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Feine Leute bleiben besser unter sich

Er ist eines der liebsten Sujets der Regenbogenpresse, und man weiß nicht so recht, ob es ihm schmeichelt, ihn ärgert oder gar kalt lässt: der Adel. Aber zur Kenntnis nimmt er gewiss, dass das Publikum nur allzu gern Geschichten über ihn konsumiert.

Von Dietrich Möller |
    Dieses Interesse – oder ist es Neugier? – muss seine Gründe haben, wirkt doch der Adel wie eine in sich abgeschlossene, der Bürgerlichkeit gleichsam entrückte Kaste, ein Phänomen, zu dem er selbst mit Eifer beiträgt. Und das gut 90 Jahre nach dem Verlust aller Privilegien und nach der Festlegung, dass der überkommene Titel nur noch Teil des Namens sei.

    Aus dem Grafen Armin von Y wurde so Armin Graf von Y. Freilich, der "Graf" blieb ihm und seinen Nachkommen, ganz anders als zur gleichen Zeit in Österreich, wo aus der "Kaiserlichen Hoheit" schlicht "Herr Habsburg" wurde. Nur im Wiener Caféhaus blieben "Hoheit" und "Durchlaucht" bis auf den heutigen Tag erhalten.
    Die Lange Nacht vom Adel blickt auf Hierarchien, Verbände und Traditionen zurück, auf Selbsteinschätzung und Selbstdarstellung. Vom reichen und verarmten Adel wird die Rede sein, von Einfluss und Stellung in der Gesellschaft, von Mythen auch und von Verrat. Und von der Sucht und von den Möglichkeiten, heute noch adelig zu werden. Natürlich fragen wir in der Langen Nacht nach, ob immer noch gilt, was Pierre Marc Gaston Duc de Lévis vor zweihundert Jahren als Maxime seines Standes beschrieb: "Noblesse oblige" - Adel verpflichtet.

    Musiken:

    Wilhelmine von Bayreuth
    Andante cantabile
    Giovanni B.
    Buonamente Sonate No. 4
    Johann P. Kirnberger
    Sinfonia D-dur
    Christoph Willibald Gluck
    Ballett
    Robert Schumann
    Kinderszenen
    Charles Ives
    Unanswered Questions
    Massimo Neri
    Sonate Nr. 7
    Claude Debussy
    Claire de Lune
    Franz Schubert
    Deutscher Tanz
    C. P. Bach
    Polonaise
    W. A. Mozart
    Marsch aus Idomeneo
    Georg F. Händel
    Sarabande Duell
    S. Rachmaninov
    Piano Trio No. 1 G-Moll
    Michael Nyman
    The Morrow
    Johann Strauss Vater
    Karnevalswalzer Op. 3
    Georg F. Händel
    Feuerwerksmusik Ouverture
    Georg F. Händel
    Wassermusik / Menuett
    Francois Couperin
    Aire de Diable
    Francois Couperin
    Allemende
    Joseph Lanner
    Mitternachtswalzer
    British Grenadier
    Fifes and Drums
    Liza Minelli/Joel Gray
    Money
    W. A. Mozart
    Hochzeit des Figaro / Ouverture
    Georg F. Händel
    Wassermusik /Ouverture

    Literaturliste:

    Elisabeth Plessen
    Mitteilungen an den Adel
    Suhrkamp Verlag, Frankfurt
    Marion Gräfin Dönhoff
    Kindheit in Ostpreussen
    Random House, München
    Theodor Fontane
    Wanderungen durch die Mark
    Faber&Faber, Leipzig
    Ludwig Renn
    Adel im Untergang
    Aufbau-Verlag, Weimar
    Stephan Malinowski
    Vom blauen zum reinen Blut
    Jahrbuch für Antisemitismusforschung,
    Band 12
    Stephan Malinowski
    Vom König zum Führer
    Fischer Verlag, Frankfurt

    Wilfried Rogasch
    Schnellkurs Adel
    Dumont Verlag, Köln
    Christine Gräfin von Brühl
    Noblesse oblige
    Eichborn Verlag, Frankfurt