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Explosionen in der TürkeiMinister spricht von Anschlag

Angehörige kauern neben dem Grab eines 16-Jährigen, der bei dem Anschlag getötet wurde. (picture alliance / dpa / Sedat Suna)
Ein 16-jähriger Junge, der Opfer des Anschlags in Diyarbakir wurde, wurde bereits beigesetzt. (picture alliance / dpa / Sedat Suna)

Bei den tödlichen Explosionen bei einer Veranstaltung der kurdischen Partei HDP hat es sich um einen Anschlag gehandelt. Agrarminister Mehdi Eker sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu vom Sprengstoff TNT. Bei den Explosionen in Diyarbakir in Südostanatolien waren gestern mindestens drei Menschen gestorben und 220 verletzt worden.

Minister Eker sagte, bei der zweiten Explosion sei mit "hoher Wahrscheinlichkeit" ebenfalls TNT verwendet worden. Dem Sprengstoff wurden seinen Worten zufolge Kugeln beigefügt. Darüber berichtet auch die Nachrichtenagentur AFP, die sich auf Ermittlerkreise beruft. Eker kandidiert bei der Parlamentswahl morgen in Diyarbakir für die islamisch-konservative Regierungspartei AKP.

Beide Explosionen hatten sich am Freitag im Abstand von etwa fünf Minuten ereignet, kurz vor einer Rede von HDP-Chef Selahattin Demirtas, zu der mehrere Tausend Menschen gekommen waren. Einige der mindestens 220 Opfer wurden nach Angaben von Ärzten lebensgefährlich verletzt. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, 20 Menschen schwebten in Lebensgefahr.

Ein Tatverdächtiger wurde nach Justizangaben noch nicht festgenommen. Es gebe aber Videoaufnahmen, außerdem seien Fingerabdrücke gefunden worden und ein Handy, das möglicherweise weitere Hinweise liefern könnte.

HDP als Zünglein an der Waage

Die HDP tritt zum ersten Mal bei einer Parlamentswahl an. Wenn sie die Sperrklausel von zehn Prozent der Stimmen überwindet, könnte die Regierungspartei AKP ihre absolute Mehrheit verlieren - und auch die verfassungsändernde Mehrheit verfehlen, die nötig wäre, um in der Türkei ein Präsidialsystem einzuführen, das sich Staatschef Recep Tayyip Erdogan wünscht.

Angesichts der bevorstehenden Parlamentswahl führte der Angriff zu wütenden Protesten von HDP-Anhängern. Tausende Unterstützer protestierten heute am Ort der Explosionen und machten die regierende AKP für den Angriff verantwortlich. Erdogan sprach von einer "Provokation" und rief die Bürger auf, nicht zuzulassen, dass "das Klima des Friedens und der Brüderlichkeit" im Land gestört werde.

Schon am Donnerstag hatte es bei einem Auftritt des HDP-Chefs Demirtas Randale gegeben. Dabei waren HDP-Anhänger und Nationalisten aneinander geraten. Während des Wahlkampfes habe es über 70 Übergriffe gegen seine Partei gegeben, sagte Demirtas.

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