
Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, die CDU-Politikerin Borchardt, sagte, der Fokus sollte auf hochprozentigem Alkohol liegen. Dort sei das Risiko für Abhängigkeit, schwere Erkrankungen und die langfristigen Belastungen des Gesundheitssystems besonders hoch.
Die Bundesregierung plant zudem, das sogenannte begleitete Trinken zu verbieten. Dazu wird laut dem Bericht ein Gesetzentwurf vorbereitet. Derzeit ist Jugendlichen der Konsum von Bier, Wein und Sekt erlaubt, wenn die Eltern dabei sind.
Bundesärztekammer will Abgabe auf Alkohol, Tabak und Zucker
Gesundheitsexperten fordern immer wieder höhere Preise für gesundheitsschädliche Lebens- und Genussmittel. Der Präsident der Bundesärztekammer Reinhardt etwa forderte vor wenigen Tagen eine neue Abgabe auf Alkohol, Tabak und Zucker. Bei einer Neujahrspressekonferenz sagte er, die daraus entstehenden Einnahmen könnte man dem Gesundheitswesen zuführen. Durch die Maßnahme könnten lebenswerte, gesunde Lebensjahre gewonnen werden. Der Allgemeinarzt verwies auf Großbritannien, wo durch eine Zuckersteuer zuckerhaltige Getränke teurer geworden seien. Diabeteszahlen könnten so sinken. Die Maßnahme erfordere allerdings einen gewissen politischen Mut, sagte er mit Verweis auf Lobbygruppen, die schnell Verbotsvorwürfe erhöben.
Alkohol in Deutschland deutlich billiger als anderswo in Europa
Alkoholische Getränke in Deutschland sind billiger als fast überall in Europa. Die Preise für Wein, Spirituosen oder Bier lagen hierzulande zuletzt um 14 Prozent unter dem Durchschnittswert der Europäischen Union. Die Zahl geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamts für den Monat Oktober 2025 hervor. Noch günstiger waren alkoholische Drinks europaweit nur noch in Italien, wo die Kunden 19 Prozent unter dem EU-Schnitt einkaufen konnten. In Finnland mussten Konsumenten hingegen mehr als das Doppelte des EU-Durchschnittswerts bezahlen. Vergleichsweise höhere Preise gab es auch in Dänemark und Belgien. Hintergrund sind die international unterschiedlichen Steuersätze.
Pro-Kopf-Konsum sinkt
Beim Konsum von Alkohol verweist das Bundesamt auf ältere Zahlen der Weltgesundheitsorganisation. Demnach war der Alkoholkonsum in Deutschland im Jahr 2022 mit rechnerisch 11,2 Liter reinen Alkohol pro Bürger ab 15 Jahren vergleichsweise hoch. Zehn Jahre zuvor war es allerdings noch ein Liter reiner Alkohol mehr. Europaweit liegt Deutschland damit gemeinsam mit Frankreich und Portugal auf Platz neun.
Alkohol ist Forschungen zufolge ein Zellgift, das auch in kleinsten Dosen schädliche Wirkungen auf den menschlichen Körper hat. 2024 hatte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ihre Empfehlungen in einem Positionspapier aktualisiert und den Verzicht auf Alkohol empfohlen.
Diese Nachricht wurde am 10.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
