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EuroPeers
Europäische Erlebnisse weitergeben

Europa - das hat oft einen negativen Klang in diesen Tagen. Doch zahlreiche Jugendliche haben viel Positives zu erzählen: Als sogenannte EuroPeers berichten sie anderen jungen Menschen von ihren Erfahrungen in europäischen Jugendprojekten. Christian May ist einer von ihnen.

Christian May im Gespräch mit Kate Maleike | 03.07.2015
    Eine Studentin liest in einem Buch über das Erasmus-Programm. Man sieht den Buch-Umschlag im Vordergrund, das Gesicht der jungen Frau unscharf im Hintergrund.
    Eine Studentin liest ein Buch über Erfahrungen mit dem Erasmus-Programm. (Jens Kalaene/dpa)
    Kate Maleike: Athen am Sonntag: Alles schaut an diesem Wochenende auf die Griechen und ihre Abstimmung zu Europa! Ochi oder Nai, Nein oder Ja, davon hängt vieles ab. Und in diesen Zeiten rund um die Griechenland-Krise wird viel über Ausstieg gesprochen und die Gemeinschaft wird als Wirtschaftsgemeinschaft transportiert. Dass Europa aber auch andere, positive Seiten hat und zum Beispiel für junge Leute auch Chancen bietet, das geht bei all den Krisenmeldungen oft mal unter. Christian May ist jetzt am Telefon, er ist 23, hat gerade frisch an der Uni Jena seinen Bachelor abgeschlossen in Politikwissenschaften und Wirtschaftskommunikation. Guten Tag, Herr May, und herzlichen Glückwunsch erst mal zum Bachelor!
    Christian May: Ja, vielen herzlichen Dank!
    Maleike: Neben dem Studium engagieren Sie sich ehrenamtlich als sogenannter EuroPeer. Das müssen wir mal aufklären: Also Euro für Europa und Peer für gleichaltrig. Sprich, das ist ein Netzwerk, in dem junge Leute andere junge Leute darüber informieren, wie man Europa auch anders entdecken kann. Und Sie machen das für ein Programm, das die Europäische Union auch hat, das Programm heißt Jugend in Aktion. Was genau ist das?
    Europa-Erfahrungen an Gleichaltrige weitergeben
    May: Ja, genau. Also, das EuroPeers-Projekt selber ist ein Projekt der Nationalagentur Jugend für Europa in Bonn. Das ist die Nationalagentur der Europäischen Kommission, die zuständig ist für die Umsetzung des Jugend-in-Aktion-Programms in Deutschland. Und Jugend in Aktion selber gehört zu dem großen, breiten Spektrum des Erasmus-Plus-Programms. Und EuroPeers wurde 2005 gegründet und sammelt praktisch alle jungen Leute, die in Europa mit dem Programm aktiv waren, um ihre eigene Dimension, ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse an Gleichaltrige weiterzugeben.
    Maleike: Was genau sind denn die Möglichkeiten, die man da so hat?
    May: Also, innerhalb des Jugend-in-Aktion-Programms gibt es sehr viele Möglichkeiten. Es gibt zum Beispiel einmal den Europäischen Freiwilligendienst, das habe ich selber gemacht 2012 in Portugal. Das ist innerhalb der geregelten freiwilligen Dienste eine Möglichkeit, im Zeitraum von zwei bis zwölf Monaten ins Ausland zu gehen. Da können junge Leute von 18 Jahren bis 30 Jahren ehrenamtlich in einem Projekt arbeiten. Es gibt unterschiedliche Projekttypen: Man kann was mit Medien machen, etwas mit Kultur, etwas im sozialen Bereich, auch etwas mit Ökologie zum Beispiel. Und das ist ein ganz zentraler Pfeiler, den ich auf jeden Fall empfehlen kann, europäischer Freiwilligendienst. Aber daneben gibt es auch noch ganz viele andere Möglichkeiten, transnationale Jugendinitiativen werden gefördert, Jugendbegegnung. Also, wenn man zum Beispiel eine trinationale Jugendbegegnung in Polen planen möchte in einem multinationalen Team, kann man da bei Jugend für Europa anfragen und mit Jugend in Aktion Förderung bekommen.
    "Hey, wie sieht das denn aus in Griechenland?"
    Maleike: Sie gehen ja zum Beispiel an Schulen, um zu informieren. Wie interessiert sind denn die Schüler im Moment eigentlich an Europa?
    May: Sehr. Also, ich glaube, eine der großen Stärken dieses EuroPeers-Netzwerks ist tatsächlich dieser, wie Sie das auch schon sehr, sehr schön beschrieben haben, Peer-to-Peer-Ansatz. Dass eben junge Leute, die mit Europa Erfahrungen gemacht haben, aktiv bleiben können und zum Beispiel Fragen in Schulen von Schülern beantworten können: Hey, wie sieht das denn aus in Griechenland, wie ist das in Portugal, wie geht es den Leuten vor Ort und kann man da nicht irgendwas machen? Und ich denke, dieser Ansatz ist sehr, sehr, sehr wichtig.
    Maleike: Leidet die Begeisterung so ein bisschen unter der aktuellen Krise oder würden Sie sagen, es ist genau andersherum?
    May: Was ich erlebe, ist aus meiner persönlichen Perspektive tatsächlich auch ganz andersherum. Es gibt natürlich einen gewissen Aufklärungsbedarf. Es gibt ganz viele Fragen, die offen sind. Und ich glaube, da kann so ein jugendpolitisches Netzwerk, das jetzt auch den Sprung tatsächlich auf die europäische Ebene geschafft hat – wir haben jetzt verschiedene Partnerländer, die sich am EuroPeers-Projekt beteiligen, zum Beispiel Österreich, Estland, Großbritannien hat jetzt großes Interesse gezeigt –, dass wir da einfach einen gewissen Beitrag leisten können und sagen können, hey, Europa ist auch eine coole Sache und es lohnt sich, dafür Interesse aufzubringen.
    Über Fördermöglichkeiten informieren
    Maleike: Da wachsen ja dann quasi die Europäer der Zukunft in einem Netzwerk zueinander und bringen dann vielleicht auch andere Perspektiven, andere Vorstellungen von Europa mit ein in die Zukunft. Das klingt sehr interessant. Wie bekannt ist das eigentlich? Bei Studierenden ist ja relativ klar, viele oder die meisten wissen, dass es Erasmus gibt, aber Jugend in Aktion mit dem darunterliegenden Programm ist vielleicht noch nicht so bekannt!
    May: Ja, genau. Und ich glaube, das ist auch einer der zentralen Punkte, für die dieses EuroPeers-Netzwerk geschaffen ist: Nämlich dass wir das einfach bekannt machen, dass wir an Schulen gehen, dass wir vielleicht auch mit Universitäten kooperieren und an Europa-Tagen mit Infoständen präsent sind, die Leute informieren, dass es Fördermöglichkeiten gibt und einfach dafür Aufmerksamkeit erzeugen und den Leuten Europa sozusagen öffnen.
    Maleike: Sie haben es vorhin gesagt, 2012 waren Sie in Portugal, also als die Krise dort auf dem Höhepunkt war. Was würden Sie jetzt sozusagen in der Retrospektive sagen, was hat Ihnen dieser Aufenthalt als Europäer gebracht?
    Wirtschaftskrise vor Ort erfahren
    May: Na ja, ganz viel. Also, ich habe vor Ort gesehen, dass tatsächlich diese Nachrichten, die wir damals hatten – schwere Krise, Preissteigerung, soll man mit der Europäischen Union weiter kooperieren –, dass das die Menschen sehr, sehr betrifft, aber dass es ein sehr, sehr positives Feedback bei allen gab. Man wollte unbedingt in der EU bleiben, man wollte mehr europäische Integration, man wollte, wenn man so möchte, Teil der Familie bleiben. Das ist ein Aspekt. Ein anderer ist natürlich, dass ich jetzt angefangen habe, mich über EuroPeers auch noch mal europäisch zu engagieren und aktiv geblieben bin. Und natürlich habe ich auch eine neue Sprache gelernt, das darf man keineswegs vergessen.
    Maleike: Christian May war das über das Europa-Programm Jugend in Aktion, das gerne mehr Jugendliche mit Europa-Erfahrung versorgen möchte. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch!
    May: Ja, sehr gerne!
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.