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EU-VorgabenNeue Energieeffizienz-Vorschriften

Als die Europäische Union den Stromverbrauch von Lampen regulierte, war der Aufschrei groß: Das Verbot der Glühbirne wurde als Eingriff in die Freiheit kritisiert, doch die Regulierung bleibt. Jetzt hat die EU nachgelegt. Mit Vorgaben für Staubsauger, Kaffeemaschinen und andere Haushaltsgeräte.

Von Daniela Siebert | 19.02.2015

Wer seine Küche schon voll eingerichtet hat oder den neuen Herd schon bestellt hat, kann sich zurücklehnen. Doch wer in nächster Zeit einen neuen Ofen kaufen möchte (egal ob Strom oder Gas) oder eine Dunstabzugshaube, für den sind die neuen Regelungen der EU-Kommission interessant.
"Heute treten drei neue Ökodesignregelungen in Kraft, nämlich für Backöfen, Kochfelder und für Dunstabzugshauben, die müssen energie-effizienter sein als vorher."
Reinhard Hönighaus, Sprecher der EU-Kommission in Berlin. Die Neuregelung betrifft nur Produkte, die ab sofort hergestellt werden, nicht jene, die schon beim Händler im Regal stehen. Während Elektrobacköfen schon seit 2002 ein Energielabel hatten, werden Verbraucher in Zukunft auch auf Gasbacköfen und Dunstabzugshauben solche Informationen finden. Nach Kühl- und Gefrierschränken, Geschirrspülern und Kaffeemaschinen finden die Verbraucher dann also auf weiteren Haushaltsgeräten Informationen zum Verbrauch im Vergleich zu Konkurrenzprodukten.
"Bei Dunstabzugshauben zum Beispiel gibt es dann die Energieeffizienzklassen A bis G und bei Gasbacköfen gibt es dann noch die Abstufungen A+ bis A+++, das sind dann die ganz Energieeffizienten, also A oder A+ oder A+++ sollte es schon sein."
Öfen, Kochplatten und Kühlschränke als Energiefresser
Die Funktionalität der Geräte werde durch die Neuregelungen nicht beeinflusst betont die EU-Kommission, wohl aber der Geldbeutel der Verbraucher. Beim Einsatz eines energieeffizienten Elektrobackofens der Klasse A+ spare man - bezogen auf die Lebenszeit des Gerätes - 230 Euro im Vergleich zu einem Elektrobackofen der Klasse D rechnet die Kommission vor.
Elke Gehrke ist Haushaltsgeräte-Expertin bei der Stiftung Warentest. Sie begrüßt die Neuregelungen der EU. Vor allem Küchengeräte wie Öfen und Kochplatten seien Energiefresser, allerdings nicht so bedeutend wie etwa Kühlschränke, die ja 24 Stunden am Tag laufen.
Trend hin zu mehr Energieeffizienz
Besonders was hochpreisige Backöfen angeht beobachtet Elke Gehrke am Markt schon seit längerem einen Trend hin zu mehr Energieeffizienz. Mit dem heutigen Stichtag sollten sich Verbraucher aber weder sofort neue Geräte kaufen, noch abwarten, bis die neuen Geräte auch wirklich beim Händler stehen rät sie.
"Also ich würde auch bei diesen Gerätegruppen - genauso wie bei anderen Gerätegruppen - raten, das zu machen, wenn es ansteht. Also jetzt vorzeitig etwas umzutauschen, das hat aus unserer Erfahrung mit anderen Geräten - lohnt sich das nicht wirklich. Wenn man ein Problem hat, eine Reparatur ansteht, dann kann man darüber nachdenken, kann man rechnen oder wenn man sagt: Es ist eh kaputt, dann ja, aber alles andere vorzeitig jetzt umzutauschen, da wird man sicherlich ökonomisch das nicht so richtig hinkriegen."
Für Verbraucher interessant findet Gehrke vor allem auch, dass bei Dunstabzugshauben jetzt auch Angaben zur Lautstärke und zur Beleuchtungseffizienz gemacht werden müssen.
"Es gibt viele, die ihre Dunstabzugshauben hauptsächlich als Lichtquelle genutzt haben, sicherlich werden da jetzt ganz stark LEDs eingesetzt werden und dann hat man auch zumindest an dieser Stelle eine Einsparung."
Entscheidend ist die Summe an Maßnahmen
Auch bei der Deutschen Umwelthilfe findet man die Neuregelungen der EU gut und rät den Verbrauchern dazu, die neuen Geräte in der jeweils bestmöglichen Kategorie zu kaufen. Selbst wenn die in der Anschaffung zunächst teurer sein mag, rechne sich das über die Jahre.
Köchinnen und Köche können den Energieverbrauch der Geräte weiter verringern, indem sie etwa Restwärme ausnutzen und beim Kochen den Topf mit einem Deckel verschließen.
Die EU-Kommission sieht den Schritt zu mehr Energieeffizienz in den Küchen nur als Teil einer ganzen Bewegung erklärt Reinhard Hönighaus. Entscheidend sei die Summe aller Maßnahmen:
"Wenn man alle Energieeffizienzmaßnahmen, die europaweit laufen, zusammenrechnet, kann man über die Jahre gerechnet, den Primärenergieverbrauch von Italien sparen. Also wenn man alles zusammennimmt: Glühbirnen, Haushaltsgeräte, Computer und all den Produkten auf den Markt verhilft, die die Energieeffizientesten sind, dann sind in der Summe sehr große Energieeinsparungen möglich."
Sollte es wirklich zu einer Neuanschaffung von Öfen, Kochstellen und Dunstabzugshauben kommen, können Verbraucher die Altgeräte übrigens kostenfrei in ihren Kommunen oder auch bei manchen Baumärkten zurückgeben.