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StartseiteForschung aktuellMikroskop für die Jackentasche21.12.2016

FoldscopeMikroskop für die Jackentasche

Das Mini-Mikroskop Foldscope lässt sich ganz einfach zusammenfalten und passt in jede Tasche. Es ist gerade mal so groß und flach wie eine Kreditkarte. Schon jetzt nutzen es Wissenschaftler und Schulen. Doch Foldscope-Erfinder Manu Prakash hat noch größere Pläne.

Von Michael Böddeker

(foldscope.com)
Das Foldscope ist ein Mikroskop, das sich kinderleicht falten lässt. (foldscope.com)
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Optik Mikroskop zum Falten

Die meisten Mikroskope sind nicht besonders handlich. Sie sind für den Gebrauch im Labor gedacht und brauchen unter anderem einen Stromanschluss. Dabei gibt es überall interessante Objekte, die sich untersuchen lassen.

"Ich trank gerade meinen Kaffee, und plötzlich landete ein kleines Insekt auf dem Rand meiner Tasse. Es war kleiner als eine Fliege."

Flugs zog Manu Prakash von der Stanford-Universität sein kleines, tragbares Papier-Mikroskop aus der Jackentasche und betrachtete das winzige Insekt damit.

"Und zu meiner Überraschung begann der Organismus direkt unter dem Mikroskop, Eier zu legen. So hatte ich ganz frische Proben von Eiern, die ich untersuchen konnte."

Mikroskop in der Größe einer Kreditkarte

Manu Prakash ist einer der Erfinder des tragbaren Mikroskops. Das Foldscope ist im fertigen Zustand nur etwas größer als eine Kreditkarte und fast genauso flach. Alles, was man dafür braucht, passt auf einen DINA4-Papier-Bogen, der wie beim Origami passend gefaltet wird. Die Dinge, die man damit untersuchen möchte, schiebt man auf einem Objektträger aus Papier vor die winzige Linse.

"Die optischen und elektrischen Komponenten sind schon enthalten, sodass man ein voll funktionsfähiges Mikroskop hat. Die Auflösung reicht von einigen Mikrometern bis 700 Nanometer. Und die Idee dahinter ist, das man überall ein einsatzfähiges Mikroskop dabei hat, wann immer man es braucht."

Foldscopes sollen in alle Welt verschickt werden

50.000 Foldscopes werden schon genutzt – von Forschern, Hobbywissenschaftler oder auch an Schulen. Das Geld dafür kam von Stiftungen. 50.000 Foldscopes sind aber noch lange nicht genug, so Manu Prakash: Eine Million davon sollen im Sommer 2017 in alle Welt verschickt werden. Darum läuft gerade eine Crowdfunding-Kampagne auf der Online-Plattform Kickstarter.

Das ursprüngliche Finanzierungsziel von 50.000 Dollar ist schon längst erreicht, aktuell haben tausende Menschen zugesagt, das Projekt mit insgesamt über 350.000 Dollar zu unterstützen. Beim Wachstum baut Manu Prakash auch auf die Foldscope-Community, die im Netz entstanden ist.

"Das war die meiste Arbeit. Wir wollten, dass es Nutzer gibt, die das Foldscope intensiv nutzen, und die dann Mentoren für andere Nutzer sind. Daher gibt es eine Community-Seite im Netz, wo die Nutzer ihre Ideen und Entdeckungen dokumentieren. Diese Community ist meiner Meinung nach genauso wichtig wie das Foldscope selbst. Denn darüber erreichen wir Menschen, die sonst nie die Anleitung dazu erhalten würden, selber Entdeckungen zu machen."

Auf der Website gibt es tatsächlich jede Menge neuer Entdeckungen, und auch Manu Prakash selbst postet dort regelmäßig. Kürzlich hat er zum Beispiel nach einer Expedition in Madagaskar einen winzigen Floh entdeckt, der sich in seinen Fuß gebohrt hatte.

Menschen für Mikrokosmos begeistern

Andere Nutzer hätten bereits neue Arten von Fadenwürmern entdeckt, sagt er. Oder sie nutzten das Mikroskop, um Krankheiten an Pflanzen oder auch am Menschen zu diagnostizieren. Etwa bei Infektionen mit Parasiten. Besonders wichtig sei ihm aber, die Menschen schon möglichst früh für Wissenschaft und den Mikroskosmos zu begeistern.

"Wir arbeiten auch viel mit Kindern, damit sie das Mikroskop schon früh kennenlernen, wenn sie neugierig sind und sich die Dinge selbst beibringen."

Abgesehen von dem Mini-Mikroskop arbeitet Manu Prakash gerade auch an weiteren Werkzeugen, die sich außerhalb des Labors einsetzen lassen. Nächsten Monat soll zum Beispiel ein Fachartikel über eine Zentrifuge erscheinen, die sich allein mit Muskelkraft antreiben lässt.

"Dabei nutzen wir den Mechanismus eines Spielzeugs, das es in der Menschheitsgeschichte schon seit Langem gibt. Dabei wird eine seitliche Bewegung in eine Rotation übertragen."

Man zieht dafür mehrmals hintereinander in sich verdrehte Bänder auseinander, wodurch eine in der Mitte befestigte kleine Scheibe anfängt, sich schnell zu drehen. Sehr schnell. Bis zu 125.000 Umdrehungen pro Minute sollen möglich sein.

Ziel: Ganzes Werkzeugset ohne Strom

Manu Prakashs Ziel: Am Ende soll ein ganzes Set von Werkzeugen für wissenschaftliches Arbeiten entstehen, die man einfach und ohne Stromversorgung überall nutzen kann. Das faltbare Papiermikroskop ist auf dem Weg dahin nur ein erster Schritt.

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