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StartseiteKultur heuteFeministisches Lebenswerk gefährdet31.01.2012

Feministisches Lebenswerk gefährdet

Alice Schwarzer kämpft um FrauenMediaTurm in Köln

Nach der Streichung von Landesmitteln sieht Alice Schwarzer ihr Frauenarchiv von der Schließung bedroht. Bei dem Konflikt gehe es nur vordergründig um Geld, sagt DLF-Korrespondentin Barbara Schmidt-Mattern. Persönliche Animositäten zwischen Schwarzer und der rot-grünen Landesregierung spielten eine wichtige Rolle.

Barbara Schmidt-Mattern im Gespräch mit Mascha Drost

Geht in die Offensive: Alice Schwarzer gibt eine Pressekonferenz zum FrauenMediaTurm in Köln. (picture alliance / dpa - Henning Kaiser)
Geht in die Offensive: Alice Schwarzer gibt eine Pressekonferenz zum FrauenMediaTurm in Köln. (picture alliance / dpa - Henning Kaiser)
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FrauenMediaTurm (FMT)

Mascha Drost: Es klingt nicht nur danach, es ist die Ironie der Geschichte, dass es dem FrauenMediaTurm nie besser ging als unter Männerherrschaft, unter männlicher Regierung. Anfangs unterstützte ihn Jan-Philipp Reemtsma, danach Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Kölns Bürgermeister - Ex-Bürgermeister - Fritz Schramma wollte gar die jährliche Pacht auf einen symbolischen Euro beschränken. Jetzt stehen dem Kultur-, dem Gesundheits- und dem Wissenschaftsressort der Landesregierung Nordrhein-Westfalen allerdings drei Frauen vor, den Ressorts, die sich die jährliche Förderung von 210.000 Euro bislang geteilt haben. Die Gesundheitsministerin strich die Förderung gleich ganz, die beiden anderen die Hälfte, also stehen Alice Schwarzer nur mehr 70.000 Euro zur Verfügung, deswegen Zeter und Mordio und eine Pressekonferenz heute in Köln. Dabei war unsere Landeskorrespondentin Barbara Schmidt-Mattern, an sie die Frage: Die Landesregierung führt ja notwendige Sparmaßnahmen ins Feld – es wird aber auch immer wieder von persönlichen Animositäten zwischen Alice Schwarzer und den einzelnen Regierungsmitgliedern gesprochen. Liegt die Wahrheit vielleicht irgendwo dazwischen?

Barbara Schmidt-Mattern: Das würde ich ganz klar sagen: ja, Frau Drost, denn es geht hier, glaube ich, vordergründig natürlich ums Geld, aber es geht eben auch um persönliche Animositäten hier zwischen Alice Schwarzer auf der einen Seite und einer rot-grünen Landesregierung auf der anderen Seite, die eben geführt wird von einem Frauenduo. Wenn wir zunächst mal auf das Geld schauen und ein wenig den Rückblick wagen: im Jahre 2010 hier in Nordrhein-Westfalen der Regierungswechsel und eine rot-grüne Landesregierung, die sagt, wir müssen sparen, wir wollen im Übrigen das Geld, das uns beispielsweise hier im Emanzipationsministerium zur Verfügung steht, eigentlich lieber in andere Projekte stecken – zum Beispiel in Frauenhäuser, die haben nämlich viel weniger und schlechtere Möglichkeiten, um Geld zu werben, als das eine derart prominente Figur wie Alice Schwarzer übrigens kann -, und wir müssen einfach ganz allgemein als Landesregierung auch darauf gucken, dass wir die Verhältnismäßigkeit wahren. So weit die Begründungen von Barbara Steffens, das ist hier die Emanzipationsministerin in Nordrhein-Westfalen von den Grünen. Aber wenn man in ihrer Stellungnahme so ein bisschen auf den Tonfall und auf die Wortwahl hört, wie sie mit den Vorwürfen umgeht, die Alice Schwarzer hier gegen sie erhebt, dann werden eben doch diese schon erwähnten Animositäten ein wenig deutlich.

O-Ton Barbara Steffens: "Das ist absoluter Quatsch! Ich habe mit Alice Schwarzer keine Feindschaft und auch sonst überhaupt keine persönlichen Berührungspunkte. Es ist auch Quatsch, dass ich Kölner Grüne bin. Ich schätze Alice Schwarzer auch als jemand, die sehr wertvolle Verdienste für die Frauenbewegung gebracht hat. Von daher ist das absoluter Quatsch. Hier geht es einfach nur darum, dass ich jeden Euro nur einmal ausgeben kann und keine Gelddruckmaschine habe."

Schmidt-Mattern: Sie hören es, Frau Drost: Dreimal fällt hier das Wort "Quatsch" in ungefähr 20 Sekunden. – Man muss sich einfach Folgendes noch mal vergegenwärtigen: Barbara Steffens ist hier die Emanzipationsministerin in einer rot-grünen Landesregierung, die erstmals von zwei Frauen geführt wird, und das ist offenbar für Alice Schwarzer hier nicht so ganz leicht zu ertragen, dass ausgerechnet diese Landesregierung jetzt ihr Lebenswerk gefährden will, denn so betrachtet sie diesen FrauenMediaTurm mit seiner großartigen Bibliothek und mit dem Archiv.

Drost: Es wurden ja aber auch immer wieder Vorwürfe laut, das Archiv sei zu verschlossen, Alice Schwarzer würde es quasi als ihr Privateigentum behandeln, der Öffentlichkeit zu wenig zugänglich machen. Hat sie sich dazu geäußert heute auf der Pressekonferenz?

Schmidt-Mattern: Dazu hat sie sich geäußert und folgendermaßen argumentiert: Der Grund, dass man inzwischen nicht mehr so ganz leicht reinkommt ins Archiv (die Öffnungszeiten sind im Grunde ganz normal, montags bis freitags 10 bis 17 Uhr), dass jetzt der Zugang erschwert werde, das liege ja gerade daran, dass die Mittel eben schon gekürzt worden seien, und dadurch habe man eine Stelle abbauen müssen und deswegen seien jetzt eben auch die Öffnungszeiten eingeschränkt. Also da beißt sich aus Sicht von Alice Schwarzer die Katze so ein bisschen in den Schwanz, und das bestärkt sie in ihrem Urteil zu sagen, die Grünen hätten ja ihr Projekt, den FrauenMediaTurm, eigentlich immer schon irgendwie mit Argusaugen betrachtet, und da gibt es hier eine Vorgeschichte in Köln, auf die Alice Schwarzer hier auch heute abgehoben hat.

O-Ton Alice Schwarzer: "Es ist ja in Köln kein Geheimnis, dass 1994 die Grünen und die ihnen verbundenen Kräfte partout in den Bayenturm wollten. Die Grünen haben damals eine wirklich sehr schmutzige Kampagne losgetreten, da hat die Schwarzer ihr Himmelbett stehen, da ist doch gar kein Archiv, da ist die 'Emma' und so. Es war sehr unter Niveau. – Das haben wir inzwischen überstanden und vergessen und ich habe nicht damit gerechnet, dass eine grüne Ministerin, die aus Köln kommt, 20 Jahre später oder 18 Jahre später eine Neuauflage macht."

Drost: Was für eine Zukunft sieht denn Alice Schwarzer selbst für dieses einmalige Projekt?

Schmidt-Mattern: Sie sieht den Todesstoß möglicherweise und sagt, wenn sich da nicht noch gewaltig was ändert an der Finanzierung, dann bliebe allenfalls vielleicht noch die Möglichkeit, dass dieser FrauenMediaTurm an ein Universitätsinstitut angedockt wird. Aber all das ist Zukunftsmusik. Ich glaube, im Moment geht es darum, den politischen Druck zu erhöhen.

Drost: Barbara Schmitt-Mattern in Düsseldorf, vielen Dank für diese Informationen!

Informationen:

FrauenMediaTurm (FMT)

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