Montag, 15. August 2022

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Exquisite Noyse
Die Stimme der Violine

"La voce del violino", "Die Stimme der Violine", so heißt die Debüt-CD des Ensembles Exquisite Noyse, die jetzt im Eigenverlag erschienen ist. Musik des 16. Jahrhunderts für Violinconsort steht hier im Mittelpunkt der fünfköpfigen Formation, die sich selbst "Renaissance violin band" nennt.

Von Christiane Lehnigk | 13.09.2015

    Die fünf Mitglieder des Ensembles "Exquisite Noyse".
    Das Ensemble "Exquisite Noyse" (Yamato Hasumi)
    Diese CD von "Exquisite Noyse" vereinigt Renaissancemusik und Improvisationen über Melodien, Tänze, Chansons und Madrigale aus verschiedenen Sammlungen der Zeit, von Jacob Arcadelt, Clement Janequin, Philippe Verdelot, Josquin des Pres und von anonymen Komponisten. Dabei war es das erklärte Ziel, eine möglichst farbige Palette zusammen zu stellen, einen Überblick über die Musik dieser Epoche für diese spezifische Instrumenten-Zusammensetzung zu präsentieren, bei der die Violine die Impulsgeberin ist.
    Expedition in die Renaissance
    Exquisite Noyse bezeichnet sich selbst als "Expeditionsteam", die Musiker wollen "fantasievoll mit dem Repertoire, den Spieltechniken und dem Instrumentarium der Renaissancezeit umgehen". Damals war die Violine noch nicht als Solo-Instrument bekannt und wurde in Gruppen, Consorts oder in Bands mit anderen Streichinstrumenten ihrer Familie zusammengespielt, wobei sich die Anzahl nach der Zahl der Stimmen richtete. Aufgespielt wurde zunächst hauptsächlich zum Tanz, bis sich die Ensembles auch am Hofe etablieren konnten. Mit der Entstehung des polyphonischen Kompositionsstiles und der Auswirkung auf die Instrumentalmusik entwickelte sich auch das Ensemblespiel und der Instrumentenbau.
    Woher die Violine ursprünglich stammt, ist nicht genau geklärt, aber es ist wahrscheinlich, dass Norditalien, insbesondere Cremona hier als Geburtsort gelten kann. Schon um 1550 war die Geigenfamilie in ihren heutigen Wesenszügen ausgebildet. Exquisite Noyse spielt hier in einer 5-köpfigen Zusammensetzung: Paula Kibildis, Violine und Leitung, Andreas Hempel und Zsuzsanna Czentnár, Viola, Johannes Loescher, Bass-Violine und Vincent Kibildis, Renaissance-Tripelharfe.
    Arrangements und Improvisationen
    Zu den ältesten Stücken auf der CD zählt die Instrumentalfassung eines der bekanntesten Vokalstücke des 15. Jahrhunderts, Josquin des Pres berühmte lateinische Motette "Ave Maria, virgo serena". Sie wurde wohl im Jahre 1485 veröffentlicht und ihr für die damalige Zeit revolutionärer neuer freier Ansatz mit imitativem Kontrapunkt und zweistimmigen Partien wurde stilbildend für eine ganze Epoche. Improvisationen, wie sie in der Zeit auch Tradition waren, sind in diesem Programm mit Musik aus der vor-solistischen Violinmusik verbunden. Bemerkenswert ist hier der noch junge Harfenist Vincent Kibildis, der, wie seine Kollegen, bereits Erfahrung mit dem Spiel und der Ornamentierung der Renaissance-Musik hat und auch die Kunst des Improvisierens beherrscht. Seine Tripelharfe ist ein recht großes Instrument, bei dem die Saiten in drei Ebenen angeordnet sind.
    Alte Musik mit moderner Anmutung
    Wenn sich auch die Musiker von Exquisite Noyse, die hier überwiegend Arrangements ihrer Leiterin Paula Kibildis spielen, um eine historisch getreue Aufführung dieser Renaissance-Stücke bemühen, mit dem entsprechenden Instrumentarium und blanken Darmsaiten, so sollte der Sound doch eine moderne Anmutung haben. Auf keinen Fall sollte es akademisch, historisch korrekt klingen, sondern zeitlos modern, lebendig und frisch. Und das ist auch gelungen. Die Mischung der vier Streichinstrumente mit der Bass Violine, die um einiges größer ist als ein Violoncello, ergibt einen sehr Oberton reichen kräftigen Klang.
    Um dieses erste CD-Projekt des Ensembles Exquisite Noyse verwirklichen zu können, haben sich die Musiker für eine Aufnahme in Eigenregie entschieden. Die nötige finanzielle Vorrausetzung wurde durch Crowdfunding geschaffen, was allerdings so richtig nur mit viel privatem Engagement funktionierte. Dafür war man aber unabhängig und vielleicht klappt das bei der nächsten CD, die jetzt im Herbst mit englischer Consortmusik eingespielt wird, dann schon besser. Auf jeden Fall sollte man dieses Ensemble, das in Köln beheimatet ist, im Auge behalten. Klar, es ist das, was man gerne als Spartenmusik bezeichnet, aber wenn solch ein Programm so ernsthaft und zugleich mit so viel Spielfreude gespielt wird, dann wird man gleich mit den ersten Takten mitgenommen in eine Zeit, in der plötzlich so viel Neues entstand und machbar war.