Auszeichnung
Fields-Medaille an junge Mathematiker aus China, den USA und Kanada

Die Fields-Medaille gilt als Nobelpreis der Mathematik. Mit ihr werden in diesem Jahr vier junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus den USA, Kanada und China ausgezeichnet. Sie alle werden für die Lösung von Problemen geehrt, die das Fach seit Jahrzehnten beschäftigt haben.

    Die Preisträger: die Mathematiker Yu Deng aus China, John Pardon aus den USA, Jacob Tsimerman aus Kanada und die Mathematikerin Hong Wang sitzen auf der Bühne. Sie alle tragen Anzüge und habe die Urkunde in ihren Händen.
    Die diesjährige Verleihung der Fieldsmedaille in Philadelphia. (AFP / ERIN BLEWETT)
    Die Preisträger sind alle unter 40 Jahren und haben laut der Jury "außergewöhnliche Entdeckungen" gemacht. Mit Hong Wang aus China wird erneut eine Frau geehrt, erst die dritte seit der ersten Verleihung des Preises im Jahr 1936. Die 35-Jährige, die in Frankreich und den USA lehrt, hat die Kakeya-Vermutung aus dem Jahre 1917 gelöst.
    Hong erklärte der Nachrichtenagentur AFP, damals habe der japanische Mathematiker Soichi Kakeya eine ganz einfache Frage gestellt: "Wenn man einen Bleistift so dreht, dass er eine vollständige Umdrehung vollführt, wie groß ist dann die kleinste Fläche, die er dabei überstricht?" Die Antwort scheint naheliegend: Wenn er 10 Zentimeter lang ist, dann einen Kreis mit 10 Zentimetern Durchmesser. Die Antwort ist aber falsch. Kakeya vermutete, man kann ihn auch in viel, viel kleineren Räumen drehen, etwa wenn man ihn ein Stück verschiebt, dreht, und wieder verschiebt. Kakeyas Frage bewegt sich an der Schnittstelle von Geometrie, Analyse und Differenzialgleichung. Sie galt lange als eines der wichtigsten und am intensivsten erforschten Probleme der modernen Mathematik. Hong löst die Frage für den dreidimensionalen Raum, weiter ungelöst ist die Frage für 4D und höher.

    David Hilberts sechstes Problem ist keines mehr - dank Yu Deng

    Wangs Landsmann Yu Deng befasste sich mit dem sogenannten sechsten Problem des deutschen Mathematikers und Physikers David Hilbert aus dem Jahre 1900. Es fordert, die Gesetze der Physik – genauer gesagt den Übergang von der ungeordneten Bewegung von Gas- und Flüssigkeitsteilchen hin zu den makroskopischen Strömungsgesetzen – auf ein lückenloses, rein mathematisches Regelwerk zu stellen.
    Der US-Amerikaner John Pardon befasste sich unter anderem mit einem Problem des französisch-russischen Mathematikers Michail Gromov zur Knotentheorie aus dem Jahr 1983. Hierbei geht es um die sogenannte Verzerrung (Distortion) von Knoten, also das Verhältnis zwischen dem direkten Abstand zweier Punkte im dreidimensionalen Raum und ihrer Entfernung entlang der Kurve des verknoteten Seils.

    Fields-Medaille wird alle vier Jahre vergeben

    Der Kanadier Jacob Tsimerman wurde für seine Arbeit zur André-Oort-Vermutung von 1989 ausgezeichnet. Hierbei geht es darum, dass die Arithmetik, also Zahlenverhältnisse, und die Geometrie (algebraische Formen) tief miteinander verwoben sind. Der Franzose Yves André und der Niederländer Frans Oort vermuteten, dass in bestimmten Formen bestimmte Punkte niemals rein zufällig verteilt sind, sondern immer einem geordneten Muster folgen.
    Die Fields-Medaille wird alle vier Jahre auf dem Kongress der Internationalen Mathematischen Union (IMU) verliehen. Trotz Protesten fand die Verleihung in Philadelphia statt.
    Diese Nachricht wurde am 25.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.