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Freizeitsportler dopen zur "Körpermodellierung"

Der Sportausschuss des Bundestages hat sich mit dem Medikamentenmissbrauch zur Leistungssteigerung im Freizeitsport befasst. Ergebnis: Ein Drittel der "Amateur-Doper" lässt den freiwilligen Missbrauch sogar von Ärzten kontrollieren, getreu dem Motto: "Hilfst du mir nicht, dann mache ich es eben ohne ärztliche Kontrolle".

Von Jessica Sturmberg | 27.05.2009
    Eigentlich ist der Sportausschuss für den Spitzensport zuständig, daher war es ungewöhnlich, dass sich die Parlamentarier umfassend mit dem Thema Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport auseinandersetzten. Dass sie es taten, liege an der Dringlichkeit, wie Ausschussvorsitzender Peter Danckert betonte. Denn der Missbrauch von Arzneien zur Leistungssteigerung nehme zu.
    Wie verbreitet er ist, dazu gibt es zwar keine sicheren Erkenntnisse, aber was man weiß, ist, dass die Anwender immer jünger werden und dass das Internet den Zugang zu Substanzen deutlich erleichtere.
    Mischa Kläber vom Institut für Sportwissenschaften der Technischen Universität Darmstadt:

    "Man geht ja mittlerweile davon aus, dass jedes neunte bis zehnte Mitglied eines kommerziellen Fitnessstudios mehr oder weniger regelmäßig zu verschreibungspflichtigen Medikamenten greift zum Zweck der Optimierung im Sinne einer Körpermodellierung. Meines Erachtens ist die Dunkelziffer um einiges höher, da es sich eben bei den genannten Untersuchungen um standardisierte Befragungen handelt und die oftmals mit einer geringen Rücklaufquote einhergehen. Das führt dann wiederum zu Verzerrungseffekten und es ist ja allgemeinhin bekannt, dass Dopingmitteluser natürlich nur ungern über ihre dubiosen Machenschaften Auskunft geben."

    Die Mittel beziehen die Sportler zum einen über Händler etwa in bestimmten Fitnessstudios und im Internet, vielfach aber auch über Ärzte:

    "Es gibt wirklich ein paar schwarze Schafe, und es langen ja auch ein, zwei Ärzte, um ganze User-Netzwerke ärztlich zu betreuen. Dann gibt es aber auch den gewöhnlichen Hausarzt, der von einem seiner Patienten, den er schon seit Jahrzehnten kennt, kontaktiert wird und gefragt wird, ja ich habe jetzt vor, eine Anabolika-Kur zu machen, wie sieht es aus, würden sie mich da irgendwie ein bisschen betreuen, mal Blutbild checken und Ähnliches und dann lässt sich vielleicht der eine oder andere Arzt auf dieses heiße Spiel ein mit der Intention eine Schadensbegrenzung zu betreiben, weil die Athleten dann auch unmissverständlich klar machen, also wenn sie mich nicht betreuen, dann mache ich es eben in Eigenregie."

    Schlechte Vorbilder im Spitzensport, die allgemein viel zu leichtfertige Einstellung gegenüber pharmazeutischen Produkten und der zunehmende Leistungsdruck und eigener Wille führten dazu, dass Menschen Medikamente nähmen, für die es keine medizinische Notwendigkeit gebe.
    Vor diesem Hintergrund fordern Mediziner wie Professor Klaus Müller, ehemals Dopingforscher in Kreischa, den Besitz auch geringer Mengen von Dopingsubstanzen strafrechtlich zu verfolgen:

    "Wieso soll jemand sich dann erst strafbar machen, wenn er eine Wochen-Kur besitzt oder mehr, wenn er doch überhaupt keine Veranlassung hat dazu. Man muss ja von Anfang an dann die Unredlichkeit unterstellen, dass das eben zu Dopingzwecken verwendet werden soll."