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Freunde fürs Leben

In der Römerzeit hießen ausrangierte Soldaten "Alumni" - das waren die Veteranen, die man kostenlos ernährte. Heute soll es umgekehrt sein: Die "Alumni", also die Absolventen der Hochschulen, sollen einen Beitrag zur Weiterentwicklung ihrer alten Hochschule leisten - finanziell und ideell. In welcher Form das geschehen kann, diskutierte der Dachverband der deutschsprachigen Alumni-Organisationen der Hochschulen.

Von Ludger Fittkau |
    Es tut sich viel in der Alumni-Arbeit im deutschsprachigen Raum - auch wenn man hierzulande oft noch neidisch in die USA blickt. Denn anders als in Übersee können die Hochschulen mit ihren Ehemaligen in der Regel noch kein Geld verdienen. Dennoch bemüht man sich vielfältig um die Absolventen: Der Alumni-Stammtisch ist nach wie vor eines der wichtigsten Instrumente, um die Absolventen an die Hochschule zu binden. 28 Stammtische weltweit hat alleine Uni Passau organisiert. Dirk Morbitzer, Vorsitzender einer der beiden Passauer Alumni-Vereine:

    " Von Shanghai, Kinshasa, New York, London, Passau, München, Frankfurt und wir versuchen halt unsere Mitglieder weltweit miteinander zu vernetzen und den Kontakt zur Uni Passau aufrechterhalten zu lassen."

    Doch bei den Stammtisch-Treffen bleibt es nicht. An der Uni Passau, aber auch an vielen anderen Hochschulen spielen fächerbezogene Alumni-Gruppen eine große Rolle, betont Dirk Morbitzer. Das Stichwort lautet "Carrier-Service" - also "Karriere-Hilfe" - die soll mit der Alumniarbeit künftig stärker verknüpft werden:

    " Das heißt der berufsspezifische Austausch, die Juristen mit den Juristen, die Beamten mit den Beamten, die Banker mit den Bankern. Im Laufe ihrer Karriere kommen die Leute dann oft dahin, dass sie selber Mitarbeiter einstellen."

    Die Verknüpfung des Karriere-Service für die Studierenden und der Alumni-Arbeit: Das war eines der zentralen Themen am Wochenende in Darmstadt. Die Betreuungsstrukturen im angelsächsischen Raum sind dabei Vorbild. Edmund Serra, Geschäftsführer der Stelle "Alumni und Karriere-Service" an der Fachhochschule Karlsruhe:

    "Man kann die Situation in den USA jetzt sicherlich nicht auf Deutschland übertragen, schon gar nicht eins zu eins. Aber man kann natürlich, und das zählt jetzt nicht nur für die USA, sondern genauso für Großbritannien, wo es eine sicherlich vergleichbare Tradition gibt in der Alumniarbeit, Ideen übernehmen in der Ansprache der Alumni, in der Wertschätzung und Stellung der Alumni in Verbindung zur Hochschule und ähnliches."

    Die Alumni-Organisationen setzen darauf, aus dem Kreis der Hochschulabgänger verlässliche Förderer zu gewinnen. Dabei steht hierzulande zunächst nicht das "Fund-Raising" sondern das "Friend-Raising" im Vordergrund. Das heißt: Nicht auf die Geldbeutel der Alumni zielt die Arbeit vorrangig, sondern vor allem auf die Köpfe. So will man Absolventen verstärkt als Mentoren für Studierende gewinnen. Angelika Wulf ist an der Uni Witten-Herdecke für die Alumni zuständig:

    " Wir treffen uns in der Einsicht, dass das Mentoren-Konzept etwas ist, was auch mit den Alumni umgesetzt werden kann, dass die Alumni für uns sehr wichtig sind. Je nachdem, wie die Hochschule aufgebaut ist, wird sich das im Einzelnen völlig unterschiedlich gestalten, aber die Grundideen des "Friend-Raising", des "Brain-Raising", das sind Dinge, da treffen wir uns alle. Und wie ich das jetzt von meinen Kollegen mitgekriegt habe: Alle sind sehr vorsichtig bei dem Punkt "Fund-Raising". "

    Das ist anders als in den USA. Dort werden die Absolventen aggressiv von ihren ehemaligen Hochschulen umworben, berichtet Angelika Wulf:

    " Die werden regelrecht traktiert, muss ich sagen. Und das ist etwas, was in Deutschland nicht so gut kommt. Wir haben Alumni, die auch in den USA studiert haben, die sagen: Warum macht ihr das denn nicht genauso wie die? Ja, sie sind es gewohnt. Die anderen, die in Deutschland geblieben sind oder in andere EU-Staaten gegangen sind, wo das nicht üblich ist, die fühlen sich dann doch eher belästigt. Das gibt dann negative Reaktionen. Wir haben eine andere Mentalität."

    Und es fehlen bisher oft schlicht die Gelder, um eine effektive Alumni-Arbeit zu organisieren. Das beklagt Christian Kramberg, der als Vorsitzender des Alumni-Clubs-Net e.V. gemeinsam mit der TU Darmstadt das Treffen organisierte:

    " Sehr oft sind es Lippenbekenntnisse der Hochschulleitung, weil es vielleicht gerade im Trend liegt, aber erst die großen Universitäten, die innovativen Hochschulen haben es verstanden, dass man eben, wenn man später etwas haben möchte, zunächst investieren muss."

    Investieren werden muss oft auch in eine straffe Organisation der Alumni-Arbeit. Viele alteingesessene deutschsprachige Unis leiden noch unter einer Zerfaserung der Absolventenbetreuung, das wurde beim Treffen in Darmstadt deutlich. 17 Alumnivereine - pro Fakultät einer - das halten die meisten Fachleute heute nicht mehr für zeitgemäß.