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Frankreich
Le Pens Stellvertreter schmeißt hin

Die Chefin des französischen Front National, Marine Le Pen, hat ihren Stellvertreter Florian Philippot in seine Schranken verwiesen. Dieser wollte mit "Die Patrioten" eine eigene Bewegung innerhalb der Partei anführen. Nun hat Philippot den Front National verlassen - für die Partei ein herber Verlust.

Von Anke Schaefer | 22.09.2017
    Die Fotomontage zeigt Florian Philippot und Marine Le Pen.
    Florian Philippot ist nicht mehr Stellvertreter von Marine Le Pen beim Front National. ( AFP PHOTO / JOEL SAGET)
    Der Front National steckt tief in der Krise. Fünf Jahre lang haben Marine Le Pen und ihr Vizechef Florian Philippot gemeinsame Sache gemacht. Das ist vorbei. Er war verantwortlich für "Strategie und Kommunikation", jetzt hat Marine Le Pen ihn von allen Aufgaben entbunden, woraufhin er gleich ganz seinen Hut nahm.
    "Ich verlasse den Front National."
    Philippot hat innerhalb der Partei eine Vereinigung mit Namen "Die Patrioten" gegründet. Als das zu Ärger führte, sagte er, das sei ja nur ein "Think Tank". Marine Le Pen sah das anders:
    "Ich habe gleich gemerkt, dass es sich hier nicht um einen Think Tank handelte, sondern um eine politische Partei, die alle Charakteristika einer Partei aufweist."
    Die Partei in der Partei
    "Die Patrioten" stehen für die Wiedereinführung des Franc und den Austritt aus der EU. Florian Philippot ist der Präsident dieser Vereinigung. Diesen Posten sollte er aufgeben, doch er weigerte sich. Der Front National befindet sich in einem Umstrukturierungsprozess und Phillipot sah in diesem Streit um die "Patrioten" nur einen Vorwand:
    "Am Anfang habe ich es vielleicht nicht sehen wollen, aber dieser Umstrukturierungsprozess läuft schlecht. Jegliche Debatte ist unmöglich geworden."
    In Folge der Wahlniederlage im Mai hatte Marine Le Pen ihrer Partei diesen Umwandlungsprozess verordnet. Der Front National soll sich neu aufstellen. Gar nicht einfach. Vor der Wahl war es gelungen, dem Wähler sehr unterschiedliche inhaltliche Angebote zu machen. Marine Le Pens Nichte, die erfolgreiche Marion Maréchal-Le Pen, stand für die harte Linie des "alten" Front National à la Jean Marie Le Pen, national und letztlich fremdenfeindlich. Doch sie zog sich nach der Wahl aus der Politik zurück.
    Und jetzt verliert Marine Le Pen auch Florian Phillipot. Er ist jung, offen schwul, Absolvent einer Grande École, er steht für Elite. Er beklagt, dass die Themen Einwanderung, Islam und Sicherheit innerhalb des Front National zu wichtig genommen würden und will seinerseits für den Frexit kämpfen. Doch er sieht sich auf verlorenem Posten.
    "Hier geht's in Wirklichkeit um eine schlimme Rückkehr zu alten Zeiten. Der Front National wird wieder von seinen alten Dämonen eingeholt. Und in diesem neuen Projekt habe ich vielleicht keinen Platz. Daher musste ein Vorwand gefunden werden, um mich rauszuschmeißen."
    Florian Phillipot war wegen seiner anti-europäischen Positionen für die Wahlniederlage mitverantwortlich gemacht worden. Doch die war klar auch auf das schlechte Abschneiden Marine Le Pens beim Fernsehduell mit Emmanuel Macron zurückzuführen.
    Die allein herrschende Parteichefin
    Wenn Marion Marechal-Le Pen und Florian Phillipot für klare Positionen standen, ist vielen eher unklar, wo Marine Le Pen selbst eigentlich steht. Laut einer neuen großen Ifop-Umfrage möchten knapp 60 Prozent der Franzosen nicht, dass Marine Le Pen als Kandidatin bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2022 noch mal antritt. 66 Prozent halten sie für eher "fanatisch" und nur ein gutes Drittel der Befragten hält sie für "kompetent". Sie wettert gegen die Arbeitsmarktreform und gegen die Sozialpolitik von Präsident Emmanuel Macron, auch gegen seine Europapolitik.
    Derweil ist es Jean -Luc Mélenchon, der Chef der links-sozialistischen Bewegung La France Insoumise, der sich lautstark als Oppositionsführer positioniert. Er ruft die Franzosen zu Demonstrationen auf die Straße. Nächster Termin morgen, am Samstag. Enttäuschten Front National-Wählern ruft er jetzt, nach dem Abgang von Florian Phillipot zu:
    "All jenen, die sehr enttäuscht sind, solange sie keine Faschisten sind – denen sage ich: Verlasst den Front National und kommt zu uns, denn wir verteidigen die Arbeitnehmer!"
    Es gibt einiges zu tun für den Front National.