Montag, 30. Januar 2023

Fall Peggy
DNA-Verunreinigung ist unwahrscheinlich

Die Entdeckung von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Böhnhardt am Fundort der getöteten Schülerin Peggy alarmiert Politiker und Polizei. Dass es sich um eine verunreinigte Spur oder eine Verwechslung handeln könnte, ist nach Einschätzung von Experten fast unmöglich.

14.10.2016

    Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof in Nordhalben.
    Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof in Nordhalben. (picture alliance / David Ebener)
    Das Bundeskriminalamt sieht derzeit keine Hinweise auf eine Verunreinigung oder Verwechslung. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei eine DNA-Spur von Uwe Böhnhardt gesichert worden, sagte BKA-Präsident Holger Münch in Wiesbaden. Der Fund der Spur habe auch seine Behörde sehr überrascht.
    Auch der erfahrene Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger glaubt nicht, dass eine Kontamination der DNA-Spur vorliegt. "Natürlich ist nichts unmöglich", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Aber mir fehlt die Fantasie zu erklären, wie es dazu hätte kommen sollen", so der frühere Vorstand des Instituts für Rechtsmedizin der Ludwigs-Maximilians-Universität in München. In 40 Jahren als Rechtsmediziner habe er nicht erlebt, dass es einen solchen Fall gegeben hätte.
    Politiker fordern weitere Untersuchungen
    Führende Politiker mahnten derweil zur Zurückhaltung. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete den Verdacht auf einen Zusammenhang des Falls der 2001 in Bayern verschwundenen Peggy mit dem rechtsterroristischen NSU als "unfassbar". Zugleich verwies er darauf, dass sich die Ermittlungen noch "in einem sehr frühen Stadium" befänden.
    Ähnlich äußerte sich der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Zunächst müsse noch einmal geprüft und ausgeschlossen werden, dass es bei der Bearbeitung der Spuren "an irgendeiner Stelle zu einer Kontamination" gekommen sei, sagte er im Fernsehsender n-tv.
    Die Ombudsfrau der NSU-Opfer, Barbara John, sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", zu den "vielen großen Fragezeichen kommen nun weitere hinzu, das muss alles aufgeklärt werden".
    Die Ermittler hatten gestern bekannt gegeben, dass am Fundort von Peggy Genmaterial von Uwe Böhnhardt entdeckt worden war. Es soll an einem Stoffstück nachgewiesen worden sein. Das Skelett von Peggy war erst im Juli 2016 in einem Waldstück in Thüringen entdeckt worden.
    Polizei prüft ungeklärte Kindsmorde
    Mitglieder des NSU-Untersuchungssausschusses des thüringischen Landtags zeigten sich wenig überrascht von möglichen Verbindungen zwischen dem NSU und dem Fall Peggy oder Kindesmissbrauch im Allgemeinen. Es gebe Informationen, dass nahe dem Fundort eine Waldhütte existiere, in der sich ein Mann aus dem NSU-Umfeld aufgehalten habe, sagte die Vorsitzende Dorothea Marx (SPD) im Südwestrundfunk.
    Böhnhardt war in den 90er-Jahren schon einmal im Zusammenhang mit einer Kindstötung ins Visier der Ermittler geraten. Die Staatsanwaltschaft Gera bestätigte eine neue Untersuchung zum Tod des neunjährigen Bernd im Jahr 1993.
    Bei der Thüringer Polizei soll eine neue Sonderkommission ungeklärte Fälle von Kindstötungen seit 1990 neu untersuchen. Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) erklärte, durch den Fund ergebe sich die Chance, "bei den wenigen unaufgeklärten Fällen den Faden wieder aufzunehmen".
    (gri/tzi)