Berufsbildungsbericht
Fast jeder fünfte junge Mensch in Deutschland ohne Berufsabschluss

In Deutschland haben nach wie vor viele junge Menschen keinen Berufsabschluss. Wie aus dem vom Bundeskabinett vorgestellten jährlichen Berufsbildungsbericht hervorgeht, hatten zuletzt rund 2,8 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung oder keinen Hochschulabschluss.

    Eine junge Frau steht vor einem Gebäude mit der Aufschrift: "Agentur für Arbeit". Sie steht mit dem Rücken zur Kamera und schaut auf das Gebäude.
    Fast jeder fünfte junge Mensch in Deutschland hat dem Berufsbildungsbericht zufolge keinen Berufsabschluss. (picture alliance / imageBROKER | Jan Tepass (Symbolbild))
    Der Bericht der Bundesregierung verweist auch auf Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung. Demnach gab es Ende September des vergangenen Jahres weniger Ausbildungsplätze als zuvor. Dennoch waren über 50.000 Stellen unbesetzt, obwohl fast 40.000 Bewerber keinen Ausbildungsplatz fanden. Bundesbildungsministerin Prien erklärte, Angebot und Nachfrage passten häufig nicht zusammen. Regionale Unterschiede und eine ungleiche Verteilung bei den Ausbildungsberufen verstärkten diese Entwicklung.

    Verdi: Lage ist nicht akzeptabel

    Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warf den Betrieben vor, zu wenig Ausbildungsplätze anzubieten. Über Fachkräftemangel zu klagen und sich selbst aus der Verantwortung zu stehlen, passe nicht zusammen, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Bühler. Die Gewerkschaft forderte die bundesweite Einführung einer Ausbildungsumlage als Anreiz, damit mehr Betriebe ausbilden. Als Vorbild nannte Verdi den Ausbildungsfonds von Bremen und Berlin.
    Verdi forderte zudem mehr außerbetriebliche Ausbildungsangebote als "verlässliches Auffangnetz". Um allen jungen Menschen eine Perspektive zu geben, müssten zudem hohe Zugangshürden abgebaut werden.

    Demografischer Wandel: Sorge um Fachkräfte

    Die im Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung vertretenen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Länder erklärten, der demografische Wandel stelle weiterhin eine enorme Herausforderung für die Sicherung
    der Fachkräftebasis dar. Künftig gingen erheblich mehr Beschäftigte in den Ruhestand als junge Menschen ins Erwerbsleben nachkämen. Deshalb müssten Sozialpartner, Bund und Länder weiter gemeinsam Lösungen entwickeln, wie die Integration von jungen Menschen in die berufliche Bildung verbessert werden könne.

    Arbeitergeberseite beklagt Defizite junger Menschen

    Die Vertreter der Arbeitgeber im Ausschuss erklärte: Zu oft fehle es Ausbildungssuchenden an grundlegenden Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen. Auch beim Arbeits- und Sozialverhalten machten Unternehmen immer wieder Defizite aus. Bestehende Unterstützungsangebote müssten deshalb noch bekannter gemacht werden. Auf der anderen Seite sollten Unternehmen ihre angebotenen Ausbildungsstellen für Suchende, Eltern sowie Beratungsfachkräfte noch sichtbarer machen. Als Beispiel wurde eine engere Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit genannt.
    Diese Nachricht wurde am 07.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.