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FrankreichHirntod nach Medikamententest

Das französische Unternehmen Biotrial in Rennes  (afp/ Damien Meyer )
Biotrial: "Haben alle Bestimmungen befolgt" (afp/ Damien Meyer )

Tragisches Ende einer Arzneimittelstudie in Frankreich: Bei einem der freiwilligen Teilnehmer wurde der Hirntod festgestellt. Weitere Personen befinden sich in kritischem Zustand. Gesundheitsministerin Marisol Touraine sprach von einem „schlimmen Unfall“. Das Unternehmen erklärte, alle Vorschriften befolgt zu haben.

Sechs Teilnehmer der klinischen Studie wurden nach Angaben der französischen Regierung ins Universitätsklinikum Rennes gebracht. Das Gesundheitsministerium in Paris teilte mit, eine der Testpersonen habe reanimiert werden müssen. Vier weitere befänden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. Bei drei Teilnehmern befürchten die behandelnden Ärzte unumkehrbare Schäden. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Probleme neurologischer Art.

Insgesamt sollen sich 90 Personen an der Medikamentenstudie beteiligt haben. Nach Angaben des Ministeriums hatten sie eine Substanz eingenommen, die in einem europäischen Labor entwickelt wurde. Mehrere Medien berichteten, es habe sich um ein Schmerzmittel gehandelt, das Cannabinoide enthalte - also Derivate der Cannabis-Pflanze. Dem widersprach Gesundheitsministerin Touraine. Die Tests wurden in einem Labor des französischen Unternehmens Biotrial vorgenommen. Es teilte auf seiner Webseite mit, der Versuch sei "in voller Übereinstimmung mit den internationalen Bestimmungen durchgeführt worden." Man stehe in engem und regelmäßigem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden. Biotrial hatte die Nationale Behörde für die Sicherheit von Medikamenten und Medizinprodukten über den Stopp des Tests informiert.

In dem Labor in Rennes wurde eine sogenannte Phase-1-Studie durchgeführt. Hier wird der Wirkstoff erstmals am Menschen erprobt. Dabei sollen etwa die Verträglichkeit des Medikaments, seine Aufnahme im Körper und seine Wirkung geprüft werden. Die Tests, die in der Regel mit gesunden Freiwilligen durchgeführt werden, finden unter direkter ärztlicher Aufsicht statt. Touraine, die am Nachmittag nach Rennes reiste, sagte eine umfassende Aufklärung des Zwischenfalls zu.

In Großbritannien war es 2006 zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Sechs junge Männer erlitten ein multiples Organversagen, nachdem sie einen Wirkstoff gegen Multiple Sklerose eingenommen hatten. Die Arznei war in Deutschland entwickelt worden.

(kr/am)

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