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StartseiteInterview"Weihnachten muss würzig duften"24.12.2014

Festtagsbräuche"Weihnachten muss würzig duften"

Risotto, Wagyū Beef und Bûche de Noël - typisch bürgerliches Weihnachtsessen gibt es bei Sterneköchin Léa Linster heute nicht. Bei Würstchen an Kartoffelsalat rümpfe sie aber auch nicht die Nase, sagte Linster im Deutschlandfunk. Denn dabei komme es gar nicht so sehr auf die Würstchen an.

Léa Linster im Gespräch mit Christine Heuer

Die Luxemburgische Sterneköchin Lea Linster (ein Michelin-Stern) gewann bisher als einzige Frau den Bocuse d'Or, eine der höchsten Auszeichnungen für Köche. (dpa / picture-alliance / Xamax)
Die Luxemburgische Sterneköchin Léa Linster (ein Michelin-Stern) gewann bisher als einzige Frau den Bocuse d'Or, eine der höchsten Auszeichnungen für Köche. (dpa / picture-alliance / Xamax)
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Léa Linsters 24-jähriger Sohn kocht in diesem Jahr für seine Familie: Wagyū-Rind - das teuerste Rindfleisch der Welt. Es schmecke "sehr besonders", deshalb lande nur wenig Fleisch auf dem Teller. Vorweg ein Trüffel-Risotto und "eine gute Suppe". Damit zum Fest kein Stress aufkomme, empfehle sich eine rechtzeitige Planung und Beilagen mit vergleichsweise wenig Aufwand.

Weihnachten müsse ein bisschen würzig durften, sagte Linster, nach Vanille, Zimt, Muskat und Nelke. Glühwein verschmähe sie aber. Weihnachtsessen, so Linster, müsse nicht schwer sein. "Essen wird nur schwer, wenn man es nicht richtig gekocht hat." Für ein gutes Essen sei schließlich auch wichtig, welche Gäste man einlädt. "Die müssen genauso gut ausgewählt sein wie die Gans."


Das Interview mit Léa Linster in voller Länger:

Christine Heuer: Schenken, streiten oder besser nicht? Essen, das aber auf jeden Fall! All das gehört zu Weihnachten. Wir greifen uns heute den sinnlichsten Aspekt heraus, das Essen, und sprechen darüber mit Léa Linster. Die Sterneköchin aus Luxemburg hat Anfang der 80er-Jahre die väterliche Tankstelle mit angeschlossenem Bistro, Kegelbahn und Tabakwarenladen zu ihrem ersten Restaurant umgebaut. Seitdem ist sie aus der europäischen Spitzengastronomie nicht mehr wegzudenken und übrigens auch nicht aus dem deutschen Kochfernsehen. Ich freue mich, dass Sie sich heute früh Zeit für uns nehmen, guten Morgen, Léa Linster!

Léa Linster: Guten Morgen!

Heuer: Wir erreichen Sie in Ihrem Restaurant, obwohl Sie heute geschlossen haben. Sind Sie da wirklich ganz alleine jetzt in Ihrer Restaurantküche?

Linster: Ja, weil da habe ich das beste Telefon! Ich bin jetzt da und mache schon mal ein paar Sachen für heute Abend.

Heuer: Was planen Sie für heute Abend zum Essen?

Linster: Also, ich habe es gut, ich brauche nur diese Bûche de Noël, also diese Weihnachts ... [Anm. d. Red.: Weihnachtsbaumstamm], diesen Kuchen zu machen. Denn mein Sohn wird das Essen kochen.

Heuer: Ach, das ist ja interessant! Wie alt ist der?

Linster: Der ist 24 und der hat sich ja im November dazu entschieden ... Also, letztes Jahr schon im November hat er sich dazu entschieden, das Restaurant mit mir weiter zu machen und auch dann das Geschäft zu übernehmen.

Hauptgang Wagyū Beef

Heuer: Wie schön! Er hat von Ihnen kochen gelernt, was wird er heute Abend auf den Tisch bringen?

Linster: Ja, er hat sich ein ... Es war sein Wunsch, er wollte dieses besondere Rindfleisch haben, diesen Wagyū Beef. Hat er sich kommen lassen von einem unserer Lieferanten. Und dann wird es als Hauptgericht so dieses Beef werden, nicht viel, denn das ist ja sehr, wie soll ich sagen, sehr besonders. Und vorher gibt es dann ein Risotto mit ein paar Trüffeln drauf und vorher noch eine gute Suppe.

Heuer: Klingt gut, wäre ich auch gern dabei!

Linster: Ja!

Heuer: Frau Linster, Sie haben Lieferanten, das haben Sie gerade erwähnt. Andere müssen heute ganz viel einkaufen und sind vielleicht im Stress mit den Vorbereitungen und mit der Mühe, alles zur rechten Zeit auf den Tisch zu bringen. Haben Sie einen Tipp, wie man diesen Stress an Heiligabend verhindern kann?

Für "Zwischendurch": Risotto

Linster: Ja, also, ich würde sagen, das Beste wäre, man macht es dann, wie mein Sohn das gemacht hat: Der hatte das schon länger geplant, was er uns heute Abend da zubereiten möchte, und so hat er sich organisiert ein bisschen. Also, wenn man alles auf den letzten Drücker lässt, dann wird es natürlich ein bisschen stressig. Aber hat auch so seinen Charme, mal gucken, was dabei herauskommt. Wenn es sein muss, kann man es auch so machen. Aber er ist viel organisierter als ich, und daher ... Er hat mir gesagt, er hat keinen besonderen Stress, sondern macht das planmäßig. Und auch, dass er zwischendurch so ein Gericht macht, wo er weniger abhängig ist von Lieferanten oder von Produkten, macht er dieses gute Risotto. Das ist eine Tradition, was immer hervorragend ist, und dafür braucht man nicht so viel Einkäufe zu machen. Und so kann man sich auf das Hauptgericht konzentrieren. Das würde ich auch so machen, dass man, wenn man schon mal die richtige Gans oder den richtigen Braten gefunden hat, dann wird es schon lockerer.

Heuer: In Deutschland ist ja der Heiligabend Klassiker Würstchen mit Kartoffelsalat. Rümpft die Spitzenköchin da die Nase?

Blutwurst und mit Apfelmus

Linster: Nein, gar nicht! Früher war das hier bei uns, wenn die Leute aus der Kirche kamen, gab es die Blutwurst und dann mit Apfelmus. Habe ich auch sehr geliebt. Also, ich muss Ihnen sagen, ich rümpfe bei so was mit Sicherheit nicht die Nase. Es kommt weniger auf die Würstchen an als auf die Leute, mit denen man sie zusammen genießt!

Heuer: Frau Linster, apropos Nase: Wie muss Weihnachten riechen?

Heute Vanillekipferl backen

Linster: Ja, also, Weihnachten muss schon ein bisschen würzig duften, so nach feinem Lebkuchen ... Oder was ich auch sehr gerne habe, also, eigentlich sollte man heute die Vanillekipferl backen, dann riecht das ganz zauberhaft im Hause. Diesen Vanillegeruch mag ich, aber auch Zimt und dann Muskat und Nelke. Das liebe ich heute. Aber ich mache das nicht gerne in den Wein, ich mag keinen Glühwein, davon bekomme ich Sodbrennen!

Heuer: Es gibt ja auch ganz wenig guten Glühwein, muss man auch selber machen!

Linster: Ja, eben, ja, den muss man schon selber machen! Aber wenn man dann richtig guten Wein hat, dann trinke ich den lieber so!

Heuer: Heiligabend, Frau Linster, ist ja jetzt der Auftakt. Es gibt zwei Weihnachtstage danach. Kochen Sie da Klassiker, Gans, Ente, Rotkraut, Knödel?

Linster: Ja, also, am Tag danach, morgen gibt es bei uns eine gute Bouneschlupp und da liegen dann die Würste drin.

Heuer: Bouneschlupp müssen Sie uns sagen, was das ist, das klingt luxemburgisch!

Bürgerliches zum Festtag

Linster: Bouneschlupp ist unsere Bohnensuppe, und das ist dann diese runden Bohnen, die werden so geschnitten. Also, in Deutschland sagt man, glaube ich, nennt man das im Saarland Schnippelsches-Suppe. Und da sind auch Kartoffeln drin und Zwiebeln und Porree und ein bisschen Sellerie, und dann kommen nachher diese Würste rein, Mettwurst und auch diese normalen Würstchen, wie ihr sie heute Abend esst mit dem Kartoffelsalat!

Heuer: Das ist interessant! Muss Weihnachtsessen eigentlich schwer sein?

"Essen wird nur schwer, wenn man es nicht richtig gekocht hat"

Linster: Nein, auf keinen Fall. Denn ich glaube, es ist wichtig, dass es nicht schwer ist. Und wenn, also ... Ich glaube sowieso, Essen wird nur schwer, wenn man es nicht richtig gekocht hat. Also auch so Sachen, die den Ruf haben, schwer zu sein, wenn die richtig zubereitet sind, sind die gar nicht mehr schwer, sondern sind auch bekömmlich. Und man sollte sich - das hat man ja meistens am Weihnachtsabend - man hat Zeit, schön ruhig zu essen. Dann ist das auch eh bekömmlicher, wenn man sich die Zeit nimmt und dieses gute Essen richtig genießt. Dann ist es nicht mehr so schwer.

Heuer: Und vielleicht einen schweren Rotwein dazu, das hilft dann auch.

Linster: Damit man nachher gut schlafen kann, ja!

Heuer: Was, Frau Linster, ist das Wichtigste beim Weihnachtsessen, was darf auf keinen Fall fehlen?

Gäste genauso gut auswählen wie die Gans

Linster: Auf keinen Fall dürfen die Gäste fehlen. Also, die müssen schön, die müssen genauso gut ausgewählt sein wie die Gans. Man sollte zusammen essen mit denen, die man wirklich liebt, und Freunde und Familie um sich haben, mit denen man richtig gerne isst. Und ansonsten, glaube ich, hat jeder etwas, wo er denkt, das ist für mich Weihnachten. Und für mich ist Weihnachten halt, dass wir dann privat essen und ja, ein bisschen schönes Kerzenlicht muss dabei sein.

Heuer: Es gibt ja Menschen, die heute alleine feiern müssen. Wen würden Sie einladen, wenn Sie keine Familie hätten?

Linster: Ich habe das schon mal gemacht sogar. Ich habe dann einfach denjenigen, der gekommen ist und der gesagt hat ... Es ist ja bei mir auch ein bisschen einfacher: Wenn ich hier das Licht im Restaurant an habe, dann besteht die Chance, dass einer so daherkommt. Und dann kam ein Freund was abholen. Da sage ich, ist das für heute Abend? Er sagt, nein, es ist erst für morgen. Dann habe ich gesagt, so, dann feiern wir jetzt zusammen, hier. Und er war dann auch ganz froh. Aber das ist dann schon eher Zufall. Aber man soll so eine kleine Idee haben im Falle, wo, würde ich mir ... Ich hätte auch die Courage, mir einfach einen von draußen reinzuholen und zu sagen, so, jetzt feiern wir!

Heuer: Ein schöner Tipp zu Weihnachten! Die Luxemburger Spitzenköchin Léa Linster, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch, Frau Linster, und ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten!

Linster: Ja, ich bedanke mich auch ganz herzlich und wünsche ganz frohe Weihnachten und auch für alle Zuhörer einen ganz guten Appetit und ein schönes Fest!

Heuer: Danke!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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