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StartseiteKalenderblattFenster zum Universum24.04.2010

Fenster zum Universum

Vor 20 Jahren wurde das Hubble-Weltraumteleskop ins All gebracht

Das Hubble-Weltraumteleskop blickt oberhalb der Erdatmosphäre in die Tiefen des Alls und funkt gestochen scharfe Bilder von fernen Galaxien, schillernden Gasnebeln oder glänzenden Sternhaufen zur Erde. Völlig ungestört von Wolken und Luftunruhe liefert es atemberaubende Einblicke in den Kosmos.

Von Dirk Lorenzen

Das Hubble-Weltraumteleskop in der Umlaufbahn.  (ESA/NASA)
Das Hubble-Weltraumteleskop in der Umlaufbahn. (ESA/NASA)

24. April 1990, Kennedy Space Center in Florida. In den blauen Morgenhimmel stemmt sich die US-Raumfähre Discovery – an Bord wertvolles Gepäck: Das Hubble-Weltraumteleskop, das neue Fenster zum Universum, wie der Nasa-Kommentator schwärmt.

Erstmals sollte ein Teleskop, benannt nach dem Astronomen Edwin Hubble, kristallklar ins Universum blicken, völlig ungestört von Wolken oder der flimmernden Erdatmosphäre. Ein alter Astronomentraum schien in Erfüllung zu gehen. Doch die ersten Daten, die Hubble kurz nach seinem Start zur Erde funkte, sorgten für Entsetzen, erinnert sich Rudolf Albrecht, früherer Leiter der europäischen Koordinierungsstelle für das Hubble-Weltraumteleskop in Garching:

"Wir sind mit ziemlich großer Hoffnung gestartet, waren nicht überrascht, dass es nicht gleich einen Tag nach dem Start nadelscharfe Bilder gegeben hat. Das ist ganz klar, wenn man sich überlegt, die Vibrationen, der Schalldruck in der Payload-Bay während des Shuttle-Startes... Aber wir wussten ja auch, dass im Teleskop eigentlich fast alles einstellbar war. Was allerdings nicht einstellbar war, war die Form des Hauptspiegels. Und da hat sich dann herausgestellt, ziemlich schnell, dass damit etwas nicht in Ordnung ist."

Das Wunderteleskop liefert nur verschwommene Bilder. Denn beim Schleifen des 2,40 Meter großen Hauptspiegels hatte man einen ganz simplen optischen Effekt nicht berücksichtigt. Eine Kleinigkeit – mit verheerenden Folgen. Hubble droht zum Superflop zu werden, zur peinlichsten NASA-Panne in der Geschichte der Raumfahrt. Ein bitterböser Cartoon zeigt einen Mann, der auf einer Cocktail-Party mit einer Stehlampe spricht:

"Habe ich Ihnen schon erzählt, dass ich meine Brille bei denselben Leuten gekauft habe, die den Spiegel für Hubble hergestellt haben?"

Doch die angeschlagene Nasa reagiert schnell und entwickelt eine Korrekturoptik. 1993 fliegen Astronauten zu Hubble und reparieren das himmlische Auge. Fortan funkt das Teleskop zigtausende gestochen scharfer Bilder zum Erdboden, erklärt Mario Livio, Astronom am wissenschaftlichen Institut des Weltraumteleskops in Baltimore:

"Das Hubble-Teleskop hat wirklich fantastische Dinge in praktisch jedem Bereich der Astronomie geleistet. Zwei Beispiele: Es hat die Dunkle Energie entdeckt, jene geheimnisvolle Kraft, die das Universum immer schneller auseinander treibt. Ein ganz anderer Bereich sind die Planeten um ferne Sterne: Hubble hat als erstes die Zusammensetzung der Atmosphäre eines fernen Planeten gemessen. Das zeigt, wie vielseitig das Weltraumteleskop ist."

Zwar gibt es auf der Erde längst viel größere Teleskope. Aber die Hubble-Aufnahmen sind dank der unglaublichen Detailfülle bei der Erforschung Schwarzer Löcher, ferner Galaxien oder von Sternentstehungsgebieten noch immer unverzichtbar. Zudem hat die Nasa Hubble von Anfang an mit großem Aufwand vermarktet. Die bunten Bilder aus dem All schaffen es in die Fernsehnachrichten und zieren Titelseiten von Zeitungen.

"Hubble hat nicht nur überragende wissenschaftliche Bedeutung. Es ist buchstäblich bis ins Wohnzimmer von vielen, vielen Millionen Menschen rund um den Globus vorgedrungen. Es hat die Faszination wissenschaftlicher Entdeckung Leuten nahegebracht, die sonst nichts mit Forschung zu tun haben."

Wissenschaftshistorikern gilt Hubble mittlerweile als bekanntestes Forschungsinstrument aller Zeiten – allerdings auch als das teuerste. Gut 13 Milliarden US-Dollar hat das Teleskop im All bisher verschlungen. Doch bei den Kosten hat Mario Livio – als natürlich befangener Insider – eine ebenso eigenwillige wie charmante Sichtweise:

"Ich bin einmal gefragt worden, ob Hubble die Milliarden von Dollar wert war. Meine Antwort war: Es hat uns das Universum gegeben – und dafür ist es sehr günstig."

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