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Fisch droht zur unbezahlbaren Delikatesse zu werden

Fisch wird immer beliebter, aber in den Weltmeeren auch immer knapper. Dass das auf Dauer zu steigenden Preisen führen muss, ist jedem klar. Davon geht auch die deutsche Fischindustrie aus. Denn die Entwicklung der Fangbestände bleibt hinter der wachsenden Nachfrage zurück.

Von Verena Herb | 07.09.2011

    Hieß es früher oft "Freitags kommt der Fisch auf den Tisch", schmeckt er heute jederzeit. Der Verbrauch in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, sagt Matthias Keller, Geschäftsführer des Fisch-Informationszentrums in Hamburg:

    "Im Jahr 2010 können wir einen neuen Rekord verkünden. 15,7 Kilogramm pro Kopf Fanggewicht wurden an Fisch und Meeresfrüchten verzehrt. Das ist auch in der Langfristdarstellung ein hervorragendes Ergebnis."

    Die Nachfrage steigt: Das wird langfristig Auswirkungen auf die Preise haben, ist sich Matthias Keller sicher.

    ""Denn wir stellen fest, es sind immer mehr Menschen, die Fisch essen möchten. Die Entwicklung der Fangbestände geht nicht im gleichen Maße, wie die Weltbevölkerung wächst. Das heißt, wir haben eine stärkere Nachfrage, als wir Angebot haben. Deshalb ist langfristig mit einer stärkeren Preistendenz zu rechnen.""

    1,28 Millionen Tonnen Fisch und Fischereierzeugnisse wurden im Jahr 2010 in der Bundesrepublik Deutschland gegessen. Klare Favoriten: Alaska-Seelachs, Hering, dann Lachs, Thunfisch und Pangasius. Vor allem der Pangasius wird in Aquakulturen gezüchtet. Ein Trend, der sich nach Meinung der Fischwirtschaft auch weiter verbreiten wird. Von den 100 Millionen Tonnen Fisch weltweit werden bereits 65 Millionen Tonnen in Aquakulturen herangezogen – Tendenz steigend. Denn die EU pusht diese Entwicklung, will sie doch eine planbare Fischproduktion evozieren. Matthias Keller:

    "Ich denke aber, mit den Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Fischerei in den nächsten Jahren wird es auch möglich sein, wieder mehr Seefisch zu bekommen. Sodass ich mir vorstellen kann, dass es dort einen gewissen Gleichlauf geben könnte. Es wird zumindest in Deutschland der Seefisch nach wie vor die Überhand haben. Aber es werden immer mehr Aquakulturprodukte kommen."

    Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen: Die Deutschen kaufen den Fisch am liebsten aus der Gefriertheke: Während Frischfisch nur einen Marktanteil von acht Prozent hat, liegt der Anteil der Tiefkühlware bei 34 Prozent. Fischkonserven liegen mit 26 Prozent auf dem zweiten Platz. Nach Aussage des Fischinformationszentrums wird jedes zweite Fischprodukt im Discounter gekauft.

    ""Die Ware, die dort angeboten wird, kann so günstig angeboten werden, weil sie in großen Mengen bereitgestellt wird. Und Sie können davon ausgehen, dass die Qualität genauso gut ist wie in jedem anderen Bereich. Denn man kann sich hier aufgrund der Größen gar keine Schwächen erlauben. Eher noch, muss man sagen, sind die Discounter auch Antreiber im Absatz von nachhaltig gefangenen Fischen. Sie werden sehen, in vielen Discountern ist das MSC, das Kennzeichen für den nachhaltigen Fischfang, sehr präsent.""

    Die Nachfrage wird steigen, der Fisch wird teurer – doch dass er in die Riege preisintensiver Delikatessen aufsteigt, davon ist nach Meinung des Fischexperten Keller nicht auszugehen.