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Flüchtlinge"Die Geschichte hat mich umgehauen"

Bei einer Recherche über Flüchtlinge aus Afrika wurde Comic-Zeichner Reinhard Kleist eher zufällig auf das Schicksal der somalischen Sprinterin Samia Yosuf Omar aufmerksam. Er hat ihre tragische Geschichte rekonstruiert – drei Jahre nach ihrem Tod erscheint seine Graphic Novel über ihr Leben.

Comiczeichner Reinhard Kleist im Gespräch mit Andrea Schültke | 06.04.2015

Reinhard Kleist, Grafikdesigner und Comiczeichner
Reinhard Kleist, Grafikdesigner und Comiczeichner (anjazwei.de)
Als er auf die Lebensgeschichte von Samia Yosuf Omar gestoßen sei, habe ihn diese "sofort ganz schön umgehauen, wegen dieser emotionalen Wucht, die da drin steckt", sagt Reinhard Kleist im DLF. Nach einer Internetrecherche habe er sich mit einer Journalistin von Al-Jazeera zusammengetan und Yosuf Omars Schwester besucht. Dabei habe er durchaus Skrupel gehabt aus dieser tragischen Geschichte einen Comic zu machen: "Wenn die Schwester nicht gesagt hätte, dass sie das nicht möchte, dann hätte ich es nicht gemacht." Doch die Schwester sei offen gewesen und habe sehr viele persönliche Geschichten von Samia erzählt.
"Mit dieser Geschichte den Leuten ein Gesicht geben"
Mit seinen schwarz-weißen Bildern versucht er die Atmosphäre aus Ländern wie Somalia einzufangen. Samias Gesicht ist in der Graphic Novel so gezeichnet, als sei es immer angsterfüllt. "Es war ihr nicht möglich, öffentlich zu trainieren", erklärt Kleist mit Blick auf die politischen Umstände in Somalia, wo islamistische Extremisten vielerorts das Sagen haben. Samia sei ein ganz besonderer Fall unter den Flüchtlingen aus Afrika "ihre Geschichte zu erzählen liegt eigentlich sehr nahe, weil gerade solche Leute, die alles auf eine Karte setzen, um ihren Traum zu verwirklichen, gehen uns einfach nahe."
Cover der Graphic Novel "Der Traum von Olympia. Die Geschichte von Samia Yusuf Omar" von Reinhard Kleist
Cover der Graphic Novel "Der Traum von Olympia. Die Geschichte von Samia Yusuf Omar" von Reinhard Kleist (Reinhard Kleist / Carlsen Verlag)
Samia Yosuf Omars Schicksal ist eines von vielen, er hoffe aber "dass ich über ihre Geschichte den Leuten wenigstens ein Gesicht gebe", sagte Kleist im Deutschlandfunk.
Das vollständige Gespräch können Sie als Audio-on-Demand nachhören.