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Frontalunterricht - besser als sein Ruf?

Obwohl er immer noch an den meisten deutschen Schulen Standard ist, gilt der Frontalunterricht schon seit Langem als Auslaufmodell. Neuere Studien allerdings attestieren dieser Unterrichtsform durchaus gute Erfolge.

Von Andrea Lueg | 19.01.2013

Da ist zum einen der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie. In seinem 2008 erschienenen Buch "Visible Learning" geht er der Frage nach: Was ist guter Unterricht? Dafür hat er alle englischsprachigen Studien zum Thema Lernerfolg gesichtet. Die Megaanalyse zählt den Frontalunterricht durchaus zu den wirkungsvollen pädagogischen Konzepten. Schüler lernen dann am besten, konstatiert die Studie, wenn Lehrer ihre Klasse stringent führen, stets im Griff haben und ihren Unterricht klar strukturieren.

Wobei es dabei, wie im Unterricht insgesamt, entscheidend auf den Lehrer ankomme. Ein guter Lehrer, so Hattie, habe ein breites Repertoire von Unterrichtsstilen, die er je nach Klasse einsetzen kann. Ein Patentrezept gebe es dabei nicht. Der offene Unterricht kommt bei Hattie dennoch schlechter weg als der Frontalunterricht. Den rechnet er nämlich zu der Kategorie "Schadet nicht –nützt aber auch nicht". Hatties Buch soll in diesem Jahr auf Deutsch erscheinen.

Eindeutiger dagegen die Studie des Münchner Ifo Instituts: Frontalunterricht bringe mehr als problemorientierter oder offener Unterricht, stellt der Autor Guido Schwerdt fest.

"Wenn ein Lehrer zehn Prozent mehr Zeit auf frontales Unterrichten verwendet", sagt Schwerdt, "dann zeigen Schüler einen Leistungsvorsprung, der ungefähr dem Wissenszuwachs von ein bis zwei Monaten Schulbildung entspricht."

Nicht nur die leistungsstarken, auch die schwächeren Schüler würden davon profitieren, so die Untersuchung. Auch dafür stammten die Daten allerdings nicht aus Deutschland, sondern aus den USA.