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StartseiteSport AktuellNach dem Tod von "Don Julio"31.07.2014

FIFANach dem Tod von "Don Julio"

Die Nummer Zwei des Weltfußballs, Julio Grondona, ist bei einer Herzoperation gestorben. Was bedeutet sein Tod für die Arbeit des Weltfußball-Verbands FIFA?

Von Thomas Kistner

Julio Humberto Grondona ist Präsident des argentinischen Fußballverbandes und Fifa-Vizepräsident. (picture alliance / dpa - Enrique Rosito)
Wie geht es weiter nach dem Tod von Julio Grondona? (picture alliance / dpa - Enrique Rosito)
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Alle nannten ihn "Don Julio". Und tatsächlich verkörperte niemand den Typus Fifa-Funktionär besser als Julio Grondona, der sein Lebensmotto auf einem protzigen Siegelring trug: "Todo pasa – alles geht vorbei". Am Mittwoch ist Don Julio, Nummer Zwei des Weltfußballs hinter Sepp Blatter, in Buenos Aires bei einer Herzoperation gestorben.

Affären pflasterten Grondonas Weg. 1979, nach dem WM-Erfolg im eigenen Land, riefen ihn Argentiniens Militärs an die Spitze des Nationalverbandes Afa. 1988 rückte er in den Fifa-Vorstand ein. 1998 machte ihn der neue Präsident Blatter zum Chef der Kernbereiche: Der Finanz- sowie die TV- und Marketingkommission. Fortan galt Grondona als Einziger, der das größte Fifa-Geheimnis kennt: Blatter Bezüge.

Wie viele Funktionäre, gelangte Grondona über das Ehrenamt im Weltfußball zu enormen Reichtümern. Über ein globales Firmenimperium beherrschte der einstige Betreiber eines Eisenwarenladens den Fußballmarkt Südamerikas.

Ende 2011 verlangte ein Bundesrichter in Buenos Aires Einblicke in mutmaßliche Konten Grondonas bei Argentiniens Zentralbank sowie bei Geldhäusern in der Schweiz, Spanien und den USA. Auch die Finanzaufsicht ermittelte fortan rund um den Fifa-Granden; es geht um Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Grondona wies alle Vorwürfe zurück. Auf Auszügen der von Sohn, Frau und Freunden geleiteten Strohfirmen fanden sich Schweizer und karibische Geldhäuser, dazu die Bank of America. Die Addition der Summen ergab mehr als 100 Millionen Dollar.

Die Frage, woher das Geld stammte, beschäftigt wohl auch Michael Garcia. Der Fifa-Chefermittler geht dem Verdacht nach, dass Fifa-Funktionäre für die WM-Vergaben an Russland und Katar bestochen wurden. Gerade im Fall Katar wird Grondonas Nationalverband Afa oft genannt. Zu einer kolportierten Summe von 78 Millionen Dollar an die Afa erklärte Katars Bewerberchef Hassan Al-Thawadi 2011, dieser Betrag sei bei einer Profilrecherche zu Grondona als Defizit der Afa festgestellt und intern als Hilfsleistung vorgeschlagen worden – man habe ihn aber nie bezahlt.

Vor Monaten scheiterte Grondonas Versuch, die Ermittlungen Garcias zu beenden. Auch in den Fifa-Ticketgeschäften, die zuletzt bei der WM in Brasilien Schlagzeilen machten, spielte Grondona stets eine sinistre Rolle.

Bis 4. August hat die Afa wegen des Trauerfalls Grondona alle Aktivitäten abgesagt. Auf ihrer Homepage tat sie kund, dass Papst Franziskus, das argentinische Oberhaupt der katholischen Kirche, für den Verstorbenen bete. Chef der Afa wäre Grondona noch bis 2015 gewesen. Als er 2011 wiedergewählt wurde, zeigte ein Fernsehsender ein heimlich gedrehtes Video, auf dem Grondona einem Geschäftsrivalen mit Mord drohte. Grondona kratzte es nicht. Er sagte: "In 32 Jahren hatte ich mehr Klagen als Al Capone. Nie wurde ich bestraft!"

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