Archiv

EZB-StabilitätsberichtAlles prima, aber ...

Seit der Finanzkrise hat sich die Lage der deutschen Banken verbessert, etwa bei der Kernkapitalquote, wie die Bundesbank jetzt festgestellt hat. Aber die hiesige Kreditwirtschaft hat ein Problem - sie verdient zu wenig und hat ein Geschäftsmodell, das in Krisenzeiten zu einer ernsten Gefahr werden könnte. Auch die EZB sieht Probleme kommen.

Von Michael Braun | 25.11.2015

Das leuchtende Euro-Zeichen steht während der Nacht vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.
Bei der Lage der Banken muss niemand schwarzsehen, noch nicht jedenfalls. (afp / Daniel Roland)
Man kann auch Krisen herbeireden. Aber das ist natürlich das Letzte, was Europäische Zentralbank und Bundesbank wollen, wenn sie über Finanzstabilität reden. Also nähert man sich der Sache in pädagogisch geschickter Dosierung. Motto: "Es ist alles gut. Aber..." So kam am Mittag Andreas Dombret daher, das für die Banken und die Finanzaufsicht zuständige Vorstandsmitglied der Bundesbank. Das deutsche Bankensystem sei sehr viel stabiler als zu Beginn der Finanzkrise, habe Risiken zurückgefahren und die Eigenkapitalausstattung deutlich verbessert: "Was die Risikotragfähigkeit der deutschen Banken anbetrifft, da sehen wir eine erfreuliche Entwicklung. Die Kernkapitalquote des gesamten deutschen Bankensystems ist vom Juni des letzten Jahres bis zum Juni diesen Jahres um 0,6 Prozentpunkte gestiegen und liegt jetzt bei 15,6 Prozent. Zur Erinnerung: Anfang 2008, also dem Jahr der globalen Finanzkrise, wo also Lehman Brothers im September dann insolvent geworden ist, da lag die Kernkapitalquote im Durchschnitt noch bei rund 9,1 Prozent. Wir sind also von 2008 und 9,1 Prozent auf 15,6 Prozent gestiegen."
Probleme bei zinsabhängigem Geschäftsmodell
Aber: Die deutsche Kreditwirtschaft verdiene zu wenig, sei ertragsschwach, erreiche eine Eigenkapitalrendite von weniger als fünf Prozent. Das sei für die Aufsicht ein Problem. Denn damit sei ein Kapitalaufbau für schlechte Zeiten nicht möglich. Ein Grund dafür: Die niedrigen Zinsen. Da könnten manche Institute nicht dauerhaft mit leben: "Insbesondere für Kreditinstitute mit einem stark zinsabhängigen Geschäftsmodell - und das sind sehr viele in Deutschland - kann die anhaltende Phase sehr niedriger Zinsen mittel- bis langfristig zu einer wirklich ernsten Gefahr werden."
Damit sprach Dombret vor allem die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen an: Die wollen ihren Sparern Sparzinsen zahlen, können aber kaum auskömmliche Kreditzinsen verlangen. Und wenn doch, dann mit Hilfe lang kaufender Kredite, was aber zu hohen Zinsänderungsrisiken führe: Steige der Marktzins, seien die Kreditgeber an langjährige Niedrigzinsen beim Kredit gebunden. Die Bundesbank habe es in einem Stresstest mal durchgerechnet, was steigende Zinsen und dann fallende Aktienkurse und deutlich einknickende Immobilienpreise bedeuten würden. "Bei fast der Hälfte der kleinen und mittleren Banken wäre das Vorsteuerergebnis im Minus, bei mehr als der Hälfte. Der durchschnittliche Jahresüberschuss würde in der Spitze um 91 Prozent einbrechen."
Krisen sind nicht auszuschließen
Solch einen Stress sieht die Europäische Zentralbank auch aufziehen: Sie hat heute über die europäische Finanzstabilität berichtet: Schwellenländer seien stärker als früher in die Weltwirtschaft integriert. Probleme dort wirkten sich weltweit aus, zumal wenn die amerikanische Notenbank die Zinsen anhebe, denn viele Kredite in Schwellenländern seien in Dollar vergeben. Das schwappe auch auf Europa über, sagte der Vizepräsident der EZB, Vitor Constancio.
"It will have spillovers."
Die Bundesbank äußerte sich auch zu den Immobilienmärkten. Nein, heiß gelaufen seien sie nicht, sagte Vizepräsidentin Claudia Buch: "Wir sehen auch kein übermäßiges Wachstum von Kreditvergabe in diesem Bereich, aber wir müssen vorbereitet sein darauf, dass sich unsere Einschätzung möglicherweise einmal ändert."
Deshalb wolle die Bundesbank nun mehr Daten sammeln, über Immobilienpreise und Kreditlaufzeiten.