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Frauen und die Olympischen Spiele

Frauen sind bei den Olympischen Spielen jede Menge vertreten und immer wieder sorgen sie - genauso wie ihre männlichen Kollegen - für Gold, Silber oder Bronze. Als der französische Baron de Coubertin die Olympischen Spiele 1896 wieder neu belebte, da waren Frauen von der Teilnahme noch kategorisch ausgeschlossen. Eine Ausstellung im Frauenmuseum Bonn hat sich dem Thema "Frauen bei Olympia" gewidmet.

Gudrun Angelis im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske | 17.08.2008

Für die deutschen Zuschauer war es einer der mitreißendsten Wettbewerbe der Olympischen Spiele als die Schwimmerin Britta Steffen im 100-Meter-Freistil ihre erste Goldmedaille holte. Noch nach der Hälfte war sie vorletzte und lag fast eine Körperlänge hinter ihrer Rivalin zurück. Doch dann kämpfte sie sich bis an die Spitze vor und gewann. Eine Frau also brachte dem deutschen Olympiaverband den ersten Olympiasieg seit 1992.

Rund 100 Jahre davor - 1896 - als der französische Baron de Coubertin die Olympischen Spiele wieder neu belebte, da waren Frauen von der Teilnahme noch kategorisch ausgeschlossen. Erst ab 1900 wurden sie zu einzelnen Disziplinen zugelassen und bis heute gibt es immer noch reine Männerdomänen. Das Frauenmuseum in Bonn hat dem Thema "Frauen bei Olympia" eine Ausstellung gewidmet. Frage an die Kuratorin Gudrun Angelis, was durften denn Frauen bei den Olympischen Spielen der Antike?

Gudrun Angelis: Da war ganz klar, dass Frauen überhaupt nicht antreten durften. Und selbst als Zuschauerinnen waren sie eigentlich nicht zugelassen. Das heißt, in die Staaten durften nur Jungfrauen kommen, die sich die Spiele anschauen durften, aber als Teilnehmende waren sie gänzlich ausgeschlossen.

Schäfer-Noske: 1896 wurden die Spiele wieder belebt. Was war denn damals die Begründung, die Frauen nicht zu den Wettkämpfen zuzulassen, die arbeiteten ja damals auch schon in Fabriken zum Beispiel?

Angelis: Coubertin war ja der Begründer der Spiele und aber auch der größte Verfechter dafür, dass Frauen eben nicht teilnehmen dürfen. Und er sagte, ich beziehe mich da ganz auf die antiken Spielen. Da waren Frauen nicht zugelassen, das müsste ich jetzt auch nicht, zumal der Körperbau ist nicht ausgeprägt, als dass Frauen diese Höchstleistungen bringen können. Außerdem sollen Frauen auch weiterhin Kinder bekommen, das verhindert die Gebärfreudigkeit. Und das waren so die Begründungen. Oft wurde das auf dem gesundheitlichen Zustand der Frauen geschoben.

Schäfer-Noske: Inwieweit gab es denn damals Leute, die den Ausschluss der Frauen kritisiert haben?

Angelis: Die Frauen selbst haben sich ja irgendwann in einem Verband zusammengetan. Und dafür plädiert, dass sie teilnehmen können bei den Olympischen Spielen und haben dann auch selbst eigene olympische Spiele stattfinden lassen, die den regulären Olympics quasi eine ziemliche Konkurrenz gemacht hatten. Aufgrund dessen hat man dann ja auch zunehmend gesagt, okay, bei der einen oder anderen Disziplin dürfen auch noch Frauen teilnehmen. Wenn man einfach mal ein Beispiel nimmt. 1972 in München, da hatten wir immer noch 17 Prozent gerade mal an Frauenanteil, Sportlerinnen, die daran teilnehmen dürfen. Und selbst heute ist es ja noch so, dass es Disziplinen gibt, an denen Frauen nicht teilnehmen dürfen. 2004 kam das Ringen und Säbelfechten neu ins Programm. Und jetzt, heute, bei den Sommerspielen dürfen Frauen immer noch nicht am Boxen teilnehmen, obwohl sie ja da eben auch stark vertreten sind bei anderen Meisterschaften. Und bei den Winterspielen ist es das Skispringen. Und da haben wir in der Ausstellung auch ein sehr schönen Beitrag von einer norwegischen Künstlerin, die da eine Dokumentation mit norwegischen Skispringerin gemacht hat, die eben bei den Weltmeisterschaften teilnehmen dürfen, aber immer noch nicht bei den Olympischen Spielen.

Schäfer-Noske: Warum ist denn Eiskunstlauf eine ja doch irgendwie Frauendisziplin, aber Skispringen zum Beispiel nicht?

Angelis: Schon 1908 durften ja die ersten deutschen Frauen an den Olympischen Spielen teilnehmen. Und da war Anna Hübler die allerallererste Olympiamedaillensiegerin im Paarlauf. Ich denke, das ist eine Disziplin, die ist anmutig, schön anzusehen. Und das wurde schon immer für Frauen favorisiert.

Schäfer-Noske: 1936 waren ja relativ viele Frauen auch angetreten.

Angelis: Richtig, ja. Obwohl das der Ideologie ja überhaupt nicht entsprach. Da hat man ja viel lieber die Mutter gesehen. Aber Hitler hat es ganz klar erkannt, dass man Deutschland ins rechte, gute Licht setzen kann und hat dann diese, würde ich schon sagen, perfiden Spiele inszeniert, zu denen er viele Frauen geladen hat, einfach auch um viel Goldmedaillen präsentieren zu können.

Schäfer-Noske: Nun komme ja auch einige Sportlerinnen aus islamischen Ländern. Aber da dürfen ja noch nicht in allen Ländern auch Frauen antreten?

Angelis: Oft ist es ja auch ein Kleidungsproblem, dass Frauen, wenn sie in den langen verhüllten Gewändern an den Start gehen, gar nicht so leistungsfähig sind wie jetzt Frauen aus anderen Nationen. Wir haben hier in der Ausstellung auch eine Künstlerin, die Karen Shaw, die sich damit befasst. Sie hat T-Shirts aufgeribbelt, sodass lange federne Gewänder entstehen und steckt sie da Sportler rein. Da zielt sie eben auch darauf ab, Männer können da prima über Frauen entscheiden, solange sie diese Kleidung nicht tragen müssen.