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StartseiteSport am Wochenende​"Blitzende, blinkende Fassade"04.04.2015

Europaspiele​"Blitzende, blinkende Fassade"

Der Europaspiele-Gastgeber Aserbaidschan steht weiter in der Kritik. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International prangert in dem autokratisch geführten Land Gewalt gegen Oppositionelle und eine eingeschränkte Pressefreiheit an.

Marie Lucas im Gespräch mit Astrid Rawohl

Die "Flame Towers" in Baku bei Dunkelheit (picture alliance / dpa /  Vugar Amrullaev)
Baku in Aserbaidschan ist 2015 Gastgeber der ersten Europaspiele (picture alliance / dpa / Vugar Amrullaev)

Eine Premiere feiern in diesem Jahr die Europaspiele. Vom 12. bis 28. Juni werden in Aserbaidschans Hauptstadt Baku mehr als 6000 Athleten aus 50 europäischen Ländern erwartet, um in 20 verschiedenen Sportarten um mehr als 200 Goldmedaillen zu kämpfen.

Marie Lucas, Aserbaidschan-Expertin bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, äußerte sich im Deutschlandfunk besorgt über die jüngste Entwicklung im umstrittenen Gastgeberland. Die Regierung sei noch einmal sehr viel stärker als sonst auch gegen prominente Kritiker vorgegangen, sagt Lucas und fügte an: "Die Regierung scheint im Moment eine kritikfreie Zone schaffen zu wollen, um ja nicht die schöne Fassade zerstören zu lassen." Derzeit sei AI über mindestens 20 "gewaltlose, politische Gefangene" informiert, die allein aufgrund der Ausübung ihrer Menschenrechte in Haft seien.

Lucas wies im DLF auch auf die eingeschränkte Pressefreiheit hin: "Unabhängige Berichterstattung ist in Aserbaidschan nicht mehr möglich." Kritische Journalisten würden zudem inhaftiert.

Nach Ansicht von Lucas sind die "European Games" ein strategisches Mittel der Regierung des umstrittenen Staatspräsidenten Ilham Alijew, "um sich als modernes, weltoffenes Land zu präsentieren, in dem alle Grundfreiheiten respektiert werden." Die Expertin von Amnesty International forderte, die Vergabe von Sportwettbewerben künftig "an klare Menschenrechtsstandards zu binden."

Das vollständige Gespräch können Sie bis mindestens 4. Oktober 2015 nachhören.

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