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StartseiteDie neue PlatteGratulation zum Jubiläum!22.11.2020

Fauré mit FauréGratulation zum Jubiläum!

Seit 25 Jahren spielt das Fauré Quartett zusammen. Zu ihrem Jubiläum haben die Musiker jetzt eine wundervolle CD mit Klavier-Quartetten ihres Namensgebers veröffentlicht, des französischen Komponisten Gabriel Fauré. Warum die Aufnahmen so gelungen sind, erzählen wir hier.

Am Mikrofon: Niklas Rudolph

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Eine Frau und drei Männer sitzen in einem Bett mit Kopfteil und lächeln einander an. (Ben Wolf)
Die Musikerinnen und Musiker des Fauré Quartetts verstehen sich seit 25 Jahren ziemlich gut. (Ben Wolf)

Diese Musik klingt so ganz anders als Faurés bekannteste Werke, das tröstende Requiem oder die eingängige "Pavanne". Gemeinsam haben Faurés Klavierquartette mit ihnen vor allem die sanglichen Melodien. Da hört es dann aber auch schon auf. Diese Quartette geben sich nicht mal Mühe, schlicht zu klingen, sie sind geradeheraus opulent. Nach einem leidenschaftlichen Auftakt des zweiten Klavierquartetts, op. 45, sorgen fließende Bewegungen im Klavier für den unruhigen Grund, auf dem die Themen des ersten Satzes singen können.

Musik: Klavierquartett Nr. 2, op. 45: Allegro molto moderato

Große Orchesterwerke sind die Ausnahme bei Fauré, Lieder und Kammermusik waren tatsächlich sein ureigenes Ausdrucksmittel. Dabei sind fast alle Werke mit Faurés bevorzugtem Instrument besetzt, dem Klavier. Im zweiten Satz des zweiten Quartetts können Pianisten in die Gefahr geraten, sich durch die zurückhaltende Pizzicato-Begleitung der Streicher nach vorne zu spielen. Dirk Mommertz, Pianist im Fauré Quartett, umschifft diese Klippe elegant mit einem warmen, diskantarmen Ton.

Musik: Klavierquartett Nr. 2, op. 45: Allegro Molto

Klavierquartette finden sich vor allem bei Mozart, Schumann und Brahms, sie sind für gewöhnlich kontrastreich und voller dramatischer Gesten. Abgesehen vom Beginn des ersten Satzes verzichtet Gabriel Fauré auch in seinem 2. Klavierquartett auf diese Aufregung.

Warmer Klang

Keine Brüche innerhalb der Sätze, in Wellen gehen die einzelnen Abschnitte ineinander über, wechseln ihre Textur, der Fluss der Musik darf nicht unterbrochen werden. Vor allem Geigerin Erika Geldsetzer unterstützt diesen Flow durch ein schnelles Vibrato, das sich aber kaum vom Ausgangston entfernt.

Musik: Klavierquartett Nr. 2, op. 45: Adagio non troppo

Das begrenzte Vibrato hegt die große romantische Geste eindrucksvoll ein. Überhaupt neigt der warme Klang dieser Aufnahme häufig zur introvertierten Melancholie. Auch wenn es beim Hören manchmal passieren kann, dass man vor aller Wärme ins Schwitzen gerät. Am Beginn des vierten Satzes verschränken sich Klavier und Cello zu einem innigen Dickicht. Erst nach einigen Minuten lichtet sich der düstere Dschungel: Es sind die vorbereitenden Schatten und Grundierungen des folgenden – und nebenbei bemerkt: grandiosen – Walzer-Themas.

Musik: Klavierquartett Nr. 2, op. 45: Allegro Molto

Erfolgreiche Musiker müssen mehr sein als Interpreten, sie sind auch so etwas wie Weltbotschafter für eine mitunter bedrohte Spezies. Spannenderweise gelingt das dem Fauré Quartett mit diesem puristischen Konzeptalbum sehr gut. Den Bogen zwischen erstem und zweiten Fauré Quartett füllen Musikerin und Musiker mit raffinierten Arrangements von Faurés Harmonies – eigentlich Lieder für den Hausgebrauch.

Höchstes Niveau

Das Fauré Quartett übernimmt die zarten Vokalisen und verwandelt sie in durchdachte kammermusikalische Miniaturen. Kunstvoll spielen sich die Einzelstimmen die Gesangslinie zu, umtanzen einander, begleiten und schöpfen die klanglichen Möglichkeiten des Klavierquartetts voll aus: mit Spielwitz und gezielt eingesetzten Temponuancen.

Musik: "Mandoline"

Die Tempi sind passend dazu angenehm gewählt – auch wenn das heißt, Klang aushalten zu müssen. Denn immer wieder bricht Faurés Ausbildung als Kirchenmusiker durch, und gregorianische Skalen hebeln die Dur-/Moll-Tonalität aus den Angeln. Interessanterweise wurde Gabriel Fauré in Deutschland trotzdem das negative Etikett "Salonkomponist" angeheftet. Zu eingängig seien seine Melodien, zu sperrig hingegen die Harmonien. Boshafte Vorurteile, die das Fauré Quartett mit beeindruckend schönen Arrangements seiner Lieder widerlegt.

Musik: "Les Berceaux"

In einem sensiblen Arrangement hat das Fauré-Quartett "Les Berceaux" von Gabriel Fauré interpretiert. Schon vor knapp 20 Jahren spielten die Karlsruher Musiker die Klavierquartette von Gabriel Fauré ein. Eine lange Zeit, in denen sich nicht nur Hörgewohnheiten verändert haben, sondern auch die Ansprüche an zeitgemäße Konzepte gewachsen sind. Es reicht eben nicht mehr, sich mit dem traditionellen Repertoire um Brahms, Schubert und Mozart zufrieden zu geben.

Berührende Arrangements

So gesehen hat das Fauré Quartett vieles richtig gemacht. Vor zwei Jahren brachten sie zudem ein Album mit Popsongs heraus, sie spielen im Kinderkanal und geben Workshops an Schulen. Und auch mit diesem in gewisser Weise "puristischem" Album gelingt der Brückenschlag: spieltechnisch höchstes Niveau, berührende Arrangements und ein warmer Klang, mit dem man gern den die Zeit verbringt. Da wünscht man doch: toi, toi, toi für die nächsten 25 Jahre. Beim Label Berlins Classics ist die Jubiläums-CD des Fauré Quartettes gerade erschienen.

Fauré Quartett
Dirk Mommertz,Klavier
Erika Geldsetzer, Violine
Sascha Frömbling, Viola
Konstantin Heidrich, Cello
Berlin Classics
03014222BC

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