kein System gegeben, keine Regeln.
Der EU-Kommissar führte aus, die Zahlen der ankommenden Flüchtlinge und der Asylanträge müssten weiter zurückgehen. Wichtig sei, dass die Menschen wieder das Gefühl hätten, dass es faire, aber entschlossene Systeme gebe.
Die Mitgliedsländer müssten darauf vorbereitet sein, insgesamt 60.000 Asylanträge in den kommenden zwölf Monaten an den Außengrenzen zu prüfen, sagte Brunner. Davon hänge ab, ob der Solidaritätsmechanismus zwischen den 27 EU-Ländern aufgehe. Wenn der Migrationspakt funktioniere, könnten auch die Grenzkontrollen in Deutschland schrittweise zurückgefahren werden, betonte der österreichische Politiker.
Kritik an den geplanten, sogenannten "Return Hubs" wies Brunner zurück. Er sehe keine Risiken. Der EU-Kommissar stellte klar, man habe Standards festgelegt, die eingehalten würden. Dazu gehörten etwa Menschenrechte, die Gesundheitsversorgung und die Qualität der Infrastruktur. Er verwies auch auf die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie dem UN-Flüchtlingshilfswerk.
In den Rückführungsrzentren außerhalb der Europäischen Union sollen abgelehnte Asylbewerber untergebracht werden, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden können. Hilfsorganisationen kritisieren immer wieder, dass wichtige Standards verletzt werden könnten.
Mit Blick auf Verhandlungen mit den in Afghanistan herrschenden Taliban betonte Brunner, man müsse Gespräche führen und so Druck auf das Regime ausüben. Dies sei nötig, damit Afghanen - insbesondere Straftäter - zurückgenommen würden. Nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks versuchen die Taliban, technische Gespräche über Abschiebungen zu nutzen, um etwa mehr diplomatische Vertreter in Staaten der Europäischen Union unterbringen zu können.
Diese Nachricht wurde am 07.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
