Donnerstag, 06. Oktober 2022

EU-Statistik
Deutsche Schulden gehen leicht zurück

In der Eurozone ist die Neuverschuldung im vergangenen Jahr zwar leicht zurückgegangen, die Gesamtverschuldung stieg jedoch. Deutschland konnte einen quasi ausgeglichenen Haushalt vorlegen, auch Griechenland und Portugal machen Fortschritte.

23.04.2014

    Ein Archivfoto zeigt, wie sich das Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main im Eurozeichen-Kunstwerk des Künstlers Otmar Hoerl spiegelt.
    18 Länder sind Mitglieder der Eurozone. Sie haben zusammen 8,9 Billionen Euro Schulden. (dpa picture alliance / Mauritz Antin)
    Die Neuverschuldung in der krisengeplagten Eurozone ging im vergangenen Jahr nach Zahlen des Europäischen Statistikamtes Eurostat um 0,7 Prozent auf drei Prozent zurück. Während die 18 Euro-Länder demnach etwas weniger neue Schulden machten, wuchs ihre Gesamtverschuldung auf 8,9 Billionen Euro, das sind 92,6 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP).
    Deutschland hat der Statistik zufolge 2013 quasi einen ausgeglichenen Haushalt erreicht. Der Schuldenstand ging leicht auf 78,4 Prozent zurück. Musterschüler der Eurozone ist das vor drei Jahren beigetretene Estland: Der baltische Staat hat nur Ausstände in Höhe von zehn Prozent seiner Wirtschaftskraft. Das einzige Land, das im vergangenen Jahr höhere Einnahmen als Ausgaben verzeichnete, war Luxemburg.
    Griechenland noch nicht über den Berg
    Griechenland verzeichnete dagegen trotz Sparbemühungen einen Anstieg sowohl bei der Neuverschuldung als auch bei den Gesamtschulden. Mit 23,1 Milliarden Euro neuen Schulden ging das griechische Defizit zum ersten Mal seit drei Jahren wieder nach oben – im Vergleich zum Jahr 2012 sogar deutlich.
    Werden allerdings die Zinszahlungen für den gewaltigen Schuldenberg ausgeklammert, bleibt Athen ein Überschuss von 1,5 Milliarden Euro und damit 0,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ein Sprecher der EU-Kommission wertete das als "beachtlichen Fortschritt bei der Haushaltssanierung seit 2010". Das Ergebnis liege "weit über dem Ziel", das Athen mit seinen internationalen Gläubigern vereinbart habe.
    Zehn EU-Länder verstoßen gegen Maastricht-Ziele
    Aus der Statistik lassen sich noch andere positive Entwicklungen ablesen. Unter anderem Zypern, Spanien und Irland gelang es, ihr Defizit abzubauen. In Frankreich sank die Neuverschuldung leicht auf 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung, war damit aber höher als noch im Februar von der EU-Kommission prognostiziert. Die Maastricht-Kriterien erlauben lediglich drei Prozent, was insgesamt zehn EU-Länder nicht schafften.
    Ein weiterer bedeutender Anhaltspunkt zur Beurteilung der Stabilität in der Eurozone sind die Verschuldungsquoten. Die Maastricht-Kriterien fordern von den Staaten, eine Quote von maximal 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht zu überschreiten. Dagegen verstießen im vergangenen Jahr 16 Mitgliedstaaten, darunter auch Portugal mit 129 Prozent.
    Euro area government deficit at 3.0% of GDP in 2013, government debt at 92.6% #Eurostat http://t.co/FjXPHmgQos pic.twitter.com/U7gFaN8AOq— EU_Eurostat (@EU_Eurostat) 23. April 2014
    Großes Interesse an portugiesischen Staatsanleihen
    Dem Land gelingt es aber offenbar trotzdem zunehmend, das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen. So hat Portugal erstmals seit drei Jahren wieder Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ausgegeben. Die Nachfrage sei 3,5 Mal so hoch gewesen wie das Angebot, teilte die portugiesische Schuldenverwaltung mit. Die Regierung in Lissabon nahm insgesamt 750 Millionen Euro ein.
    Die Auktion gilt als wichtiger Schritt hin zur Lösung Portugals vom internationalen Hilfsprogramm, die für Mitte Mai geplant ist. Das Land musste mit internationalen Notkrediten über 78 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt werden. Mit Hilfe eines Bankenkonsortiums hatte Portugal im Januar bereits fünfjährige Anleihen am Markt verkauft.
    (tj/nin)