Parlamentswahl
Friedensnobelpreisträger mit autoritären Zügen: Äthiopiens Ministerpräsident Ahmed strebt dritte Amtszeit an

In Äthiopien wählen die Bürgerinnen und Bürger ein neues Parlament. Die besten Chancen werden der Partei des amtierenden Regierungschefs Abiy Ahmed ausgerechnet. Er erhielt 2019 wegen der Versöhnung mit dem Nachbarland Eritrea den Friedensnobelpreis. Er regiert jedoch zunehmend autoritär.

    Äthiopiens amtierender Regierungschef Abiy Ahmed lächelt von einem Wahlplakat.
    Äthiopiens amtierender Regierungschef Abiy Ahmed (AFP / MARCO SIMONCELLI)
    Ahmed ist seit 2018 Ministerpräsident und strebt seine dritte Amtszeit an. Kritiker werfen ihm vor, die Opposition in Äthiopien zu unterdrücken. Außerdem führte er sein Land in einen Bürgerkrieg. In der um Autonomie bemühten Tigray-Region starben zwischen 2020 und 2022 mehr als 600.000 Menschen. Dort wird nicht gewählt. Die Regierung begründet dies mit Sicherheitsrisiken für Wähler und Wahlhelfer.

    Rund 50 Millionen Wahlberechtigte

    Rund 50 Millionen Menschen sind bei der Parlamentswahl in Äthiopien stimmberechtigt. Es bewerben sich mehr als 2.000 Kandidaten um 502 Abgeordnetenmandate. 47 Parteien sind zugelassen. Das Ergebnis muss bis zum 11. Juni bekanntgegeben werden.
    Menschenrechtsgruppen rechnen - wie schon 2021 - mit Beeinträchtigungen. Von rund 30.000 der 52.000 Wahllokale haben die Behörden laut der äthiopischen Zeitung "The Reporter" nicht bekanntgegeben, wo sie sich überhaupt befinden. Äthiopiens größtes Oppositionsparteienbündnis hat sich zurückgezogen, nachdem Gerichte die Kandidatenlisten mehrerer Parteien annulliert hatten.

    Weitverbreitete Armut

    Äthiopien hat gut 135 Millionen Einwohner. Trotz hoher Wachstumsraten leben 40 Prozent der Bevölkerung in absoluter Armut. Der Iran-Krieg hat Treibstoff und damit auch Lebensmittel in den Städten erheblich verteuert.
    Diese Nachricht wurde am 01.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.