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Freie Fahrt für eine bessere Zukunft an der Deutschen Oper Berlin?

Das kulturpolitisch engagierte Berlin hat sich, so die Signale aus der Kulisse, auf Anfang Oktober als Termin verständigt. Es scheint nur noch eine Frage der Usancen, wie die Entscheidung "verkauft", also in die Medien-Walze eingebracht wird. Der Druck der Künstlerischen Vorstände aus dem Betrieb auf die Senatsverwaltung und von Seiten der Bundes-Politik scheint gefruchtet zu haben. Bis in den nicht ganz unmaßgeblichen Förderkreis der Deutschen Oper hinein hatten sich die Stimmen gemehrt, die Zimmermanns Ablösung befürworteten oder gar forderten. Dass der Generalmusikdirektor Christian Thielemann, der sich mehr als einmal von Zimmermann düpiert fühlte, an dessen Stuhl sägte, ist ein offenes Geheimnis. Und dann hatte, das mag den Eiterpickel zum Platzen gebracht haben, eine kleine Fachzeitschrift in der vergangenen Woche die erste Zimmermann-Saison zum "Ärgernis des Jahres" gekürt. Nun also "hat er fertig".

Ein Beitrag von Frieder Reininghaus |
    Zur Erinnerung: Der Komponist und Dirigent Udo Zimmermann wurde Ende des vorigen Jahrhunderts vom Kultursenator Radunski, dem legendären "Zigeunerbaron", für die Hauptstadt akquiriert. Bis dahin hatte er sich als Leiter eines Zentrums für zeitgenössische Musik in seiner Heimatstadt Dresden profiliert und ein knappes Jahrzehnt als Intendant der Leipziger Oper den Anschluss dieses großen Hauses, das sich auf die musikalische Tradition und die Qualitäten des Gewandhausorchesters stützen kann, an die westliche Moderne betrieben. Es konnte 1999 also eine insgesamt eher positive Bilanz der organisatorischen Bemühungen in Sachsen gezogen werden.

    Nur: Berlin ist nicht Leipzig. Und Zimmermann trat kein leichtes Erbe an. Die Deutsche Oper, in den Siebziger und Achtziger Jahren "Flaggschiff" der deutschen Musiktheater und eines der ersten Häuser Europas, war unter dem alternden Generalintendanten Götz Friedrich gegenüber der in Berlin Mitte angesiedelten Staatsoper in mancherlei Hinsicht ins Hintertreffen geraten. Das nach dem Krieg historistisch rekonstruierte, relativ kleine Opernhaus unter den Linden hatte unter Stabführung von Daniel Barenboim im Laufe der Neunziger Jahre immer größere Portionen der öffentlichen Zuwendungen, schließlich den Löwenanteil ergattert; die Zuwendungen für den großen Dampfer in Charlottenburg wurde kontinuierlich abgesenkt - 1998 beispielsweise auf 80,6 DM Millionen gegenüber 86,6 DM für das kleine Juwel ein paar Kilometer weiter östlich.

    Die Saison 2001/2002 hätte der Deutschen Oper einen Aufbruch zu neuen Ufern bringen müssen. Zimmermann selbst schürte bei seinem Amtsantritt in Berlin mit immer neuen Ankündigungen allzu große Erwartungen. In fast grenzenloser Selbstüberschätzung schwadronierte er vor Medienvertretern seines besonderen Vertrauens davon, dass er Woody Allen als Opernregisseur an die Deutsche Oper holen und Steven Spielberg für den "Ring des Nibelungen" verpflichten werde – die amerikanischen Freunde wussten noch nicht einmal von solch zweifelhaftem Glück.

    Zimmermann, der allenthalben auf mehreren Hochzeiten tanzt (auch in Dresden und München ist er fortdauernd als Manager neuer Musik tätig), mag die Herausforderungen der Berliner Generalintendanz unterschätzt haben. Mit dem, was er in seiner ersten Spielzeit präsentierte – von Nono bis Cherubini – vermochte er im Westen der Stadt nicht zu überzeugen und im Osten keine neue Liebe zu wecken.

    Das Haus hätte eine zielstrebige, straffe und perspektivenreiche Führung benötigt, wurde aber eher dilatorisch moderiert. De ohnedies prekäre finanzielle Lage der Deutschen Oper hat sich nicht etwa, wie zu erwarten, verbessert, sondern dramatisch zugespitzt. Da konnte nun die zu rabiatem Sparkurs gezwungene Landesregierung nicht mehr lange fackeln. Der keineswegs freiwillige Abgang kommt fast unerwartet früh.

    Mit der bevorstehenden Entscheidung wird auch der seit langem schwelende Prestige- und Machtkampf zwischen dem Theaterdirektor und seinem Generalmusikdirektor Thielemann zu dessen Gunsten entschieden. Möglicherweise aber, und das wäre das entscheidende, wird nun der Weg frei für das große Revirement in der Berliner Musiktheaterlandschaft, das seit Anfang der 90er Jahre überfällig ist (denn die Stadt verfügt über allzu große Überkapazitäten und über zu wenig wirklich Innovatives im Opern-Sektor).

    Wohin dieser Weg, gesäumt von Spar-Zwängen, dann freilich mittelfristig oder à la longue führt, ist gegenwärtig ganz und gar offen. Es kommt darauf an, wie die Blicke nach vorn gerichtet und dass nicht noch einmal eklatante personelle und kulturpolitische Fehlentscheidungen getroffen werden.

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