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StartseiteKultur heuteStimme der Mark Brandenburg24.03.2019

Fontane-JahrStimme der Mark Brandenburg

Am 30. Dezember 2019 jährt sich der Geburtstag Theodor Fontanes zum 200. Mal. In seiner Geburtsstadt Neuruppin beginnt der Event-Reigen schon früher. In ganz Brandenburg wird mit Lesungen, literarischen Wanderungen und Ausstellungen an den großen Schriftsteller erinnert.

Von Vanja Budde

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Fontane-Denkmal des Bildhauers Max Wiese in Neuruppin (imago/Manja Elsässer)
Fontane-Denkmal des Bildhauers Max Wiese in Neuruppin (imago/Manja Elsässer)
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"Im Norden der Grafschaft Ruppin, hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin und noch darüber hinaus eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung. Einer der Seen, die diese Seenkette bilden, heißt ‚Der Stechlin‘."
Theodor Fontane starb kurz vor der Veröffentlichung seines letzten Romans "Der Stechlin" im Herbst 1898. Detailgenau beschreibt er darin die Buchen, die den Stechlinsee umstehen und ihre Zweige, die "von ihrer eignen Schwere nach unten gezogen, den See mit ihrer Spitze berühren". So ist es heute noch. "Mit Fontane haben wir natürlich insbesondere durch seine Bekanntheit durch die Wanderungen durch die Mark Brandenburg sehr viele touristische Bezüge", sagt die künstlerische Leiterin der Fontane-Festspiele Uta Bartsch. Seit 2010 werden sie in Fontanes Geburtsstadt Neuruppin veranstaltet.

Ein großes Glück, dass nicht alles verloren gegangen ist

"Wir können wirklich seine Bücher in die Hand nehmen, an die Orte fahren, die er beschrieben hat, und es ist doch ein großes Glück für die Welt und für uns, dass in den letzten 150 Jahren nicht alles verlorengegangen ist, von dem Fontane schrieb, ganz im Gegenteil. Und das finde ich wirklich richtig, richtig gut und es verleitet zu Entdeckungsreisen", so Bartsch. In Neuruppin, knapp 80 Kilometer nordwestlich von Berlin, kam Fontane am 30. Dezember 1819 zur Welt. Seine Eltern waren Hugenotten, sein Vater hatte die Löwen-Apotheke am Ort übernommen, erzählt Kulturmanager Mario Zetzsche. Er ist für die Koordination des Fontanejahres zuständig. "Der Vater war ein großer Plauderer, er konnte eine Gesellschaft unterhalten und war auch sehr kenntnisreich, gerade was Geschichtskenntnisse anbelangte, und das hat er seinem Sohn in jedem Fall mitgegeben."

Peer Trilcke ist Juniorprofessor für deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts an der Universität Potsdam und Leiter des Fontane-Archivs in der Landeshauptstadt. Vor allem mit den Skizzen über Landschaften und Menschen, Orte und Sagen hat Theodor Fontane das weite Land rund um Berlin auf die literarische Landkarte gesetzt. "Fontane hat Brandenburg vor allem als einen historischen Raum von erstaunlicher Kohärenz und erstaunlicher Geschlossenheit erschlossen. Was Fontane mit den ‚Wanderungen durch die Mark Brandenburg‘ gemacht hat, ist ja erst nicht weniger als der Versuch, Brandenburg in seiner ganzen historischen Breite und landschaftlichen Vielfalt in eins zu fassen."

Satirisch karikierende Szenen

Der Ton ist dabei nicht belehrend, sondern unterhaltsam plaudernd, oft witzig. Diesen modernen Stil habe Fontane sich als Zeitungs-Korrespondent in London angeeignet:  "Es gibt grandiose Szenen im Stechlin, die wirklich köstlich geschrieben sind, die satirisch karikierend sind, ebenso in Stine, wo man, gerade wenn es um den Adel geht, den Karikaturisten Fontane auch entdecken kann, der mit sehr viel Spitzen gegen den Adel einfach witzige Porträts entwirft."
Fontanes Texte, so auch sein vielleicht bekanntester Roman "Effi Briest", waren also durchaus Populärliteratur, aber kunstvoll komponiert und gesellschaftskritisch. "Er macht das zugleich und das ist vielleicht dann sein Alleinstellungsmerkmal, mit einem Stil der changiert zwischen dem Menschen vom Munde abgehört, was das Gefühl erweckt, man höre so einen Stimmenchor in diesen Romanen, und sie sind zugleich sehr, sehr differenziert."
Fontane verließ mit seiner Familie Neuruppin schon im Alter von sieben Jahren, verbrachte sein Leben in Großstädten, starb in Berlin und ist dort auch begraben. Dennoch ist Brandenburg sehr stolz auf den Schriftsteller: Theodor Fontane gilt als Stimme der Mark.
 
  

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