Dienstag, 06. Dezember 2022

Kölner Forum für Journalismuskritik 2022
Julian Assange mit Günter-Wallraff-Preis ausgezeichnet

Für WikiLeaks-Gründer Julian Assange geht es nach den Worten seiner Ehefrau jetzt um das schiere Überleben. Stella Assange nutzte die Verleihung des Günter-Wallraff-Preises an ihren Mann für einen Hilferuf an die westliche Öffentlichkeit. Günter Wallraff verlangte, Deutschland müsse dem in London inhaftierten Enthüllungsjournalisten Asyl anbieten

19.05.2022

    Stella Assange (Mitte) nimmt den Günter-Wallraff-Preis 2022 stellvertretend für ihren Ehemann Julian Assange entgegen. Mit dabei sind Günter Wallraff und Vertreterinnen der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA).
    Stella Assange (Mitte) nimmt den Günter-Wallraff-Preis 2022 stellvertretend für ihren Ehemann Julian Assange entgegen. Mit dabei sind Günter Wallraff und Vertreterinnen der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA). (Deutschlandradio/Dirk Borm)
    Der investigative Journalist und WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist mit dem Günter-Wallraff-Preis 2022 ausgezeichnet worden. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Rahmen des 6. Kölner Forum für Journalismuskritik verliehen. Mit dem Preis ehrt die Initiative Nachrichtenaufklärung jährlich kritischen Journalismus und Zivilcourage.
    Deutschlandfunk-Chefredakteurin Wentzien erinnerte in ihrer Laudatio daran, dass Julian Assange über die Enthüllungsplattform WikiLeaks geheime Regierungsdokumente, Akten aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo, diplomatische E-Mails und Beweise für Kriegsverbrechen im Irak veröffentlicht habe. Missstände öffentlich zu machen sei eine Kernaufgabe des Journalismus. Genau das habe Julian Assange getan. Sollte er dafür verurteilt werden, wäre das ein weltweiter Präzendenzfall und ein Zeichen der Abschreckung für Reporterinnen und Reporter auf der ganzen Welt, so Wentzien.
    Günter Wallraff, Investigativjournalist und Namensgeber des Preises, würdigte den Mut und das Engagement von Julian Assange. Er habe durch seine Beharrlichkeit Missstände aufgedeckt, deren Ausmaß man sich nich habe vorstellen können. Dass er den diesjährigen Preis erhalte, sei ein unbedingtes Zeichen gegen das Vergessen und für die Solidarität, so Wallraff. Die Bundesregierung forderte er auf, Assange Asyl in Deutschland zu gewähren. Seine Auslieferung aus britischer Haft in die USA müsse verhindert werden. Wallraff kritisierte, Politiker wie Wirtschaftsminister Habeck hätten sich früher für Assange eingesetzt. Nach dem Eintritt in die Bundesregierung höre man von ihnen zu diesem Thema nichts mehr.
    Günter Wallraff spricht beim Kölner Forum für Journalismuskritik in ein Mikrofon auf der Bühne
    Günter Wallraff würdigt beim Kölner Forum für Journalismuskritik den inhaftierten Julian Assange für seine Enthüllungen (Deutschlandradio/Dirk Borm)
    Übergeben wurde der Preis stellvertretend an Stella Assange. Die rechtliche Verfolgung ihres Mannes sei politisch motiviert, sagte sie in ihrer Dankesrede. Das Ziel der Behörden sei es, Assange verstummen zu lassen. Wenn aber alle ihre Stimmen erhöben, werde auch seine Stimme wieder lauter. Der in Köln verliehene Preis und die öffentliche Aufmerksamkeit seien deswegen von großer Bedeutung. Stella Assange betonte, für ihren Mann gehe es jetzt um das schiere Überleben. Sie warf dem Westen doppelte Standards vor: Jetzt werde dazu aufgerufen, russische Kriegsverbrechen in der Ukraine öffentlich zu machen. Julian Assange habe nichts Anderes getan, nur eben in Bezug auf den Tod zehntausender Zivilisten im Irak und in Afghanistan.
    Stella Assange bei ihrer Dankesrede nach der stellvertretenden Entgegennahme des Günter-Wallraff-Preises für ihren inhaftierten Eheman Julian Assange
    Stella Assange bei ihrer Dankesrede nach der stellvertretenden Entgegennahme des Günter-Wallraff-Preises für ihren inhaftierten Eheman Julian Assange (Deutschlandradio/Dirk Borm)
    Die Verleihung des Günter-Wallraff-Preises bildete den Abschluss des 6. Kölner Forums für Journalismuskritik am 19. Mai 2022. Der Medienkongress wird von der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion und der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) veranstaltet. Mitveranstalterin war in diesem Jahr die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.