
Die zentrale Wahlkommission teilte mit, nach Auszählung fast aller Stimmen kann das Bündnis "Progressives Bulgarien" einen deutlichen Sieg für sich verbuchen. Es kam auf rund 45 Prozent der Stimmen. Das konservative Mitte-rechts-Bündnis des ehemaligen Regierungschefs Borissow landet mit etwa zwölf Prozent abgeschlagen auf Rang zwei, gleichauf mit dem liberalen Bündnis.
Nach Ansicht der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) sind dessen Anhänger "im linken, nationalistischen und prorussischen Spektrum zu verorten". Es sei noch nicht klar, welchen Kurs Bulgarien unter einer von Radew geführten Regierung einschlagen werde, sagte der Leiter des KAS-Büros in Sofia, Norbert Beckmann-Dierkes, im Deutschlandfunk.
Pragmatischer Ansatz in der EU?
Zwar habe Radew im Wahlkampf die Nähe zu Russland gesucht und sich skeptisch gegenüber der EU und deren Ukraine-Hilfen geäußert. Doch vermutlich werde Radew einen pragmatischen Ansatz verfolgen, weil Bulgarien nur so als vollwertiges Mitglied von EU- und NATO wahrgenommen werden könne, betonte Beckmann-Dierkes. Inwieweit der ehemalige Luftwaffen-Offizier die im Wahlkampf versprochene Justizreform zur Bekämpfung der Korruption umsetzen könne, müsse man beobachten, meinte der Experte von der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Zweikampf um Platz zwei
Laut den Zahlen mehrerer Meinungsforschungsinstitute kämpfen nach der gestrigen Parlamentswahl das konservative Mitte-rechts-Bündnis des ehemaligen Regierungschefs Borissow Gerb-SDS, das eine im Dezember 2025 zurückgetretene Koalitionsregierung anführte, und der proeuropäische liberal-konservative Verband PP-DB mit 12 bis 13 Prozent um den zweiten Platz.
PP-DB hatte im Dezember zu Massendemonstrationen aufgerufen, die die damalige Regierung von Gerb-SDS zum Rücktritt veranlassten. Beide prowestliche Kräfte hatten gemeinsam in einer Koalition 2023/2024 regiert.
Das amtliche Endergebnis wird bis Donnerstag erwartet. Die Wahlbeteiligung bei der inzwischen achten Parlamentswahl seit April 2021 lag nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Alpha Research bei gut 51 Prozent.
Aus dem Deutschlandfunk-Programm
Diese Nachricht wurde am 20.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
