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StartseiteWirtschaft am MittagBaFin verbietet Verkauf eines riskanten Produktes09.05.2017

FinanzmarktBaFin verbietet Verkauf eines riskanten Produktes

Die Bankenaufsichtsbehörde BaFin hat erstmals den Verkauf eines Anlageproduktes an Privatkunden verboten. Die Begründung: Die Papiere seien zu riskant. Private Anleger könnten mit ihrem Erwerb im Krisenfall nicht nur ihr angelegtes Kapital, sondern auch ihr privates Vermögen verlieren.

Von Michael Braun

Kurs-Chart mit Euro-Münzen (imago / Blickwinkel )
Aktien und Wertpapiere werden in Depots gebucht. (imago / Blickwinkel )
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Der Kampf gegen die Krise gebiert die Gefahr neuer Krisen. Die niedrigen Zinsen, das Mittel gegen die Folgen der Finanzkrise von 2008, verführt schon wieder zu risikoreichen Anlagen. Die Bankenaufsicht BaFin hat gestern erstmals ein Anlageprodukt verboten. Es seien Papiere

"wie Glückspiel – mit dem entscheidenden Unterschied, dass Sie dabei nicht nur Ihr eingesetztes Kapital verlieren können, sondern auch Teile Ihres restlichen Vermögens. Je nach Hebelwirkung sogar Ihr gesamtes Hab und Gut."

So Elisabeth Roegele, die in der BaFin zuständige Direktorin für die Wertpapieraufsicht. Es trifft nicht die Masse – nur rund 130.000 Privatanleger. Aber es sieht für die BaFin aus wie ein Anfang, dem sie früh Grenzen setzen will.

Auf die Finger geschaut

Auch in der Versicherungsaufsicht guckt sie den Unternehmen auf die Finger. Manche verkaufen ihre Kunden, weil ihnen die garantierten Versicherungsleistungen im Niedrigzinsumfeld zu teuer werden. Frank Grund, in der BaFin zuständig für die Versicherungsaufsicht, warnt die Versicherer, die Trennung vom Versicherungsbestand sei kein Allheilmittel:

"Die gesetzlichen Hürden sind so hoch, dass sich eine Übertragung für den Käufer selten lohnt. Denn die BaFin wird die Belange der Versicherten wahren, und das kann für die Übernehmer teuer werden."

Vorsicht lässt die BaFin auch in der Bankenaufsicht walten. Die Folgen der Niedrigzinsen fräßen sich langsam aber sicher in die Bankbilanzen, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld:

"Je länger es dauert, desto stärker belastet es die ohnehin schwache Ertragslage der deutschen Banken – vor allem der Häuser, deren Hauptertragsquelle der Zinsüberschuss ist, was bekanntlich bei der übergroßen Mehrheit der Institute der Fall ist."

Es dürfte sich vor allem um Sparkassen und Genossenschaftsbanken handeln. Denn diese kleinen und mittleren Institute vor allem werden von der BaFin beaufsichtigt, nicht von der Europäischen Zentralbank. Hufelds Kollege Raimund Rösler will verhindern, dass die Banken eine mögliche Immobilienblase mit großzügigen Krediten noch befeuern:

"Wir wollen erkennen, ob institutsspezifische oder gar systemische Risiken entstehen."

BaFin-Präsident warnt vor Klagen

BaFin-Präsident Hufeld mahnte die Kundschaft, nicht nur zu klagen, wenn die Banken nach anderen Ertragsquellen suchten, auch durch höhere Preise:

"Wer Kunde einer gesunden Bank oder Sparkasse sein will, muss akzeptieren, dass das Institut aufwandsgerechte Preise verlangt und neue Ertragsquellen erschließt, wenn alte versiegen."

So sei das nun mal in Unternehmen und Branchen, die Veränderungen ausgesetzt seien.

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