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StartseiteCampus & KarriereGrundschulen fehlen 23.000 Musiklehrer11.03.2020

FachkräftemangelGrundschulen fehlen 23.000 Musiklehrer

Mehr als die Hälfte der benötigten Musiklehrer fehlt an deutschen Grundschulen. Christian Höppner vom Deutschen Musikrat fordert, dass mehr Lehrkräfte für das Fach qualifiziert werden. „Die Situation ist dramatisch“ und erfordere drastische Maßnahmen, sagte er im Dlf.

Christian Höppner im Gespräch mit Thekla Jahn

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05.03.2018, Sachsen, Pegau: An der Oberschule in Pegau üben Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse im Musikunterricht eine Melodie am Keyboard.  (dpa / picture alliance / Waltraud Grubitzsch)
Der Deutsche Musikrat empfindet die Personalsituation als desaströs (dpa / picture alliance / Waltraud Grubitzsch)
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Eine Studie des Deutschen Musikrats, der Bertelsmann Stiftung und der Konferenz der Landesmusikräte zeigt: An deutschen Grundschulen unterrichten rund 17.000 Musiklehrer. Um aber den Lehrplänen entsprechend Musikunterricht anbieten zu können, müssten es 40.000 Musiklehrer sein. Somit fehlen 23.000 Musiklehrer an deutschen Grundschulen.

Professor Christian Höppner vom Deutschen Musikrat sieht dies als Weckruf für die Politik. Die Bildungsplanung der Kultusministerkonferenz hätte schon längst die steigende Schülerzahl und den Fachkräftemangel vorhersehen können. Nun gelte es, Politik und Eltern zu mobilisieren, dass Musik wieder gleichberechtigt mit anderen naturwissenschaftlichen und künstlerischen Fächern wird.

Entscheidend für Persönlichkeitsbildung

Musikunterricht biete Wissen, Zugang zu den eigenen Emotionen und Interaktion mit anderen. Er vermittle elementare Kulturtechniken, die entscheidend für die Persönlichkeitsbildung seien. Die Situation in Kindertagesstätten und Grundschule sei desaströs. Über die Kultusministerkonferenz hinaus sollten auch die Länderregierungen helfen und Musikhochschulen und Universitäten dazu befähigen, bedarfsgerecht ausbilden zu können.

Quereinsteiger keine dauerhafte Lösung

Es gibt Lehrer, die ohne die entsprechende Ausbildung Musikunterricht geben. Das kritisiert Höppner, da die Gefahr bestehe, dass dies zum Standard wird. Obwohl das Zurückgreifen auf Quereinsteiger verständlich sei, dürfe es nicht zum Ersatz werden für voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. An den Musikhochschulen und Universitäten gebe es auf die einzelnen Schularten ausdifferenzierte Ausbildungsgänge, die in der heutigen Situation erforderlich seien. Um die Vielfalt der Musik vermitteln zu können, müsse auch an andere Sparten als der populären Musik herangeführt werden. Dafür brauche es fachlich voll ausgebildete und qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer.

Durch die bevorstehende Pensionierungswelle werde sich die Zahl der fehlenden Lehrkräfte noch erhöhen. Es müsse viel mehr ausgebildet werden und parallel müsse sich bemüht werden, das Interesse an dem Fach zu wecken.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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