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Eine trächtige Kampfkuh für Sepp Blatter

Jedes Jahr lädt die Heimatgemeinde von Sepp Blatter zu einem nach ihm benannten Fußballturnier. Es geht zünftig zu und normalerweise erscheint neben dem Ehrengast auch Fußballprominenz - nicht aber so in diesem Jahr. Dennoch wurde Blatter dort umjubelt. Der FIFA-Chef selbst genoß es - und stichelte gegen Konkurrenz.

Von Hans-Jürgen Maurus | 24.08.2015
    FIFA-Präsident Sepp Blatter mit der ihm geschenkten Kampfkuh Colombo in seiner Heimatstadt Ulrichen.
    FIFA-Präsident Sepp Blatter mit der ihm geschenkten Kampfkuh Colombo in seiner Heimatstadt Ulrichen. (AFP / Fabrice Coffrini)
    Ein Fußballspiel, zahlreiche Fans, ein tierisches Geschenk und ein Giftpfeil für einen ehemaligen Freund. Wenn FIFA-Boss Sepp Blatter zum alljährlichen Sepp-Blatter-Turnier auf dem Sepp-Blatter-Fußballplatz im Kanton Wallis einlädt, geht es zünftig zu. Bratwürste brutzeln, Bier und Fendant fließen, der Raclettekäse zieht Fäden. Und Prominente von Franz Beckenbauer bis Michel Platini sind normalerweise auch alljährlich dabei.
    Doch am vergangenen Wochenende fehlte die Prominenz. Gleichwohl ließ sich Blatter dieses Heimspiel heuer in Ulrichen im Bezirk Goms schon deshalb nicht entgehen, weil er im Wallis immer noch der König ist. Fußball ist dabei eher Nebensache, auch wenn auf dem Rasen gekickt wird. Es ist die Blatter-Show. Hier wird der noch FIFA-Boss umgarnt, komplimentiert, umlagert. Die Fans jubeln, wollen Autogramme und Selfies. Blatter, unrasiert, mit Sonnenhut und in Jeans, ist in seinem Element.
    650 Kilo schwere Kampfkuh als Geschenk
    Zudem er vom Obergomser Gemeinderat Pius Zumoberhaus auch noch eine Kampfkuh als Geschenk erhält. Walliser Kampfkühe sind berühmt - und die Geschenkkuh trägt wie alle Kampfkühe einen männlichen Namen, nicht Seppi, sondern Colombo. Colombo ist sechsjährig, wiegt 650 Kilo und ist trächtig. Colombo ist reinrassig, erklärt der Gemeinderat, und: sie hat Kampferfahrung. Wie Blatter. Colombos Charakter: Nie aufgeben. Auch das passt zu Blatter. Ob er jetzt angesichts des trächtigen Prachtexemplars bald Züchter wird, fragt man den noch FIFA-Chef:
    "Wenn ich jetzt solch eine Ringkuh bekommen, und die noch Kinder bekommt, dann könnten wir doch schauen, ob wir nicht einen sogenannten Ecuri aufbauen, wie die Formel 1 machen wir hier mit Stechkühen. Das wäre möglich."
    Seitenhieb auf Platini
    Ein Formel-1-Kampfkuh-Stech-Turnier, Ideen hat der Seppi immer noch - und Sponsoren würde er wohl auch locker finden, zumal Formel-1 Chef Bernie Ecclestone fast in Rufweite entfernt wohnt. Auch im Wallis ist man sich noch nicht so sicher, ob Blatter nun wirklich den FIFA-Thron räumt oder nicht. Blatters erster Seitenhieb folgt prompt:
    "Ich habe gesagt, ich stelle mein Mandat zur Verfügung und wir sollen miteinander jetzt mit dieser kleinen und wichtigen Reform vorwärtsgehen und dann eine Wahl machen für den Präsidenten. Dazu stehe ich."
    Kleine Reform? Reformen, und zwar richtige - das war doch bisher das große Mantra. Blatter als der Topreformer. Über potenzielle Nachfolger wollte sich Seppi nicht äußern, einen Giftpfeil schoss er aber dennoch auf den Kandidaten und früheren Freund Michel Platini ab. Ob Platini mit Leichen im Keller geeignet sei, wird Blatter gefragt. Da bin ich überfragt, so der FIFA-Präsident, in die Wahl mische ich mich nicht ein, doch dann: die Leichen werden ja untersucht. Ja, auch im Wallis kann man Giftpfeile verschießen.