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FED erhöht Leitzins
Abschied von der Krise

2,1 Prozent prognostiziertes Wachstum für 2015 und sinkende Arbeitslosigkeit: Die Federal Reserve Bank hält die US-Wirtschaft nach der Krise wieder für gesund. Doch es gibt auch Probleme. Und dazu zählen nicht nur aufgrund des erstarkten Dollars steigende Reisekosten für US-Touristen.

Von Marcus Pindur | 17.12.2015

    Die gute Nachricht sei, so Janet Yellen, die Federal Reserve Bank halte die amerikanische Wirtschaft wieder in einem fundamentalen Sinne für gesund. 2,1 Prozent Wachstum sind für 2015 prognostiziert, 2,4 Prozent für 2016. Die Arbeitslosigkeit liegt bei fünf Prozent, Tendenz fallend. Nur das Inflationsziel von etwa zwei Prozent hat man noch nicht erreicht, doch es geht in die richtige Richtung. Es gebe aber auch Probleme, so die Notenbank-Chefin:
    "Einige Sektoren der Wirtschaft stehen unter Druck, wie zum Beispiel einige Industriesektoren und die Energiewirtschaft."
    Starker Dollar, schwacher Euro
    Tendenziell bedeuten steigende Leitzinsen in den USA, dass der Wert des Dollars gegenüber dem Euro weiter steigen wird. Das ist schlecht für rohstoffabhängige Industrien im Euroraum und USA-Touristen, aber gut für die deutsche Exportwirtschaft. Deutsche Ausfuhren außerhalb des Euroraumes werden billiger und somit konkurrenzfähiger.
    Umgekehrt wird das Leben für die amerikanische Exportwirtschaft nicht einfacher werden. Doch das gilt im Wesentlichen für Sektoren, die über den Preis konkurrieren, wie die Stahl erzeugende Industrie. Auf Produkte, die über Innovation konkurrieren, wie die Computerwirtschaft und die Pharmaindustrie, wird der durch steigende Zinsen auch steigende Dollarkurs kaum Auswirkungen haben.
    Gerade in der Digitalwirtschaft, die in großem Stil wie zum Beispiel Apple Bauteile in Asien einkauft, verbessert sich sogar die Wettbewerbssituation für amerikanische Unternehmen.
    Ein teurer Traum
    Junge Leute, die gerade davorstehen, sich ein Haus zu kaufen, befürchten jetzt allerdings, dass dieser Traum unerreichbar werden könnte. Mary Murray ist Lehrerin in Los Angeles:
    "Mein Mann und ich überlegen gerade, ein Haus zu kaufen. Und wenn die Zinsen steigen, dann bringt uns das in eine schlechte Lage. Und außerdem müssen wir noch Studienkredite abzahlen."
    Der Harvard-Ökonom Ken Rogoff meint unter anderem deswegen, dass die FED gut daran tut, die Zinsschritte klein zu halten.
    "Das ist ein mikroskopisch kleiner Schritt. Das wird auf den Märkten keine Unruhe hervorrufen."
    Mit dem Zinsschritt der FED hat nach der großen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 eine Perspektivumkehr begonnen: Raus aus dem Schadensbegrenzungsmodus, hin zum wirtschaftlichen Normalzustand. Doch es gibt auch Skeptiker. Welche konkreten Auswirkungen die Zinserhöhung haben werde, sei kaum vorhersagbar, meint der Ökonom Robert Schuler von der Yale University.
    "Die Geschichte gibt uns keine konkreten Präzedenzfälle. Das ist ein bedeutender Wendepunkt, wenn nach so vielen Jahren Nullzins auf einmal die Zinsen wieder angehoben werden. Wir wissen nicht so richtig, was uns erwartet."
    Graduelle Anhebung
    Doch Janet Yellen hatte die Märkte seit längerem vorsichtig auf eine Zinserhöhung vorbereitet. Die Anhebung der Zinsen soll graduell erfolgen, um Anpassungsschocks in der Wirtschaft zu vermeiden, so die Notenbankchefin.
    "Der Leitzins soll schrittweise steigen, auf 1,5 Prozent Ende 2016 und 2,5 Prozent 2017."
    Damit wird ein Normalzustand angepeilt, der es bei fallender Konjunktur der FED ermöglicht, wieder durch Zinssenkung steuernd einzugreifen. Jetzt sei wegen der stabilen wirtschaftlichen Lage der richtige Zeitpunkt, die Zinsen zu erhöhen, so Janet Yellen.
    "Hätten wir zu lange abgewartet, dann hätte die Gefahr einer Überhitzung der Konjunktur und einer stark überhöhten Inflationsrate bestanden. Und dann hätten wir die Zinsen abrupt erhöhen müssen."
    Das jedoch berge die Gefahr, die Konjunktur abzuwürgen.
    Die Zinserhöhung ist eine gute Nachricht für die gesamte Weltwirtschaft. Ihr liegt nämlich die Einschätzung zugrunde, dass die größte Industrienation der Welt sich von der Krise der Jahre 2008/2009 erholt hat.