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StartseiteUmwelt und VerbraucherEin vegetarischer Metzger startet durch04.10.2017

Fleischersatz auf PflanzenbasisEin vegetarischer Metzger startet durch

Einst war er überzeugter Fleischesser, dann kam 1997 die Schweinepest und nahm ihm das Vertrauen in die Massentierhaltung. Mittlerweile ist der niederländische Bauer Jaap Korteweg ein erfolgreicher Produzent von Fleischersatzprodukten, die sogar über Metzgereien vertrieben werden.

Von Kerstin Schweighöfer

Vegane und vegetarische Wurstersatzprodukte: Vegetarischer Fleischersatz ist gefragt. (imago/epd)
Vegane und vegetarische Wurstersatzprodukte: Vegetarischer Fleischersatz ist gefragt. (imago/epd)
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Auf den ersten Blick scheint der Kunde eine ganz normale Metzgerei zu betreten. Waage auf dem Ladentisch, Messer, Wurstschneidemaschine – alles da. Auch der Inhalt des Kühlregals lässt Barbecue-Fans sofort das Wasser im Munde zusammenlaufen:

Bratwurst und Geflügelspieße, Buletten, Hamburger. Sogar Thunfisch und Calamari fehlen nicht. Was braucht es mehr für einen gelungenen Grillabend?

"Wir brauchen dreimal weniger Wasser, Futter und Dünger"

Dafür eignen sich die Gaumenfreuden, die Jaap Korteweg in seinem conceptstore in Den Haag feilbietet, in der Tat. Bloß: Alles ist auf pflanzlicher Basis hergestellt. Der 54-jährige Bauer setzt vor allem auf Lupinen, kombiniert mit Sojabohnen, Erbsen und Getreide. Seine Produkte entstehen ohne Tierleid. Und sie belasten die Umwelt auch nicht so extrem wie die Fleischindustrie. 

"Wir brauchen zweimal weniger Landbaugrund. Und dreimal weniger Wasser, Futter und Dünger", erklärt er und holt eine Packung mit englischen Frühstückswürstchen aus der Kühlvitrine, die Little Willies:

"Das ist eines unserer neuesten und beliebtesten Produkte. Und das sind unsere Speckwürfel. Viele Menschen finden sie leckerer als echte Speckwürfel."

Vegetarische Slager steht auf allen Verpackungen - vegetarischer Metzger, so heißt das Unternehmen, das Korteweg am Welttierschutztag 2010 gegründet hat. Sein Ziel: Spezialitäten, die nicht nur wie Fleischprodukte aussehen, sondern auch so schmecken.

"Viele Menschen sind fleischsüchtig. Mir ging es nicht anders, ich bin seit 20 Jahren Vegetarier, aber ich war ein überzeugter Fleischesser. Wir haben Angst vor einem fleischlosen Dasein. Und diese Angst ist so groß, dass wir rationale Argumente verdrängen."

Während der Schweinepest 1997 wurden 12 Millionen Schweine getötet

Auslöser war für Korteweg der letzte Ausbruch der Schweinepest 1997. Nirgendwo wütete die Seuche so heftig wie in den Niederlanden mit ihrer äußerst intensiven Massentierhaltung: Innerhalb von 13 Monaten wurden 12 Millionen Schweine getötet.

"Das war für mich der Moment, in dem ich mir sagte: In diesem elenden System willst du kein Mitspieler mehr sein."

Inzwischen liegt sein Jahresumsatz bei 12 Millionen Euro. Seine Fleischersatzmahlzeiten werden in 15 Ländern in Snackbars und Restaurants angeboten, in 'normalen' Metzgereien - und in Supermärkten wie Albert Heijn. Dort deckt sich auch Jannette Brouwer aus Voorschoten bei Den Haag mit Kortewegs Produkten ein:

"Ich kaufe ein- bis zweimal pro Woche für meine Familie ein Fleischersatzprodukt. Aber nicht alle sind gleich gut, da gibt es große Unterschiede. Den vegetarischen Metzger habe ich erst vor kurzem entdeckt, am besten schmeckt mir sein Hackfleisch und die Hühnerfiletstreifen. Sie kommen dem Geschmack von echtem Fleisch am allernächsten."

Jannette Brouwer sieht sich auch immer genau das Etikett mit den Zutaten an:

"Ich will keine Chemie, sondern möglichst natürliche Ingredienzien. Beim Vegetarische Slager ist das der Fall. Und die Liste der Zutaten ist verglichen mit anderen Produkten kurz. Da habe ich ein ganz gutes Gefühl."

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