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StartseiteCorsoKino zum Mitmachen in München27.10.2014

"Filmtrip"Kino zum Mitmachen in München

"Filmtrip" heißt eine Veranstaltung in München, die eine Mischung aus Live-Rollenspiel und Film-Performance ist. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Kino wird körperlich erfahrbar, der Zuschauer zum Akteur.

Von Andi Hörmann

Teilnehmerin: "Ich war Blue Eyed Jane. Ich war im Knast. Ich habe Whiskey getrunken. Und ich hab Bohnen gegessen beim Schamanen. Und der Schamane hat mich auch gebrieft, dass hier jetzt dann auch noch etwas anders ist als es auf den ersten Blick scheint."

Wo bin ich? Lost. Realität oder Fiktion? Egal. Die Grenzen verschwimmen, lösen sich auf, im Rauch der Colts, der Friedenspfeife, der staubigen Sporen-Stiefel. Und der Soundtrack tut das Übrige, er erweckt die Bilder zum Leben.

Teilnehmerin: "Viele Tote, die dann auch wieder untot waren, und ein großes Finale habe ich erlebt."

Teilnehmer: "Ich habe schon richtig mitgespielt, weil sonst wird es ja langweilig."

Sprachlos und euphorisiert kommen sie zurück in die nüchterne Realität, die ersten Teilnehmer am Filmtrip. Klar, schließlich steckten sie gerade noch in einer handfesten Saloon-Schlägerei.

"Filmtrip" holt das Kino in die Realität 

"Filmtrip" hat sich Benjamin Mathias ausgedacht. Die letzten Jahre hat er zusammen mit Freunden mit der außergewöhnlichen Zombocombo-Partyreihe das Live-Hörspiel in den Club geholt, jetzt holen sie das Kino in die Realität. Die Vorlage liefert ein Spielfilm. Welcher das ist, bleibt erst mal geheim! Und der Zuschauer, er wird zum Teilnehmer, zum Akteur in dieser Mischung aus Live-Rollenspiel und Film-Performance.

Benjamin Mathias: "In der Regel ist es so: Bei zehn Leuten machen das drei, vier sind so halb dabei und drei ziehen sich zurück und schauen sich das nur an. Und das finde ich auch eine gute Mischung. Es ist toll, wenn alle mitmachen, es ist aber auch vollkommen okay, wenn sich das Leute einfach nur anschauen und kucken wie die drei, vier anderen aufblühen."

Teilnehmer: "Die Weste von meinem Dad, ein Hemd vom Fasching, dann eine normale Jeans und Stiefel von meinem Onkel - das habe ich mir alles gestern noch schnell zusammengesucht."

John-Wayne-Halstuch, Clint-Eastwood-Cowboyhut, stylischer Revolverheld mit allem Pipapo. Das Outfit muss stimmen, alles andere ergibt sich - auf dem Trip, hinein in den Film.

Benjamin Mathias: "Wir sind hier auf einem Areal in München, das so gut wie keiner kennt, und spielen hier einen Film nach - wie als wäre man in dem Film drinnen."

"Man steigt so ein, dass man sich ein Ticket kauft - wir haben einen Online-Shop, daraufhin bekommt man zwei E-Mails. Die erste beschreibt Filmtrip an sich, was so die Rahmenbedingungen sind: Zum Beispiel ist es erst ab 18, man wird sein Handy abgeben müssen, man ist für diese paar Stunden wirklich weg von der realen Welt. Und in der zweiten E-Mail wird man dann schon im Ton des Genres angesprochen."

Location und Film bleiben zunächst geheim

Die Location bleibt wie der Film erst mal geheim. Zur vereinbarten Zeit werden die Teilnehmer von der U-Bahn abgeholt, von da an beginnt der Filmtrip, die Reise in den Film.

Die Saloon-Tür knallt ins Schloss! Die Dramaturgin Jessica Glause setzt das Drehbuch in Szene, erweitert es um neue Handlungsstränge, verästelt die Story und verwandelt so den Film in ein abenteuerliches Mitmach-Theater.

Jessica Glause: "Gerade sind wir an der Feuerstelle. Die Feuerstelle in unserem Western wird okkupiert von dem Schamanen. Der Schamane ist zum Beispiel eine Figur, die nicht in dem Film vorkommt. Und er ist so der Mittler zwischen den Welten. Das heisst, den brauchen wir in unserem Filmtrip diesmal, dass er bestimmte Informationen den Gästen gibt und sie immer wieder auch ins Geschehen zurückholen kann - letztendlich so ein versteckter Agent."

Der "Filmtrip" erinnert uns wieder daran, was wir während unserer Kindheit in der Erwachsenen-Welt so bitter vermisst haben: mit spielerischer Leichtigkeit aus dem Alltag ausbrechen, der Fantasie freien Lauf lassen, das Eintauchen in verwunschne Welten - Cowboy und Indianer, wo die wilden Kerle wohnen. Der Alltag holt uns eh wieder ein!

Jessica Glause: "Ich glaube, so tief taucht man leider nicht ein, dass man das reale Leben so sehr vergisst."

Infos zum "Filmtrip

Ein Western-Science-Fiction-Klassiker aus dem Jahr 1973 steht in diesem Jahr auf dem Programm.

An folgenden Terminen findet der "Filmtrip" statt: Mi. 29.10., Fr. 31.10., Mi. 05.11., Fr. 07.11., So. 09.11., jeweils von 18:15 bis 23:00 Uhr.

Das Ticket kostet 30 Euro. Um die 50 Leute können pro Abend mitmachen. Am Ende des Abends schauen sich die Beteiligten gemeinsam den nachgespielten Film an.

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