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StartseiteSport am WochenendeDopingtests in dänischen Fitnessstudios06.05.2018

FreizeitsportDopingtests in dänischen Fitnessstudios

Dem professionellen Gewichtheben und Bodybuilding kann man ein massives Dopingproblem attestieren. Im Freizeitsport gilt: Wer zur sogenannten Selbstoptimierung dopt, ohne Wettkampf, der kann nicht einfach so belangt werden. In Dänemark ist das anders: Dort gibt es Dopingtests in Fitnessstudios.

Von Johannes Kulms

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Bodybuilder spannt Rückenmuskulatur an (imago/Ikon Images)
Bodybuilder spannt Rückenmuskulatur an (imago/Ikon Images)
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30, vielleicht 40 Besucher sind an diesem Nachmittag an den Geräten im nagelneuen Fitnessstudio Center in Varde – einer 13.000-Einwohnerstadt in Jütland, rund zwei Autostunden von Flensburg entfernt. Die meisten Sportler hier sind jung und männlich.

So wie Henrik Juul Sørensen. Sein Körper aber auch sein Selbstwertgefühl, hätten sich in den letzten drei Jahren durch Training verbessert, sagt der 18-Jährige. Hat er schon mal daran gedacht, mit Doping nachzuhelfen? Ja, sagt Henrik Juul Sørensen. Doch getan habe er es nie. "Wegen meines Körpers. Das würde meine Nieren zerstören und ich habe große Angst davor, Steroide einzunehmen", sagt Sørensen.

Betrieben wird das Studio von Fitness World, der größten Center-Kette in Dänemark. Derzeit gebe es landesweit rund eine halbe Million Mitglieder, sagt Center-Managerin Lene Heiberg Bondesen: "Jeder zehnte Däne ist Mitglied bei uns. Wir sind also ziemlich groß."

"Man kann seinen Körper für immer zerstören."

Ähnlich wie in Deutschland hat die Fitness-Gemeinde in Dänemark in den letzten Jahren enormen Zuwachs bekommen. Doch damit steigen auch die Herausforderungen. Zum Beispiel der Kampf gegen Doping. Der Hebel ist das Hausrecht der Fitnessstudios. Denn Selbstschädigung ohne Betrug im Wettkampf ist nicht verboten.

Auch hier im neuen Studio in Varde gebe es Fälle von Doping, sagt die Chefin: "Uns gefällt das nicht. Erst einmal ist es verboten, Drogen wie Steroide zu nehmen, die einen aufpumpen. Und zweitens: Es ist nicht gesund. Man kann seinen Körper für immer zerstören. Wir versuchen, solche Leute fernzuhalten. Aber mein Eindruck ist: In unserer heutigen Welt wird fast schon süchtig darauf geguckt, wie man aussieht. Gerade junge Männer wollen große Muskeln und ein ganz bestimmtes Aussehen."

Zwei bis drei Prozent aller Fitnesscenter-Gäste greifen zu illegalen Substanzen so die Schätzungen des Dachverbands DFHO. Er vertritt nach eigenen Angaben rund die Hälfte aller Studios des Landes.

Vor allem junge Männer zwischen 15 und 30

Seit mehr als zehn Jahren versucht die dänische Anti-Doping-Agentur, das Problem zu bekämpfen. Rund die Hälfte aller Center nimmt am Präventionsprogramm teil. Die Mitarbeiter von Anti Doping Danmark besuchen die Fitnessstudios, um Betreiber und Nutzer zu beraten. Doch ebenso können sie jederzeit die Studiogäste zu einer Dopingprobe auffordern. Einer dieser Berater ist Søren Voss, der an diesem Nachmittag nach Varde gekommen ist.

Voss sagt: "Normalerweise gehe ich erst mal rum und schaue, ob jemand da ist, der für eine Dopingkontrolle infrage kommt. Denn wenn ich erst was anderes mache, sind die schon lange weg. Weil sie wissen, dass wir da sind."

Es sind vor allem die jungen Männer zwischen 15 und 30, die Voss interessieren. Noch vor drei Jahren sei es einfacher gewesen, gedopte Studio-Besucher zu entdecken, sagt Voss: "Es war in, richtig muskulös zu sein, richtig schwer – fast wie ein Panzer. Aber heute wollen die Leute gesund aussehen. Obwohl sie es ja gar nicht sind. Sie wollen einen Waschbrettbauch und wenig Fettanteil. Sie wollen nicht wie ein Haus aussehen, sondern einfach fit wirken und dadurch wird es schwerer, sie zu erkennen."

"Dadurch werden die Doper rausgehalten"

Ein paar Minuten Lang sieht er sich um im Center in Varde, spricht mit der Managerin. Alles scheint in Ordnung. Dann fällt ihm ein junger Mann auf. Thomas Morsing ist muskulös und tätowiert. Als der 25-Jährige erklärt, dass er fünf Jahre lang Soldat war, winkt Voss ab und macht deutlich: Schon ok!

Dass er hier einfach so von einem Mitarbeiter der dänischen Anti-Doping-Agentur angesprochen werden kann, findet Thomas Morsing gut. Er habe ja schon bei seiner Anmeldung gewusst, dass das Fitness-Center an dem Präventionsprogramm teilnehme.

Morsing sagt: "Das ist doch total normal, dass er sich die kräftigen Typen anschaut, weil die normalerweise dopen. Ich finde es gut, dass sie hier kontrollieren. Dadurch werden die Doper rausgehalten und müssen dann auf die Center ausweichen, die nicht an dem Anti-Doping-Programm teilnehmen."

Managerin Lene Heiberg Bondesen weiß, dass sie jederzeit zum Hörer greifen kann, um der Anti-Doping-Agentur eine verdächtige Person zu melden. Sie ist erleichtert darüber, dass die Mitarbeiter der Agentur die Gespräche führen und gegebenfalls einen Test veranlassen. Doch eine Polizei sei man nicht, sagt Malene Radmer Johannisson. Sie kümmert sich bei Anti Doping Danmark um das Präventionsprogramm.

"Ungesunde Vorbilder raussieben"

Johannisson erklärt: "Wir machen die Kontrollen nicht, weil wir glauben, dass das Doping verhindert. Wir wollen durch die Tests die ungesunden Vorbilder raussieben, die mit den schlechten und unrealistischen Körperidealen. Denn im schlimmsten Fall schauen sich die jungen Leute davon was ab und das wollen wir nicht. Wir wissen doch: Wenn die Teenager von großen Brustmuskeln und dicken Armen träumen, dann fragen sie die stärksten Typen im Fitnessstudio um Rat. Aber eben nicht die ausgebildeten Trainer."

Über 1.000 Mal haben ADD-Mitarbeiter im vergangenen Jahr dänische Fitness-Studios besucht. Dabei wurden insgesamt 283 Personen auf Doping getestet. In fast der Hälfte der Fälle waren die Tests positiv, weil entweder verbotene Substanzen eingenommen worden waren oder die Studiobesucher den Test verweigerten. 

Als Konsequenz können die Betroffenen für mehrere Jahre vom Besuch der Fitness-Center ausgeschlossen und auch für Sportwettbewerbe gesperrt werden.

Die Teilnahme am Präventionsprogramm kostet jedes Studio umgerechnet circa 500 Euro im Jahr und ist freiwillig. Wer allerdings unter dem Dachverband DFHO organisiert ist, ist dazu verpflichtet. Ob sie nun mitmachen oder nicht müssen die Betreiber mit einem Schild im Eingangsbereich anzeigen. So soll Doping auch im Freizeitsport ausgesperrt werden. Doch womöglich fühlt sich nicht jeder "harte" Kerl davon angesprochen.

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